Tim Schumacher, Mitgründer eyeo 18.04.2018, 15:23 Uhr

"Für eyeo wäre es kein Problem, die Whitelist in Deutschland auszuschalten"

Am Donnerstag fällt der Bundesgerichtshof (BGH) seine Entscheidung über die Zulässigkeit von Werbeblockern - und damit auch über die Rechtmäßigkeit des populären, aber umstrittenen AdBlock Plus. Wir sprachen vorab mit Tim Schumacher, Mitgründer von eyeo.
Tim Schumacher, Mitgründer und Chairman von eyeo
(Quelle: eyeo )
Seit 2015 kämpfen Medienunternehmen wie Axel Springer, ProSiebenSat.1, RTL, die Süddeutsche Zeitung oder Spiegel Online vor Gericht gegen eyeo, Hersteller der Browser Extension AdBlock Plus. eyeo ist bei Weitem nicht der einzige Anbieter, in Deutschland jedoch der populärste und größte und damit Hauptangriffspunkt der Unternehmen.
Die meisten Anklagepunkte beinhalteten kartellrechtliche, wettbewerbsrechtliche oder Schadensersatz-Klagen. Großer Streitpunkt ist eyeos Whitelisting. Vor den Landgerichten war keiner der Kläger richtig erfolgreich, die meisten Punkte wurden abgewiesen. Anders sah es dann bei Axel Springer vor dem Oberlandesgericht Köln im Sommer 2016 aus. Das Prinzip Adblocking wurde zwar nach wie vor als nicht wettbewerbswidrig eingestuft, dafür aber eyeos Geschäftsmodell.
Nach dem Urteil durfte AdBlock Plus in Deutschland nicht mehr vertrieben werden - solange Webseiten von Springer betroffen sind. Auch bereits ausgelieferte Versionen durften nicht mehr gepflegt werden. Das Urteil war allerdings noch nicht rechtskräftig. Nun entscheidet morgen der Bundesgerichtshof (BGH), da es um "Rechtsfragen mit grundsätzlicher Bedeutung" geht. Wir sprachen vorab mit Tim Schumacher, Investor, Mitgründer und Chairman von eyeo.
Die meisten Gerichte haben die Software bislang für legal erklärt. Gehen Sie davon aus, dass der BGH das auch so sehen wird?
Tim Schumacher: Wir kämpfen diesen Kampf für alle Adblocker-Nutzer, egal welche Produkte sie konkret nutzen, da die Klagen gegen die Nutzung jeglicher Adblocker, also auch die ohne Whitelist, gerichtet sind. Für diese Nutzer sind wir optimistisch, und würden uns mit ihnen freuen, wenn der BGH, ganz genau wie die anderen Gerichte bisher, in ihrem Sinne entscheidet.
 
Hat die Entscheidung, sofern sie denn zu Ihren Gunsten ausfällt, irgendwelche Auswirkungen auf Ihr Geschäftsmodell? Respektive: Was wäre die Konsequenz für Adblock Plus im Falle einer "Niederlage"?
Schumacher: Tatsächlich entscheidet der BGH erstmal über die Legalität aller Adblocker in Deutschland, völlig unabhängig von der Frage, ob gute Werbung freigeschaltet wird. Eine Entscheidung des BGH gegen dieses Nutzungsrecht, wäre unserer Meinung nach mit der verfassungsrechtlich geschützten informationellen Selbstbestimmung der jeweiligen NutzerInnen schwer vereinbar.  
 
Sollte der BGH aber überraschenderweise tatsächlich dem Nutzer einen Schutz seines privaten Computers durch Werbeblocker verbieten, würden professionell gepflegte Produkte wie Adblock Plus in Deutschland nicht mehr über offizielle und legale Vertriebswege angeboten werden. Die Nutzer würden dann sicherlich auf die vielen alternativen und nicht regulierten Werbeblocker aus dem Ausland ausweichen, wodurch glaube ich niemand wirklich etwas gewonnen hätte. Dasselbe gilt übrigens für unser Geschäftsmodell. Für eyeo wäre es kein Problem, die Whitelist in Deutschland auszuschalten, die meisten unserer Partner sind internationale Unternehmen, die Auswirkungen eines solchen Urteils wären für uns also kaum spürbar. Verlierer wären hier neben der Klägerin selbst - die unter anderem mit diversen Tochtergesellschaften sogar kostenfrei whitelistbare Angebote betreibt - hauptsächlich andere deutsche werbefinanzierte Angebote wie zum Beispiel diverse journalistische Webseiten.



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