Thomas Duhr, IP Deutschland 23.05.2018, 14:54 Uhr

"Für Advertiser ist die netID Foundation spannender"

Noch in diesem Sommer soll die netID, die Log-in-Allianz von RTL, ProSiebenSat.1 und United Internet Media, an den Start gehen. Ein Gespräch mit Thomas Duhr, der das Projekt maßgeblich vorantreibt.
Thomas Duhr, stellvertretender Geschäftsleiter Interactive beim RTL-Vermarkter IP Deutschland
(Quelle: IP Deutschland)
Die Zeit drängt. In wenigen Tagen tritt die neue Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) in Kraft, vermutlich in ­einem Jahr kommt die ePrivacy-Verordnung dazu. Damit wird europaweit der Datenschutz neu geregelt. Ein Knackpunkt für Werbungtreibende: Wollen sie die Daten der User weiter verwenden, müssen sie dafür deren Zustimmung einholen - und das für jede einzelne Website.
Seit Monaten formieren sich deshalb im Hintergrund verschiedene Allianzen, die gewissermaßen einen Spagat vollziehen wollen. Ihr Ziel: eine Einwilligung gleich für ein ganzes Bündel von Webangeboten einzuholen. Dazu wollen sie eine Lösung auf den Markt bringen, die für den User möglichst einfach ist und den beteiligten Partnern erlaubt, Daten gesetzeskonform zu erheben, zu analysieren und weiterzureichen.
Für den Werbemarkt in Deutschland gilt derzeit die European netID als wichtigste Log-in-Allianz. An ihr sind Schwergewichte wie die Medienkonzerne RTL und ProSiebenSat.1 sowie United Internet Media (UIM) beteiligt. Geht ihr Plan auf, sollen die User schon bald über nur ein Log-in ihre Genehmigung zur Datenerhebung auf sämtlichen Seiten dieser Unternehmen geben können: also von gmx.de (UIM) bis hin zum Online-Angebot der RTL-Gruppe "TV-Now".
Thomas Duhr, stellvertretender Geschäftsleiter Interactive bei dem RTL-­Vermarkter IP Deutschland und gleichzeitig Vizepräsident im Digitalverband BVDW, treibt die Log-in-Allianz netID seit Monaten maßgeblich voran. Im Interview ­äußert er sich dazu, wie sich die ­netID von Mitbewerbern wie Verimi ­abgrenzt, wann sie startbereit ist, welche Marketingmaßnahmen geplant sind und wie er sich als Alternative gegen Plattformen wie ­Facebook behaupten möchte. Die US-Player verfügen in dieser Gemenge­lage über einen großen Vorteil. Mit nur ­einem Log-in ebnen sie schon heute den Usern den Zutritt und den Werbungtreibenden vielfältige Möglichkeiten.
netID


Herr Duhr, wir haben den Eindruck, dass der Log-in-Dienst Verimi mehr die Verbraucher im Visier hat und die European netID Foundation mehr auf Marketing und Werbung ausgerichtet ist. Liegen wir hier falsch?
Thomas Duhr: Definitiv, das kann man so nicht ­sagen. Bei beiden Initiativen steht klar der Verbraucher, also der Internet-Nutzer, im Vordergrund. Denn laut der DSGVO und der ePrivacy-Verordnung gilt künftig: ­Alle Macht dem Konsumenten. Dem versuchen beide Bündnisse gerecht zu werden. Der Nutzer wird als maßgebliche Instanz miteinbezogen und wir versuchen, ihm die Abgabe seiner Willenserklärung zur Übermittlung seiner Daten so einfach wie möglich zu gestalten.

Aber irgendeinen Unterschied zwischen ­Verimi und netID wird es doch geben.
Duhr: Der Unterschied in Bezug auf den Konsumenten ist, dass wir uns bei der E­uropean netID Foundation zunächst auf Sachverhalte fokussieren, die mit der ­Internet-Nutzung einhergehen. Das sind Aspekte wie Marketing, Personalisierung, Content Recommendation oder Tracking und Analytics. Diese Aspekte sind erforderlich, um dem Konsumenten die User Experience zu liefern, die er heute gewohnt ist. Verimi geht einen Schritt weiter und ermöglicht den Zugang und die Nutzung ganz anderer Felder, beispielsweise beim Bankkonto. Das überfordert aber nach unserem Dafürhalten den Konsumenten zum aktuellen Zeitpunkt noch.
LoA
Für Advertiser ist Ihre Foundation also spannender.
Duhr: Wir sind sicher, dass das so ist. ­Verimi steht für "Verify me". Das Prinzip dahinter geht also mit der Frage einher, wie weit der Authentifizierungsprozess beim "Sign-on" reicht, also wie weit ich mich als User "entblättern" muss. Das ­Verimi-Modell als solches basiert aktuell schon auf einem "Level of Authentication 4" (LOA 4). Der LOA 4 entspricht, wenn wir mal das Analoge als Vergleich heranziehen, den Anforderungen des Post-Ident-Verfahrens. Es gäbe ja auch die Video-Ident-Verfahrenslogik. Das ist zwar spannend, die Frage ist nur, ob man für den medialen Anwendungszweck eine Authentifizierung via Video-Ident benötigt. Ich sehe das für klassische E-Commerce-Anbieter sowie für mediale Anbieter - von der Monetarisierung über Werbung bis hin zur inhaltlichen Gestaltung der Angebote - als nicht zwingend erforderlich. Wir gehen zwar davon aus, dass eine digitale ID für jeden Deutschen in den nächsten Jahren kommen wird, derzeit ist die Grundeinstellung aber noch ­eine andere. Wir arbeiten mit der European netID Foundation zunächst auf LOA 1 und 2. Das ist ausreichend, um die Marketing- und E-Commerce-Anforderungen von DSGVO und der kommenden ePVO zu erfüllen. 



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