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Straßenbahn in München
Logistik 21.12.2020
Logistik 21.12.2020

Scheuer fordert Verkehrswende Liefern bald Tram- und U-Bahnen Pakete?

shutterstock.com/Onjira Leibe
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Lieferfahrzeuge von DHL und Co. sind gerade im Dauereinsatz, um noch kurz vor Weihnachten alle Geschenke auszuliefern. Im nächsten Jahr könnten schon die ersten öffentlichen Verkehrsmittel bei der Bewältigung der steigenden Paketmengen helfen.

Die Paketlieferdienste arbeiten am Limit. Ein Grund, warum Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer erneut fordert, öffentliche Nahverkehrsmittel für den in der Weihnachtszeit verstärkten Lieferverkehr zu nutzen. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, müsse, so Scheuer, dem vermehrten Bestell- und dadurch erhöhtem Lieferaufkommen in der Corona-Zeit deutlicher Rechnung getragen werden. So schlägt Scheuer zur Entlastung der größeren Städte den Einsatz des ÖPNVs für den Transport von Gütern vor.

Laut seinem Konzept sollen Tram- und U-Bahnen nach Betriebsschluss zu speziellen Depots fahren, sogenannten Mikro-Hubs, wo sie Pakete aufladen können und am nächsten Tag diese an die Kunden ausliefern. Dafür sollen die U-Bahnen außerdem auch entsprechend gerüstet werden, um die Funktionen eines Lieferfahrzeuges erfüllen zu können.

Verkehrsverbände sehen Initiative positiv

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) erklärt sich offen gegenüber kreativen und innovativen Mobilitätskonzepte. Für den Klimaschutz seien Verlagerungen von der Straße auf die Schiene nötig, sagt Oliver Wolff, Hauptgeschäftsführer des Dachverbands Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), der "Süddeutschen Zeitung". Allerdings wünscht sich der VDV, "dass die normalen betrieblichen Abläufe nicht gestört werden".

Viele deutsche Verkehrsbetriebe, unter anderem die Berliner Verkehrsgesellschaft BVG, sahen sich Anfang des Jahres noch nicht bereit, solche Konzepte auch effektiv umzusetzen, da ihnen die dafür notwendigen Kapazitäten für die Lagerung und Abholstationen fehlen würden.

Scheuer will neues Lieferkonzept weiter vorantreiben

Nun will Scheuer seinen Anfang des Jahres vorgestellten Plan weiter vorantreiben. Laut Ministerium hat es einen Online-Austausch mit Vertretern von Kommunen, Verbänden, Wirtschaft und Wissenschaft zur praktischen Umsetzung gegeben. Als Vorteile für den ÖPNV-Einsatz werden die positiven Auswirkungen auf Klima und Umwelt angeführt, auch wenn die Auslieferungen von Paketen dadurch teurer werden.

Scheuers Ministerium hat außerdem ein Förderprogramm gestartet, aus dem bis 2021 rund elf Millionen Euro fließen sollen. Ab nächstem Jahr sollen dann Kommunen und Landkreise ihre Pilotprojekte vorstellen und erörtern, wie über vorhandene Verkehrssysteme ein Warentransport stattfinden könne.

Die Umsetzung scheint nun dringender denn je, hat doch der Lieferverkehr aufgrund der Ausgangsbeschränkungen in der ganzen Bundesrepublik in der Vorweihnachtszeit stark zugenommen. Da die Paketbranche dieses Jahr am Limit arbeitet, häufen sich auch die Beschwerden von Kunden bei DHL und Co.

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