Daten gegen Geld 26.06.2019, 09:55 Uhr

"eBay für Daten": BitsaboutMe startet in Deutschland

Das Schweizer Start-up BitsaboutMe kommt nach Deutschland. Es betreibt einen Online-Datenmarktplatz, auf dem Nutzer ihre Daten gegen Geld oder geldwerte Vorteile tauschen können. Verbraucher sollen so ihr "digitales Ich" sicher und übersichtlicher verwalten können.
Verbraucher sollen auf BitsaboutMe mit ihren Daten erstmals selbst Geld verdienen können.
(Quelle: BitsaboutMe )
Wie selbstbestimmt ist der Datenaustausch zwischen Verbrauchern und Unternehmen? Nicht sehr, wenn es nach dem Start-up BitsaboutMe geht. Die Schweizer wollen den Fokus auf die Privatsphäre der Nutzer, auf Transparenz und "Daten-Demokratie" legen und haben dafür im Januar 2017 ihren Online-Datenmarktplatz gegründet. Die Idee kam den Gründern Christian Kunz, Ex-CEO der E-Commerce-Plattform ricardo.ch, und Christophe Legendre, CTO von ricardo.ch, ein Jahr zuvor, als klar wurde, die angekündigte neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) wird den Umgang mit Daten im Internet und das Bewusstsein dafür verändern. Jetzt bringen die beiden ihr Unternehmen nach Deutschland.
Das Ziel von BitsaboutMe ist es, einen "neuen, fairen Datenaustausch zwischen Verbrauchern und Unternehmen zu ermöglichen". Das wiederum heißt: Nutzer sollen selbst bestimmen, wie sie ihre Daten einsetzen - oder verkaufen.

Alles an einem Ort

Konsumenten müssen sich zunächst auf BitsaboutMe registrieren. Anschließend können sie alle Informationen über ihre persönlichen Online-Aktivitäten, die sonst über das ganze Internet verteilt sind, hochladen. Dazu gehören Daten-Accounts für Social Media (Facebook, LinkedIn, Twitter, Instagram), Online/E-Mail (etwa Google), E-Commerce-Seiten (zum Beispiel Amazon oder Zalando) sowie von Kundenbindungsprogrammen wie Payback. Zugang zu diesem Dashboard, dem "Persönlichen Datenspeicher (PDS)", auf BitsaboutMe hat nur der jeweilige Nutzer.
Blick auf das BitsaboutMe-Dashboard
Quelle: BitsaboutMe
Nun können diese Daten - im Gesamten oder in frei wählbaren Teilen - interessierten Unternehmen für eine zweck- und zeitgebundene Nutzung angeboten werden. Dieses Angebot wiederum umfasst den direkten Tausch gegen Geld oder geldwerte Vorteile. Die Datenprofile bleiben solange unzugänglich, bis der Eigentümer einem Daten-Deal mit detaillierten Angaben zu Daten, sowie dem Zweck und der Art der Datenverarbeitung explizit zugestimmt hat.
Beteiligt an dem Deal ist also der Konsument, das Unternehmen, das Interesse an den Daten hat, und BitsaboutMe als Vermittler. Entsprechend ist die Nutzung der Plattform für Verbraucher kostenlos. Unternehmen bezahlen die Nutzer als Eigentümer der Daten und BitsaboutMe erhält eine Kommission für die Abwicklung der Daten-Deals.

Sich des Werts seines "Datenschatzes" bewusst werden

"Wenn jeder Verbraucher bei BitsaboutMe seine eigenen digitalen Daten einsehen, kontrollieren und nun damit auch Geld verdienen kann, wird er sich des Werts seines 'Datenschatzes' bewusst. Damit steigt die Bereitschaft, Daten unter transparenten Bedingungen mit Unternehmen gegen faire Vergütung zu teilen", so Gründer Christian Kunz. 
Unternehmen sollen weitaus hochwertigere und umfassendere Datenprofile als bisher im Markt bekommen. "Unternehmen, die sich an diesem Daten-Fairtrade beteiligen, werden entscheidende Wettbewerbsvorteile durch höheres Kundenvertrauen realisieren können. Kurzum: Eine echte Win-win-Situation", meint Kunz.

Erste Partner in Deutschland

Die beteiligten Unternehmen und Organisationen kommen aus den Bereichen Handel, Reisen, Automobil, Marktforschung oder Theater. In der Schweiz beispielsweise kooperiert die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH) für ein Forschungsprojekt zur Prävention ernährungsbedingter Krankheiten auf Basis von Einkaufsdaten.
In Deutschland werden erste Daten-Deals für Verbraucher zum Start von Redzilla.de und naturzeit.de angeboten. Möglich ist auch die Integration der Kundenprogramme von Payback, Zalando und Amazon.

Der Vorteil für Firmen und Verbraucher

Unternehmen sollen mit BitsaboutMe einen konsensbasierten Zugang zu qualitativ hochwertigen, aggregierten und stets aktuellen Daten bekommen. Mit den so generierten Verbraucherdaten etwa könnten Marketing und CRM verbessert sowie detaillierte Einsichten in das Markt- und Kundenverhalten gewonnen werden, sobald Nutzer zum Beispiel ihre Bewegungsprofile oder Einkaufsdaten anonymisiert teilen. BitsaboutMe hilft Firmen bei der Formulierung der Datenanfragen mit einem standardisierten DSGVO-konformen Rahmen für Daten-Deals.
Verbraucher indes könnten große Mengen persönlicher Daten in einem Dashboard übersichtlich und intuitiv verständlich darstellen. Über Volltextsuche sollen alle Informationen nachvollziehbar sein, mit persönlich konfigurierbaren Widgets könnten sich Verhaltensweisen über definierte Zeiträume oder regionale Räume abbilden lassen.
"Erstmalig erhält der Nutzer so einen 360-Grad Überblick über sein digitales Leben und damit auch die Möglichkeit, sein Online-Verhalten bei Bedarf zu verändern", so BitsaboutMe.



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