KPI in der Webanalyse 09.12.2018, 11:11 Uhr

Bounce Rate: Die 5 häufigsten Missverständnisse und Irrtümer

Die Bounce Rate ist eine der häufigsten KPIs in der Webanalyse. Über keinen Indikator kursieren so viele Missverständnisse und Irrtümer. Patrick Benner von Artus interactive klärt auf.
(Quelle: shutterstock.com/Ditty about summer)
Von Patrick Benner, CEO von Artus interactive
Jeder, der mit Webseiten Geld verdienen will, weiß, dass die Bounce Rate wichtig ist. Mit ihr steht und fällt die Laune einer ganzen Branche, misst sie doch die Absprungrate. So entsteht leicht das Gefühl, alle anderen Metriken in Google Analytics seien zu Beiwerk verkommen, um sie zu relativieren. Doch nach wie vor gibt es zahlreiche Irrtümer in dieser Diskussion.
Um die Bounce Rate richtig zu interpretieren und die richtigen Schlüsse aus ihr zu ziehen, sind folgende Fehlannahmen zu vermeiden:

1. Die Bounce Rate ist eine "Single Page View Session"

Die größte Fehlannahme bezüglich der Bounce Rate findet sich in einer weit verbreiteten Definition, nach der es sich bei einem Absprung, dem Bounce, um eine Session mit nur einem einzelnen Seitenaufruf handelt.
Anders gesagt: Die Einstiegsseite sei identisch mit der Ausstiegsseite. Allerdings greift diese Definition zu kurz, denn sie unterschlägt ein wichtiges Momentum. Auch Interaktionen auf der Seite, wie zum Beispiel der Klick auf einen Download-Button oder auf ein Video, welches dann auf der gleichen Seite abgespielt wird, durchbrechen den Bounce, wenn sie von Google Analytics als Events getrackt werden.
 
Als treffendere Definition bietet sich daher an: Ein Bounce ist eine Session mit nur einem einzelnen Seitenaufruf, der ohne weitere getrackte Interaktion stattfindet.

2. Eine hohe Bounce Rate ist immer etwas Schlimmes

Handelt es sich bei der besuchten Seite beispielsweise um eine Startseite, liegt es nahe, dass der vorgefundene Inhalt für den Besucher nicht relevant war und er sich deshalb nicht weiter durch das Angebot der Website geklickt hat. Ähnlich kann es sich verhalten, wenn die Seite darauf abzielt, ein Produkt oder eine Dienstleistung zu verkaufen und der Besucher die Seite ohne die gewünschte Interaktion verlässt.
 
Auch wenn die negative Einstufung einer hohen Bounce Rate in den meisten Fällen korrekt sein mag, muss sie nicht zwangsläufig immer richtig sein. Einen Bounce kann auch der Besucher verursachen, der eine Information gesucht und diese auf der aufgerufenen Seite gefunden hat. Und damit zeigt sich die größte Schwierigkeit bei der Interpretation eines Absprungs: Entweder war der Besucher sehr unzufrieden oder aber sehr zufrieden.

3. Die durchschnittliche Besuchsdauer einer Seite bezieht sich auch auf abgesprungene Besucher

Weiterhin muss man vorsichtig sein, die hohe Bounce Rate einer Seite mit einer hohen Time on Site zu relativieren und dabei zu denken, solange der Besucher viel Zeit auf der Seite verbracht habe, wird er auch zufrieden gewesen sein.
 
Denn: Die Besuchsdauer der Besucher, die einen Bounce verursacht haben, wird von Google Analytics gar nicht getrackt und somit hat das Nutzerverhalten der Bounces überhaupt keinen Einfluss auf die Metrik "Time on Page".
Google Analytics misst die Besuchsdauer nur von Hit zu Hit beziehungsweise immer bis zur letzten messbaren Aktion eines Users - also bis zu einem Event oder einem Seitenaufruf. Die Zeit nach dem letzten Hit kann von Google Analytics nicht gemessen werden. Gemeint ist die Dauer, die ein Nutzer ohne weitere Interaktion vor dem Verlassen auf der Seite verbringt. Diese fließt nicht in die Besuchszeit mit ein.
Bounces finden per Definition ohne trackbare Interaktion des Users statt und werden von Google Analytics immer mit einer Seitenbesuchsdauer von 00:00:00 ausgewiesen. Diese Zeit wird bei der Berechnung der durchschnittlichen Besuchsdauer einer Seite aller Besucher außen vor gelassen und hat keinen Einfluss auf den Wert.
Ein Unterschied zwischen bounced und non-bounced Sessions: Absprünge verzeichnen keine Besuchsdauer.



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