Serie, Teil 2
11.03.2018, 12:04 Uhr

Googles Mobile First Index: Praxistipps für das SEO

Der Mobile First Index wird kommen und Webseiten müssen vorbereitet sein: Zukünftig hängt der SEO-Erfolg einer Seite von der Optimierung für mobile Endgeräte ab.
(Quelle: shutterstock.com/Bloomua)
Von Mario Träger, Geschäftsführer der Agentur Webworks
Nachdem der erste Teil dieser Serie klären konnte, was die Umstellung auf den Mobile First Index bedeutet und ­welche Folgen diese hat, soll beschrieben werden, wie Webseiten optimal auf die Veränderung vorbereitet werden. Auch soll es darum gehen, Auswirkungen des Mobile First Index auf die Suchmaschinenoptimierung zu betrachten. Dabei ist es zunächst wichtig, die Grundlagen der mobilen Suchmaschinenoptimierung zu kennen. Denn es gibt drei verschiedene technische Möglichkeiten, eine Webseite auf mobilen Endgeräten darzustellen. Und jede dieser Möglichkeiten hat sowohl Vor- als auch Nachteile.

Möglichkeiten für mobiles Webdesign

Die von Google empfohlene Darstellung ­einer Internet-Seite ist das "Responsive Webdesign". Diese Variante sorgt dafür, dass sich Internet-Seiten automatisch an die Größe des jeweiligen Displays anpassen. Dies geschieht vor allem über "Cascading Style Sheets" (CSS). Der HTML-Code bleibt stets gleich und es wird keine neue URL generiert. Da Inhalte zugleich für die Desktop-Version hinterlegt sind, können einige Anpassungen oder Funktionen nicht eins zu eins für Mobile umgesetzt werden.
Ein beliebte Variante ist eine separate mobile Webseite, die sich häufig unter "m.domain.de" befindet. Obwohl hier ein größerer Aufwand bei der Seitenpflege entsteht, lassen sich Funktionen für ­Mobile gezielt optimieren. Für Google hingegen besteht die Webseite unter verschiedenen URLs (www.domain.de + m.domain.de) doppelt. In der Desktop-Seite sollte daher ein Hinweis auf die mobile Version (rel="alternate") integriert werden sowie umgekehrt in der mobilen Seite einer auf die Desktop-Version (per Canonical). Trotz der Optimierung von Betreiberseite aus hat Google einen deutlich höheren Crawling-Aufwand.
Da es heute möglich ist, Geräte genau zu erkennen, lassen sich mobile Webseiten auch dynamisch bereitstellen. Alle Inhalte sind unter einer URL zu finden, sie werden lediglich, je nach Gerät, unterschiedlich angezeigt. Dabei lassen sich Funktionen gezielt für mobile Endgeräte optimieren. Allerdings ist hier der Aufwand für Seitenbetreiber am größten.

Mobile Webseite im Responsive Webdesign

Google empfiehlt seit Jahren - nicht erst seit dem Mobile First Index - Responsive Webdesign. Seitenbetreiber, die das Format bereits nutzen, müssen derzeit kaum etwas unternehmen. Doch schadet es nicht, folgende Punkte zu überprüfen:

1. Ist meine Webseite "mobile friendly"?
Nicht jede Responsive-Variante wird von Google gleich als „mobile friendly“ erkannt. Aus diesem Grund ist es ratsam, das Ganze über das Google-Tool "Test auf ­Optimierung für Mobilgeräte" zu überprüfen. Im Beispiel wurde die Startseite von Bergzeit.de erfolgreich untersucht.

2. Ist die Nutzerfreundlichkeit in der "Google Search Console" fehlerfrei?
Da Betreiber größerer Seiten wie Shops oder Blogs nicht jede Unterseite per Hand in das zuvor benannte Tool eingeben können, lohnt sich ein Blick in die Google Search Console zur eigenen Seite. Unter "Suchanfragen" findet sich der Punkt "Nutzerfreundlichkeit auf mobilen Endgeräten". Hier listet Google möglichst alle mobilen Darstellungsprobleme auf.

