Studie 07.07.2016, 09:22 Uhr

BVDW: Smartwatches haben Potenzial fürs Marketing

Gehalten hat die Smartwatch nicht, was der Hype um sie versprochen hat. Dennoch ist das Potenzial zum Durchbruch weiterhin da, auch als Medium für Werbung. Das ergab eine aktuelle Studie des BVDW zum Thema.
(Quelle: Shutterstock.com/photototo)
Spätestens mit der Apple Watch sollte er kommen: der große Durchbruch der smarten Uhren. Auf den großen Hype folgte schnell die Ernüchterung. So sehr wie prophezeit, konnten sich Smartwatches noch nicht durchsetzen. Das liegt wohl auch daran, dass viele Smartwatch-Nutzer mit der Technik nicht ganz zufrieden sind. Laut einer Studie, die der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) unter 504 Smartwatch-Nutzern in Deutschland durchgeführt hat, sind nur 50 Prozent der User mit ihr rundum zufrieden.
 
Allerdings würden sich fast alle Nutzer (93 Prozent) ein neues Gerät zulegen, wenn ein Nachfolgemodell erscheint. Und das, obwohl fast ein Drittel (30 Prozent) die Uhr als Geschenk erhalten hat. Die große Mehrheit trägt die Uhr auch die meiste Zeit: 78 Prozent der Befragten haben die Watch an fünf Tagen in der Woche am Handgelenk.
Durchschnittlich schauen die Studienteilnehmer 36 Mal pro Tag auf ihre Smartwatch, allerdings meist nicht länger als zehn Sekunden. 69 Prozent geben an, sie werfen den Blick auf die Smartwatch häufiger als auf eine normale Armbanduhr.

Zu viele Push-Benachrichtigungen

Als wichtigste Funktionen im Alltag geben die Nutzer Textnachrichten, Terminerinnerungen, Fitness-Unterstützung und natürlich das Ablesen der Uhrzeit an. Von vielen Push-Benachrichtigungen sind die Smartwatch-User allerdings genervt. Deshalb hat auch knapp die Hälfte (45 Prozent) die Benachrichtigungen zumindest bei einem Teil der Apps deaktiviert. Insgesamt empfangen die Nutzer im Durchschnitt 25 Meldungen täglich. Dabei sind Push-Nachrichten nicht per se unbeliebt: Eine große Mehrheit (77 Prozent) wünschen sich sogar, dass sich die Uhr mit relevanten Benachrichtigungen meldet.
 
Personalisierte Werbung wird laut BVDW von den meisten der Befragten (52 Prozent) nicht als belästigend sondern sogar als positiv gesehen. Allerdings nur dann, wenn die Marke vom jeweiligen User ohnehin bevorzugt wird und die Anzeige im richtigen Kontext ausgespielt wird. Die Datensicherheit scheint für die meisten User auch nicht in Frage gestellt zu werden. So geben nur 19 Prozent der Studienteilnehmer an, dass sie die Sicherheit der Daten als problematisches Thema bei der Nutzung sehen.

Die "Killer Features" fehlen für den Durchbruch

Damit die smarte Uhr allerdings den endgültigen Durchbruch erlebt, ist noch einiges nötig. "Smartwatches haben sich nicht so stark durchgesetzt, wie viele Experten es prophezeit haben. Es gibt zwar gute und nützliche Funktionen. Die entscheidenden 'Killer Features', die sie zum Must-have neben dem Smartphone machen und den endgültigen Durchbruch zur Folge hätten, fehlen allerdings noch“, sagt Nico Wohlgemuth (Dayone), Lableiter Wearables im BVDW. "Die Herausforderung ist, dem Nutzer auf Basis der über ihn zur Verfügung stehenden Informationen Services und Angebote kontextsensitiv anzubieten."
 
Nutzer wollen die Watch als Ergänzung zum Smartphone, so Wohlgemuth. Viele Drittanbieter-Apps würden die vom Smartphone gelernten Mechaniken einfach eins zu eins auf die Smartwatch anwenden. Einige der vorinstallierten Apps wie die Apple Kalender- oder Activity-App gehen laut Wohlgemuth mit gutem Beispiel voran. Sie stellen sich auf die unterschiedliche Nutzung ein und senden am Tag mehrmals kurze Meldungen mit schnell zu konsumierenden Informationen.
Dennoch sieht Wohlgemuth der Smartwatch-Zukunft optimistisch entgegen: "Das Verständnis 'weg von Pull hin zu einer Push-driven-Experience' gepaart mit Smart Data Know-how wird den Weg für Smartwatches und viele andere Wearables, die wir in den nächsten Monaten und Jahren sehen, ebnen."



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