Online-Payment-Studie 12.03.2018, 13:34 Uhr

Bezahlen im Internet: Verbraucher bleiben konservativ

Biometrische Verfahren machen das Bezahlen bequem und stoßen deswegen auf ­Interesse der Shopper. Die sind ansonsten aber eher zögerlich gegenüber Neuem.
(Quelle: shutterstock.com/ Denys Prykhodov )
Geht es nach den Wünschen der Online-Shopper, soll das Bezahlen im Shop vor allem sicher sein - aber gleichzeitig so bequem wie eben möglich. Um beides gut miteinander zu verbinden, scheinen biometrische Verfahren die ­Online-Kunden besonders anzusprechen: Mehr als jeder Fünfte hat bereits eine solche Technik auf seinem Smartphone genutzt, um die ­Bezahlung einer Online-Bestellung zu ­autorisieren. Ein weiteres Drittel kann sich gut vorstellen, dies in Zukunft zu tun. Zu diesen Ergebnissen kommt die neue ­"Online-Payment-Studie", für die das ECC Köln im Oktober 2017 insgesamt mehr als 2.000 Online-Shopper befragt hat. Besonders intensive Smartphone-Nutzer können sich für den Fingerabdruck oder den Iris-Scan begeistern. In dieser Nutzergruppe hat mehr als ein Drittel solche Verfahren beim Bezahlen schon genutzt.

Einsatz nimmt zu

Und: Biometrische Systeme könnten weiteren Auftrieb erhalten, wenn im Laufe des kommenden Jahres mit der Umsetzung der Zahlungsdiensterichtlinie der EU die sogenannte Zwei-Faktor-Authentifizierung für das Bezahlen im Internet verpflichtend werden sollte. Haben die Kunden die Wahl zwischen einer zusätzlichen SMS-TAN oder seinem Fingerabdruck, werden sich viele für den Fingerabdruck entscheiden - so wie heute schon beim komfortablen Entsperren des Smartphones.
Die Shop-Betreiber sind bereit, auf solche Wünsche zu reagieren. Mehr als 62 Prozent von ihnen können sich vorstellen, künftig biometrische Verfahren zum Bezahlen anzubieten.
An anderer Stelle sind die Online-Shopper weitaus zurückhaltender: Mehr als 56 Prozent der Befragten können sich kaum dafür begeistern, das Internet of Things zu nutzen. Dass beispielsweise der Kühlschrank selbstständig aufgebrauchte Lebensmittel nachbestellt, ist nur für rund ein Fünftel eine Option. Lediglich das automatisierte Bezahlen an der Tankstelle aus dem Fahrzeug heraus hält die Hälfte der Befragten für nützlich.
Auch bei der Wahl ihrer Online-Bezahlverfahren sind die Online-Shopper eher konservativ: Nach wie vor belegen der Kauf auf Rechnung, Paypal und die Lastschrift die ersten drei Plätze in der Nutzergunst. Dahinter folgen wie gehabt die Kreditkarte und Sofortüberweisung. Es fällt aber auf, dass die Intensivnutzer von Smartphones Paypal den Vorzug vor dem Rechnungskauf geben. Offensichtlich kann Paypal beim Mobile Shopping seine Stärken wie Geschwindigkeit und Bequemlichkeit voll ausspielen.
Verhalten reagieren die Nutzer noch immer auf Paydirekt, das Bezahlverfahren der deutschen Banken. Die Bekanntheit der 2015 gestarteten Bezahlart liegt mittlerweile zwar immerhin bei 75 Prozent und auch die Zahl der angemeldeten Nutzer ist seit Jahresbeginn  um 80 Prozent ­gestiegen, wie die Studienautoren unter Berufung auf Medienberichte feststellen. Sie führen dies aber auf das offensivere Marketing und die automatische Regis­trierung aller Sparkassen-Kunden bei Paydirekt ohne deren Zutun zurück. Wie ­viele der angemeldeten Paydirekt-Kunden die Zahlart tatsächlich verwenden, muss sich nach Ansicht der ECC-Experten erst noch zeigen. Immerhin steht Paydirekt in rund einem Drittel der befragten Shops als Zahlart zur Verfügung.

Rechnung ohne Risiko

Aus Händlersicht steht der Ausbau des Zahlarten-Mix im Vordergrund: Rund sieben Bezahlverfahren bieten sie im Schnitt derzeit an. Bis 2020 sollen zwei bis drei weitere dazukommen. Neu eingeführt werden am häufigsten Paypal, die Kreditkarte und das Online-Überweisungsverfahren Giropay, das gegenüber 2016 gut 13 Prozent mehr Online-Shops für sich gewinnen konnte. Daneben setzen Online-Händler immer stärker auf die Absicherung des Risikos bei Rechnung, Lastschrift und Ratenkauf. So planen 42 Prozent der Händler, die derzeit einen ungesicherten Rechnungskauf anbieten, sich nach einem Dienstleister umzusehen, der ihnen das Risiko abnimmt.
Einen an die Zahlungsvorlieben der ausländischen Kunden angepassten Payment-Mix bietet nur gut ein Drittel der Shop-Betreiber an. Die Mehrheit sieht keinen Bedarf für eine solche Anpassung - sei es, weil die Kunden nicht danach fragen oder weil das internationale Geschäft noch keinen großen Stellenwert hat.
Mehr als ein Drittel der Händler passt die angebotenen Zahlarten aber dem jeweiligen Kunden individuell an. Als Entscheidungsgrundlage dafür dienen am häufigsten Bestellhistorie und Blacklists.



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