3. Ist die mobile Sichtbarkeit mindestens so gut wie die Desktop-Sichtbarkeit?
Die Sichtbarkeit von mobilen Seiten und Desktop-Varianten kann unter anderem über Sistrix abgefragt werden. Liegt die mobile Sichtbarkeit trotz mobiler Variante für längere Zeit unter der Desktop-Sichtbarkeit, weist dies in den meisten Fällen auf ein Problem hin. Eine häufige Ursache ist, dass die Desktop-Version in einzelnen Bereichen nicht für Mobile optimiert ist.

4. Ist die Ladezeit meiner Responsive-Variante im "grünen Bereich"?
Google hat bereits angekündigt, dass ab Juli 2018 "PageSpeed", also die Ladezeit mobiler Webseiten, als Ranking-Faktor aufgenommen wird. Auch hier sollten ­mobile Seiten auf Vordermann gebracht werden. Für die Optimierung können das Google Tool "PageSpeed Insights" oder "Webpagetest.org" verwendet werden.

Webseiten mit zweiter URL oder dynamischem Design

Wer kein Responsive Webdesign nutzt, hat bei der Vorbereitung auf den Mobile First Index deutlich mehr zu tun. Inhalte von Desktop und Mobile weisen oft deutliche Unterschiede auf. Neben den Punkten zu Responsive-Webseiten sollte Folgendes zusätzlich dringend geprüft werden:

1. Sind alle Inhalte der Desktop-Version auf der mobilen Version zu finden?
Zukünftig wird das Ranking auf Google anhand der Inhalte der mobilen Version generiert. Aus diesem Grund müssen sämtliche Inhalte der Desktop-Version, die zum aktuellen Ranking führen, auch auf der mobilen Version zu finden sein. Dies gilt sowohl für Texte und Titel als auch für Bilder, Grafiken oder Videos.
Um hier auf Nummer sicher zu gehen, sollte in der Google Search Console mithilfe der Funktion "Abruf wie durch Google" (zu finden unter "Crawling") überprüft werden, ob der Googlebot die Inhalte der jeweiligen Seiten auch für Smartphone ­erkennen kann. Dazu muss "Mobile: Smartphone" ausgewählt und per Button "Abrufen und Rendern"aktiviert werden. Das Ergebnis ist die Ansicht der mobilen Variante, wie sie der Googlebot gesehen hat. Zum Vergleich wird angezeigt, wie sich die Seite dem Besucher über den Browser darstellt.

2. Finden sich die Metadaten der Desktop-Version auch auf den mobilen Seiten?
Schon heute gibt es einige mobile Seiten mit unterschiedlichen URLs, die keinen eigenen "Meta Title" ausweisen. Bisher war das auch nicht notwendig, da Google stets die Desktop-Informationen bewertet hat. Das ändert sich mit der Mobile-First-Indexierung. Nun ist es elementar wichtig, dass mobile Webseiten einen optimierten "Meta Title" sowie eine passende "Meta Description" verwenden.

3. Sind semantische Auszeichnungen im Quellcode der mobilen Version zu finden?
Zukünftig wird Google die semantischen Informationen aus der mobilen Version übernehmen. Es sollte unbedingt daran gedacht werden, Inhalte zu Angeboten und Produkten semantisch auszuzeichnen. Mit dem Google-Tool "Testtool für strukturierte Daten" lässt sich dies leicht prüfen. Ansonsten können bereits vorhandene "Rich Snippets", wie Sterne aus der Bewertung durch User, in den Google-Such­ergebnissen verloren gehen.

4. Ist die Länder- und Sprachzuordnung auf der mobilen Version richtig?
Internationale Seiten nutzten zur Länder- und Sprachzuordnung meist "hreflang"-Attribute. Hier sollte unbedingt beachtet werden, dass diese Attribute auch auf der mobilen Seite vorhanden sind. Zudem müssen die "hreflang“-Attribute separat verknüpft werden. Zuordnungen auf der mobilen Variante leiten nur auf mobile Seiten weiter und die der Desktop-Version nur auf Desktop-Seiten.

5. Entspricht die interne mobile Verlinkung der Desktop-Version oder sehen mobile User weniger Links?
Die interne Verlinkung bleibt auch beim Mobile First Index besonders wichtig. Die relevanten Inhalte einer Seite müssen über die interne Verlinkung für User sowie für den Googlebot auffindbar sein. Bilden Webseiten umfangreiche Footerlinks in der Desktop-Version ab, muss dies für die  mobile Version angepasst werden.

