Digitale Transformation 02.10.2019, 09:01 Uhr

Condé Nast wird digital

Mit Verspätung leitet nun auch der Condé Nast Verlag die digitale Transformation ein. Die CEO Jessica Peppel-Schulz will aus dem Medienhaus eine Art Kompetenzzentrum für Luxus und Lifestyle formen.
Jessica Peppel-Schulz, CEO von Condé Nast Germany
(Quelle: Gert Krautbauer)
Condé Nast - der Name stand schon immer für Luxus, Lifestyle und Glamour. Die Vogue gehört beispielsweise zu dem Verlagshaus, eine Zeitschriften-Legende, die erst kürzlich ihren 40. Geburtstag feierte. Und GQ, das Stilmagazin, eine der erfolgreichsten Männer-Medienmarken weltweit. Dazu Glamour und AD Archtitectural Digest. Über Jahre hinweg haben diese Titel dem Verlag luxuriöse Tantiemen beschert, weshalb im Management offenbar niemand den Druck verspürte, mit Nachdruck einen Digitalisierungsprozess einzuleiten.
Inzwischen hat Condé Nast Germany die bittere Realität der digitalen Umwälzungen eingeholt: Das Haus ist nicht mehr profitabel und fährt Verluste ein. Seit April hat Jessica Peppel-Schulz als neue CEO nun den Job, den Turnaround zu schaffen. Ihr wird zugetraut, die digitale Transformation einzuleiten, immerhin stand sie zuletzt fünf Jahre an der Spitze der (inzwischen verkauften) Digitalagentur UDG.
Ihre Aufgabe ist nicht einfach, denn im Unternehmen war so gut wie alles bislang auf Print angelegt: die Markenführung, die Vermarktung, die gesamte Unternehmensorganisation. Peppel-Schulz: "Das Unternehmen hat verpasst, sich zu verändern."

Fünf-Jahres-Plan

Der von ihr nun vorgestellte Fünf-Jahres-Plan soll Condé Nast wieder auf Kurs bringen. Er umfasst im Wesentlichen drei Bausteine. Zum einen werden die Medienmarken künftig "holistisch" betrachtet, soll heißen, nicht mehr als gedruckte Titel mit jeweils digitalen Ablegern, sondern als Einheit.
Zum zweiten wird intern die Agentur CNX als Full-Service-Kreativberatung für den B2B-Bereich aufgebaut. Sie ist für die Vermarktung der Medienmarken zuständig, bietet aber darüber hinaus intern und extern Dienstleistungen wie Brand Consulting, Kampagnenentwicklung, Content Solutions sowie die Konzeption und Umsetzung von Events an. Der Fokus liegt dabei immer auf Luxus und Lifestyle, weil sich das Unternehmen in diesem Bereich über Jahre hinweg Kompetenz und Glaubwürdigkeit erarbeitet habe, so Peppel-Schulz.
Die dritte Aufgabe dürfte ebenfalls nicht einfach werden: aus dem lange verwöhnten Unternehmen eine agile Organisation zu formen, in dem die Mitarbeiter Innovationen begrüßen, bereichsübergreifend agieren und Fehler machen dürfen. "Print wächst nicht mehr und Digital konnte bei Condé Nast nicht wachsen, da man in Silos und nicht vernetzt agierte", so Peppel-Schulz. Ihre Vision ist es, aus dem Haus nach und nach ein Kompetenz-Center für Luxus und Lifestyle zu formen. Konkret bedeutet das: "In fünf Jahren soll nur noch ein Drittel der Umsätze aus Print kommen."



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