Serie, Teil 1 24.02.2018, 11:11 Uhr

Googles Mobile First Index: Hintergründe und Folgen

Google testet den Mobile First Index: Künftig basiert das Ranking bei Google auf den ­mobilen Webseiten. Wie können sich Seitenbetreiber schon heute darauf vorbereiten?
(Quelle: shutterstock.com/Bloomua)
Von Mario Träger, Geschäftsführer der Agentur Webworks
Bereits am 15. November 2016 ­kündigte Google die wohl größte Veränderung der letzten Jahre beim Ranking an: Der Desktop Index soll vom Mobile Index als Hauptindex abgelöst werden. Das bedeutet, dass Google künftig in erster Linie die mobile Version einer Webseite analysiert, bewertet und beim Ranking berücksichtigt.
Ein großer Schritt am Ende einer langen Reihe von Maßnahmen, die das Thema Mobile bei Google immer weiter in den Fokus gerückt haben. Seit der Ankündigung des Mobile First Index haben sich Webseitenbetreiber bereits viele Fragen gestellt. In der Vergangenheit war die Angst, durch Änderungen von Google bei Ranking und Traffic zu verlieren, besonders groß.
In dieser zweiteiligen Serie soll es im Detail um die Google-Ankündigung gehen. Offene Fragen und ­bestehende Sorgen werden dabei hoffentlich aus dem Weg geräumt. Denn wir stellen Maßnahmen vor, die bereits jetzt getroffen werden können, um nicht überrascht zu werden. Auch neue SEO-Kriterien lassen wir dabei nicht außer Acht.

Was genau ist der Mobile First Index?

Im Google "Webmaster Zentrale Blog" wurde das Thema Mobile-First-Indexierung knapp und einfach zusammengefasst: "Mittlerweile wird die Google-Suche vor allem auf Mobilgeräten verwendet, unsere Ranking-Systeme ermitteln die Relevanz einer Seite für die Nutzer aber normalerweise immer noch anhand der Desktop-Version. Dies kann zu Problemen führen, wenn die mobile Seite weniger Inhalt als die Desktop-Seite hat, da unsere Algorithmen so nicht die Seite analysieren, die mobile Nutzer tatsächlich sehen. Um die Relevanz unserer Ergebnisse weiter zu verbessern, haben wir mit Tests für die Umstellung auf einen Mobile First Index [...] begonnen. Es wird auch künftig nur einen einzigen ­Suchindex aus Websites und Apps geben, aber unsere Algorithmen werden dann vor allem auf die mobile Version einer ­Website zurückgreifen, um das Ranking ihrer Seiten zu ermitteln, strukturierte Daten zu ­erfassen und Snippets dieser Seiten in den Ergebnissen zu zeigen."
Der angekündigte Mobile First Index bedeutet demnach, dass Google von seiner bisherigen Indexierungsvorgehensweise abweicht und eben nicht mehr nur die Desktop-Seite, sondern in Zukunft vor ­allem die mobile Seite indexiert.

Unterschied im Ranking: Desktop vs. Mobile First

Desktop First, also die bisherige und aktuelle Form der Indexierung, lässt den ­Googlebot, den Webcrawler von Google, stets auf die Desktop-Variante einer Webseite zugreifen. Die Grundfunktion des Googlebot ist dabei, neue und aktualisierte Inhalte für den Google Index zu finden. Aufgrund der Daten der Desktop-Seite wird sowohl das Desktop und als auch das Mobile Ranking generiert. Erkennt Google zudem eine Mobile-optimierte Variante derselben Webseite, so fließt dies positiv in das Mobile Ranking der Seite ein. Dabei handelt es sich um das "Mobile-Friendly"-Update von Google - aktiv seit April 2015. Bisher war es demnach einfach nur wichtig, eine mobile Variante zu haben, um bei der mobilen Suche durch Google gut gefunden zu werden. Dabei spielte es keine Rolle, ob die mobile Seite beispielsweise eine lange Ladezeit ("Page Speed") oder womöglich deutlich weniger Inhalte hat als auf dem Desktop. Für das aktuelle Ranking sind im Grunde nur die Ladezeit sowie der Inhalt der Desktop-­Seite für das Ranking relevant.
Mobile First verändert das Ranking-Prinzip nun deutlich. Zukünftig greift der Googlebot, wie bereits der Titel "Mobile First" verrät, auf die mobile Variante einer Webseite zu. Nun werden Desktop und Mobile Ranking aufgrund der mobilen Seite generiert. Bei Mobile First handelt es sich jedoch nicht um eine "Mobile Only" (dt.: "ausschließlich mobil")-Indexierung. Hat eine Webseite in Zukunft keine mobile Variante, greift Google weiterhin auf die Desktop-Version zurück. Eine gute Nachricht für alle Webseitenbetreiber ohne mobile Version. Denn, anders als von einigen Panikmachern verbreitet, geht bei der Umstellung nicht der ganze Traffic durch eine Deindexierung der Seiten verloren. Existiert keine mobile Variante, wird weiterhin die Desktop-Seite für das Ranking genutzt und vom Googlebot mit Smartphone-Kriterien bewertet. Dies kann insbesondere in der mobilen Suche bei Google zu deutlichen Ranking-Einbußen führen. Denn dass eine Desktop-Seite bei mobilen Endgeräten schlechte User-­Signale, gerade durch die längere Ladezeit, mit sich bringt, sollte nicht verwundern. Setzt Google das Vorhaben wie geplant um und gibt es nur noch einen Index, wird die vollständige Implementierung einen sichtbaren Effekt - im negativen Sinne - auf das Ranking von Desktop-Seiten haben.



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