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Moderne Mythen

Zukunft der Ad Agencies Moderne Mythen oder neue Standards?

Über fünf gewagte Thesen diskutierte die Runde um Igancio Oreamundo

Über fünf gewagte Thesen diskutierte die Runde um Igancio Oreamundo

Fünf aktuelle Mythen - oder besser gesagt: Thesen - zur Zukunft des Advertisings diskutierte auf der Dmexco eine illustre Runde um Moderator Ignacio Oreamuno, Gründer der Ad-Community Ihaveanidea. Eingeladen waren Flo Heiss (Dare), Gustav Martner (Crispin Porter & Bogusky), Rishad Tobaccowala (Vivaki) und Darren Richardson (BBDO Proximity).

These #1: Agenturen werden gezwungen werden, sich die Welt der Architektur zu erschließen

Es ist vielleicht etwas kryptisch formuliert, aber was Ignacio Oreamundo damit sagen will, ist, dass Werbeagenturen in Zukunft immer neue Wege beschreiten müssen, die sie immer weiter von ihrem eigentlichen Fachgebiet wegführen. Dieser Meinung schließt sich auch Gustav Martner an: "Die Aufgabe einer Agentur ist es, für einen bestimmten Zweck oder Auftrag das am besten geeignete Medium auszuwählen. Und fast alles, auch Architektur, kann ein Medium sein." Früher, so fährt er fort, wäre bei einem Medium wie Architektur höchstens die begrenzte Reichweite ein Problem gewesen - ein Problem, das in Zeiten des Internets wegfalle.

These #2: Augmented Reality ist nur ein Trend von vielen und wird auf Dauer keinen Bestand haben.

Hier muss Flo Heiss entschieden weidersprechen: "Augmented Reality ist eine coole Sache, die irgendwann ein Teil unseres täglichen Lebens sein wird. Aber zur Zeit ist die Art und Weise, wie wir damit umgehen, einfach noch nicht richtig." Dem stimmt auch Darren Richardson zu: "Augmented Reality muss noch wachsen. Derzeit ist die Anwendung einfach zu Umständlich, die Usability muss noch stark verbessert werden." Es sei einfach zu umständlich und auch zu gefährlich, sein Smartphone vor sich herzutragen und nur auf den kleinen Bildschirm zu starren. Aber in den nächsten Jahren, so Richardson, dürfte sich auf diesem Gebiet noch vieles tun.

These #3: Agenturen werden einen beträchtlichen Teil ihres Einkommens aus Apps beziehen.

"Es wäre zwar wirklich großartig, wenn das so wäre, aber ich glaub, das wird nicht passieren", so Darren Richardson. Ähnlich sieht das auch Rishad Tobaccowala: "Um mit einer App richtig Geld zu verdienen, braucht man entweder viel Glück oder Werbeeinnahmen. Entwickelt man eine App nicht im Auftrag eines Kunden, fallen die Werbeeinnahmen schonmal weg" Und außerdem, so fährt Tobaccowala fort, würden die meisten erfolgreichen Apps von zwei Personen entwickelt, die auf eigene Faust arbeiten würden. Eine Agentur stünde bei diesem Prozess eher im Weg.

These #4: In nächster Zeit werden Agenturen eigene soziale Netzwerke und Plattformen schaffen, mit denen sie auch ohne Kundenaufträge Geld verdienen können.

Das halten die Experten eher für unwahrscheinlich: Es sei sehr schwer, ein gut funktionierendes Netzwerk oder eine Plattform zu etablieren und damit Geld zu machen. Und wenn man doch Geld daran verdiene, so betont Rishad Tobaccowala, dann geschehe das in 90 Prozent der Fälle eben doch durch Kundenaufträge. Gustav Martner findet die Idee allerdings interessant: "Agenturen erfinden neue Medien - das ist Teil ihres Jobs. Ich denke, viele Agenturen sollten in dieser Richtung etwas mutiger und Risikofreudiger sein und notfalls eben auch ohne Kundenaufträge wagen, mit neuen Medien, Netzwerken oder Plattformen zu experimentieren." Doch ob sich damit wirklich viel Geld verdienen lässt? Da bleiben auch Martner gewisse Zweifel.

These #5: Die Technik entwickelt sich so schnell, dass Agenturen alte Ideen und Kampagnen stets auf neue Art und Weise umsetzen und damit durchkommen können.

Rishad Tobaccowala ist da anderer Meinung: "Technik ist insofern wichtig, als sie Kreativität und Medien miteinander verbindet. Technik hilft der Kreativität, sich zu entwickeln." Doch es sei nicht damit getan, etwas altes auf neue Weise zu präsentieren. Das findet auch Flo Weiss: "Nur weil es gemacht werden kann, heißt das nicht, dass es gut ist, wenn es gemacht wird. Auch, wenn es auf eine neue Weise passiert." Viel wichtiger, da sind sich die Experten einig, sei es doch, Emotionen freizusetzen, indem man durch Kreativität etwas neues, berührendes schaffe. "Aber ist Technik das gleiche wie Kreativität?", fragt Tobaccowala und gibt die Antwort gleich selbst: "Nur in den Augen eines Technikers!"

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