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Tobias Kassner
Logistik 03.07.2019
Logistik 03.07.2019

Tobias Kassner, Bulwiengesa "Immer mehr Unternehmen mieten Logistik-Immobilien an"

Tobias Kassner, Bereichsleiter für die Analyse von Industrie- und Logistikmärkten beim Immobilienentwickler Bulwiengesa

Bulwiengesa

Tobias Kassner, Bereichsleiter für die Analyse von Industrie- und Logistikmärkten beim Immobilienentwickler Bulwiengesa

Bulwiengesa

Der E-Commerce boomt. Damit einher gehen große Paketmengen, die die Logistik-Branche vor große Herausforderungen stellten. Tobias Kassner von Bulwiengesa erklärt im Interview, wie sich der tägliche Verkehrsinfarkt entschärfen lässt.

Online-Händler stehen dank des prosperierenden E-Commerce vor immer neuen Herausforderungen im Lager und Fulfillment - und müssen sich gleichzeitig auch der Diskussion über damit einhergehende Umweltbelastungen und chaotische Verkehrs-Szenarien stellen.

Tobias Kassner, Bereichsleiter für die Analyse von Industrie- und Logistikmärkten beim Immobilienentwickler Bulwiengesa, erklärt im Interview, auf was Online-Händler bei Logistik-Immobilien achten sollten und wie sich damit der tägliche Verkehrsinfarkt entschärfen lässt.

Für Online-Händler stellt sich beim Fulfillment oft die Frage: eigenes Lager oder fremdes Lager nutzen? Was sind für Sie die jeweiligen Vor- und Nachteile?
Tobias Kassner: Die ist ja die klassische Frage nach dem Make- or Buy-Prinzip. Beim Selbstbauen und Betreiben bleibt man sein eigener Herr. Beim Mieten hat man nicht das Durchgriffsrecht. Andererseits ist man flexibler - in Zeiten kürzer werdender Kontrakte kein unwesentlicher Aspekt. Die Niedrigzinsphase hat viele dazu verleitet selbst zu bauen. Die Marktentwicklung spricht aber für sich: Immer mehr Unternehmen mieten eher an und überlassen die Immobilienbewirtschaftung den "Profis". Einige Logistiksektoren, etwa der Lebensmitteleinzelhandel, ist hier jedoch außen vor.

Durch die immer kürzer werdenden Lieferzeiten brauchen Logistiker in den größeren Städten neben ihren regionalen Distributionszentren auch innerstädtische oder jedenfalls in Randgebieten gelegene Logistik-Immobilien, die in der Regel meist kleiner als große Verteilzentren sind. Dieser Flächenbedarf konkurriert in großen Städten oft mit einem gestiegenen Bedarf an Wohnflächen. Lässt sich dieses Dilemma je lösen?
Kassner: Theoretisch nur, wenn Mischkonzepte und Mehrgeschoßigkeit Realität werden. Bisher gibt es aber nur kleinste Ansätze hierzu. Dies liegt auch daran, dass es entweder spezialisierte Developer für die Innenstadt - und hier in den angestammten Immobiliensegmenten Wohnen, Büro, Einzelhandel - oder spezialisierte Big Box-Entwickler für außerhalb der Kernstadt gibt. Für den neuen Bedarf gibt es keinen spezialisierten Entwickler.

Welchen Part sollten Händler in diesen Auseinandersetzungen besetzen? Was raten Sie Online-Händlern?
Kassner: Auf jeden Fall ist viel Geduld notwendig, schnelle Erfolge sind nicht zu erwarten. Gleichzeitig müssen alle Stakeholder über den Tellerrand blicken und Altbewährtes auch mal über Bord werfen.

Ein Blick in die Glaskugel: Wird sich diese Situation - boomender Online-Handel kontra täglicher Verkehrsinfarkt - in den nächsten Jahren entschärfen?
Kassner: Der Online-Handel wird weiterhin zunehmen. Kostenpflichtige Retouren und Portoverteuerungen werden nur ansatzweise umgesetzt werden und höchstens das Wachstum dämpfen. KEP-(Kurier-, Express- und Paketdienste)Fahrzeuge sind nur ein kleiner Teil des Verkehrschaos - wenn ich mich in der staureichsten Stadt Hamburgs umsehe, sind viele andere Verkehrsteilnehmer ebenfalls Teil des Problems. Durch eine gezielte Micro-HUB-Strategie, also nicht aufgedrängt, sondern mit den Beteiligten, kann hier angesetzt werden. Eine Wirkung wird aber eher mittel- bis langfristig einstellen.
 
Auf der diesjährigen eLogistics World Conference spricht Tobias Kassner darüber, ob und wann sich Händlern für eine eigene Logistik-Immobilie interessieren sollten, die jeweiligen Vor- und Nachteile und welchen Impact dies auch auf die innerstädtische Verkehrsentwicklung haben könnte.

Ebner Media Group

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