Auswirkungen auf die Suchmaschinenoptimierung

Die vollständige Indexumstellung von "Desktop First" auf "Mobile First" kann sich auf die Suchmaschinenoptimierung, wie wir sie heute kennen, auswirken. Da sich Google mit Äußerungen zu Ranking-Änderungen bisher sehr zurückhält, bleibt vieles in gewissem Maße spekulativ. Nur die Information, dass versteckte oder ausgeblendete Inhalte im Mobile First Index wieder ohne Abzug bewertet werden, gab Google bekannt. Dass die mobile Ladezeit bereits im Juli 2018 Ranking-Faktor wird, ist außerdem bekannt und lässt nun den "PageSpeed" deutlich wichtiger werden als bisher.
Doch eine gute mobile Ladezeit ist um einiges schwieriger zu erreichen als ­eine akzeptable Ladezeit in Browsern auf Desktop-Rechnern. Dabei ist die Ladezeit auf mobilen Endgeräten ein wesentlicher Bestandteil der Benutzerfreundlichkeit (Usability). Hier steht Google mit dem "Accelerated Mobile Pages Project" (AMP) bereit und bietet eine Möglichkeit, die mobile Webseite inhaltlich deutlich schlanker und dadurch im "PageSpeed" schneller auszuliefern. Google AMP hält bereits Einzug in viele unterschiedliche Webseiten und ist bei Nachrichtenseiten beliebt und sehr verbreitet. Auch immer mehr Online Shops verwenden AMP als schnellen Landing-Page-Einstieg.

Das Thema "Backlinks"

Offen bleibt auch, wie Google mit dem Thema "Backlinks", den Rückverweisen auf eine Webseite, umgehen wird. Mobile Seiten sollten nur selten Links von anderen Seiten bekommen. Daher zeigt der Großteil der Backlinks weiterhin direkt auf die Desktop-Variante. Beim "Responsive Webdesign" ist die Problematik aufgrund der gleichen URL nicht relevant. Wird die mobile Version jedoch  auf einer zusätzlichen URL an­geboten, ist anzunehmen, dass Google auch weiterhin die ­"Offpage-Signale" der Desktop-Version bewertet. Dass auf die ­Signale durch Backlinks nicht verzichtet werden kann, wurde von Google bereits des Öfteren selbst bestätigt.
Momentan können zwar nur Vermutungen angestellt werden, eines ist jedoch sicher: Die wohl größte Umstellung im Bereich SEO wird die tägliche Arbeit an mobilen Webseiten sein. Bisher sind wir es gewohnt, Desktop-Versionen stets über Desktop-Rechner aufzurufen und bei Meetings oder Kundengesprächen vorwiegend über diese Version zu sprechen. Künftig müssen alle wichtigen Themen zuerst mit der mobilen Ver­sion abgeklärt werden und "On Page"-Faktoren beginnen bei Mobile. Google zwingt uns also, auch mobil zu denken - aber ist das nicht längst notwendig?

"Mobile First": Den Anspruch umsetzen

Die Vorbereitungen für die Umstellung seitens Google auf den Mobile First Index laufen auf Hochtouren. Wichtig ist nun, sich optimal darauf vorzubereiten. Insbesondere Webseiten mit Responsive Webdesign haben hier einen großen Vorteil, da Inhalte sowohl bei der Mobile- als auch der Desktop-Version gleich sind.
Dennoch ist es wichtig, sich zu vergewissern, dass Google alle Inhalte als Mobile-freundlich erkennt und die Ladezeit der eigenen Seite optimiert ist. Die beiden anderen Varianten müssen sicherstellen, dass alle relevanten Kriterien für Suchmaschinen auch auf der mobilen Version der Webseite vorhanden sind. Elemente nur für die Desktop-Version zu optimieren, kann dazu führen, nicht mehr gewertet zu werden. Wer die aufgeführten Punkte beachtet oder zumindest prüft, ist bereits gut auf die Indexumstellung von Google vorbereitet.
Welche Effekte die Suchmaschinenoptimierung letztlich hat, bleibt noch abzuwarten. Sicher ist, dass "Mobile First" Auswirkungen auf SEO und die tägliche Arbeit in diesem Kanal haben wird. Wer in Zukunft gute Suchmaschinenoptimierung liefern will, muss "Mobile First" denken und spätestens jetzt damit anfangen.



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