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Messe München

Kommentar Kein Web Summit für München - viel Wind um nichts

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Bevor im November die Entscheidung fällt, wo der Web Summit zukünftig stattfinden soll, ist München als Bewerber bereits ausgeschieden. Zwei Monate nachdem die Konferenz als Chance für den bayerischen Digitalstandort beschworen wurde, folgt das ernüchternde Ergebnis.

Längst ist bekannt, dass der aktuelle Standort Lissabon für den stetig wachsenden Web Summit zu klein wird. Bereits im kommenden Jahr rechnen die Veranstalter des Internetkongresses mit über 70.000 Besuchern. Kurzerhand wurde ein Wettbewerb ausgerufen, der unter europäischen Metropolen die neue Heimat des Events ab 2019 ermitteln soll. Die Messe München GmbH wurde dazu wohl direkt angesprochen und aufgefordert, Konzepte und Förderungsmöglichkeiten vorzulegen. Gemeinsam mit der Landeshauptstadt München schnürte sie nach eigener Darstellung "inhaltlich eine überzeugende und detaillierte Bewerbung" für den Web Summit. Diese war zumindest so viel wert, dass sie es bei einigen Pressevertretern auf die Agenda schaffte.

In der "Süddeutschen Zeitung" klang es sogar so, als wollten die Vertreter von Messe und Stadt den Web Summit unbedingt an die Isar holen. Man traue sich diesen Event zu - und das bis mindestens 2029 -, hieß es noch im Mai. München für zwei Tage im Jahr zum Nabel der Tech-Szene zu machen, dass passe zur bayerischen Landeshauptstadt wie zu kaum einer anderen Metropole, war der O-Ton. Und dann war es plötzlich ruhig. So ruhig, dass es viele Anfragen brauchte, um wenigstens ein paar zaghafte Antworten zu bekommen. "Die Messe München GmbH [wird] die Internetkonferenz Web Summit nicht ausrichten" hieß es plötzlich von Seiten des Referates für Arbeit und Wirtschaft der Stadt München. Doch warum?

Offensichtlich hat den Veranstaltern des Kongresses das Münchener Angebot nicht zugesagt und sie erteilten den Bayern eine vorzeitige Absage. Was im Detail zu dieser Entscheidung führte, darüber halten sich alle Beteiligten sowie die Veranstalter bedeckt. Allerdings klingen die bayerischen Statements zum Web Summit heute irgendwie ganz anders. Dr. Reinhard Pfeiffer, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe München, erklärt nun: "Für uns und die Landeshauptstadt [war] von Anfang an klar, dass München keinen Förderwettbewerb gewinnen kann und will." Nicht will?

Vielmehr wurde eine Wunschvorstellung von der Realität eingeholt. Der Anspruch "Laptop und Lederhosen", also die Entwicklung Bayerns hin zu einem High-Tech-Staat, stößt selbstverschuldet an seine Grenzen. Während sich die Digitalmesse dmexco in Köln zu einem internationalen Groß-Event entwickelt hat, gelingt es dem größten deutschen Messegelände in München bis heute nicht, vergleichbare Angebote zu gewinnen. Und die Bewerbung für den Web Summit scheitert in erster Linie an der Bereitschaft, in die Branchen der Zukunft zu investieren: "Im Vergleich zu München hätten andere Städte eine größere finanzielle Unterstützung der Veranstaltung zugesagt", heißt es in einer Mitteilung der Landeshauptstadt.

Unterm Strich wird deutlich, dass München die Zeichen der Zeit noch immer nicht deuten kann. Nur zu betonen, dass ein Digitalstandort großes Potenzial hat, reicht eben nicht aus. Auch leere Versprechungen und das Beschwören der Zukunft helfen nicht weiter. So blamiert sich die bayerische Landeshauptstadt mit ihrer Bewerbung für den Web Summit selbst und macht deutlich, woran sie letztlich scheitert: Am Willen, Chancen zu ergreifen und Potenziale mit aller Kraft zu nutzen.

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