Zahlungsdienstleister 14.05.2020, 15:00 Uhr

Wirecard spürt Corona-Krise

Wirecard hat im ersten Quartal etwas weniger Wachstum erzielt als in den Vorquartalen. Die Jahresprognose für das operative Ergebnis bestätigte Wirecard aber erneut. Allerdings hätte Covid-19 einen negativen Effekt auf das Geschäft mit wichtigen Kunden gehabt.
(Quelle: Wirecard )
Der in der Kritik stehende Zahlungsdienstleister Wirecard hat im ersten Quartal die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie gespürt. Vorstandschef Markus Braun bestätigte aber trotz eines langsameren Wachstums als zuletzt die Jahresprognose. Der Dax-Konzern geht nicht davon aus, dass die Krise einen nachhaltig negativen Effekt auf die Branche hat. Allerdings kam das Geschäft mit Fluggesellschaften und Reisebüros deutlich unter Druck, während der Online-Shoppingboom die Auswirkungen abfederte.
Im ersten Quartal stand etwas weniger Wachstum zu Buche als in den Vorquartalen. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen legte im Vorjahresvergleich um 26 Prozent auf 199,2 Millionen Euro zu, wie das Unternehmen aus dem Münchener Vorort Aschheim am Donnerstag anhand vorläufiger Zahlen mitteilte.
Im Vorquartal war das Ergebnis noch um über 40 Prozent gewachsen. Um Einmalaufwendungen bereinigt wäre das operative Ergebnis im ersten Quartal um 29 Prozent auf 204 Millionen Euro gestiegen, rechnete das Unternehmen vor. Der Umsatz wuchs um 24 Prozent auf 700,2 Millionen Euro.

Unter den Markterwartungen

Die Aktie verlor nach dem Handelsstart zunächst gut vier Prozent, drehte zuletzt aber und notierte mit 86,39 Euro knapp ein Prozent im Plus. Für JPMorgan-Analyst Sandeep Deshpande lag Wirecard mit den Zahlen unter den Markterwartungen. Investoren bräuchten eine Lösung der Probleme, bevor sie sich wieder mit den laufenden Ergebnissen beschäftigen könnten, schrieb er in einer ersten Reaktion. Knut Woller von der Baader Bank sprach in einer ersten Reaktion indes von einem soliden Jahresstart trotz Corona-Gegenwinds. Positiv strich er die Unternehmensaussagen zum anziehenden Neukundengeschäft hervor.

Das seit September 2018 im Dax notierte Papier erweist sich seit der Zugehörigkeit zum Leitindex als sehr schwankungsanfällig. Vor allem seit Januar vergangenen Jahres ist die Aktie ein Spielball der oft schlechten Nachrichten. Damals ließen die Anleger die Aktie nach ersten Vorwürfen der britischen "Financial Times" deutlich fallen. In diesem Jahr hat zuerst die Corona-Krise den Titel von fast 140 Euro auf unter 80 Euro gedrückt. Nach einer rasanten Erholung sorgte dann im April das wenig Klarheit schaffende Ergebnis der Bilanzsonderprüfung für einen erneuten Absturz von 140 Euro bis auf gut 80 Euro.

Für das zweite Quartal seien die Effekte der Pandemie noch nicht endgültig abzuschätzen, teilte der Konzern weiter mit. Chef Braun demonstrierte aber Optimismus für die grundsätzliche Ausrichtung. Neuere Statistiken zeigten, dass der Corona-Virus den Trend zu bargeldlosen und sogar zu vollkommen digitalisierten Zahlungen am Terminal vor Ort beschleunige. "Wir gehen davon aus, dass die Welt nach dem Corona-Virus weit stärker digitalisiert sein wird als vorher", sagte Braun.

Covid-19

Das über die eigene Plattform abgewickelte Transaktionsvolumen sei im ersten Quartal weitgehend im Rahmen der Erwartungen gewachsen, sagte Braun. Die Jahresprognose für das operative Ergebnis bestätigte Wirecard erneut, hier will das Unternehmen 1 bis 1,12 Milliarden Euro erreichen. "Wir sind gut in das neue Geschäftsjahr gestartet", sagte Finanzchef Alexander von Knoop. "Unser Neukundengeschäft entwickelt sich weiterhin stark."

Allerdings hätten die Covid-19-Auswirkungen einen negativen Effekt auf das Geschäft mit den wichtigen Kunden bei Fluggesellschaften und aus der Reisebranche gehabt. "Diese Effekte konnten wir weitestgehend durch Zuwächse im Online-Geschäft in den Bereichen Konsum- und Digitale Güter ausgleichen", sagte von Knoop.

Das Unternehmen macht sein Geschäft vorwiegend mit der Abwicklung von Zahlungen im Internet für mehr als 300.000 überwiegend kleine und mittlere Händler. Wirecard steht nach der mehrmonatigen Sonderprüfung der Bilanzen unter hohem Druck. Kritiker werfen dem Konzern Ungereimtheiten in den Büchern vor, die auch die Prüfer von KPMG in ihrem Bericht zum Teil nicht gänzlich ausräumen konnten.

Umbau im Vorstand

Nun wird der Vorstand umgebaut, Braun soll sich vor allem auf die strategische Entwicklung des Konzerns konzentrieren. Er ist mit sieben Prozent auch einer der größten Aktionäre des Unternehmens. Der Amerikaner James Freis soll - von der Deutschen Börse kommend - als Compliance-Vorstand auf die Einhaltung von Regeln und auf die Grundsätze guter Unternehmensführung achten. Das Ressort von Brauns rechter Hand Jan Marsalek, der bisher fürs Tagesgeschäft zuständig war, wird anders ausgerichtet. Für Tagesgeschäft sowie für den Vertrieb sucht der Aufsichtsrat neues Spitzenpersonal zur Erweiterung des Managements.
Wirecard will nach all den Problemen seinen testierten Geschäftsbericht 2019 erst am 4. Juni vorlegen. Wann die detaillierten Zahlen aus dem ersten Quartal veröffentlicht werden sollen, steht noch nicht fest.



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