Start-ups 10.09.2014, 11:15 Uhr

Start-ups fehlen größere Finanzierungen

Sie inspirieren zu Geschäftsideen: E-Commerce und Werbung. Alexander von Frankenberg, Geschäftsführer des High-Tech Gründerfonds, berichtet von Innovationen und Problemen der Kapitalbeschaffung.
Alexander von Frankenberg ist einer von zwei Geschäftsführern des High-Tech Gründerfonds in Bonn. Seit dem Jahr 2000 beschäftigt sich der promovierte Betriebswirtschaftler mit Risikokapital: Zunächst als Mitgründer eines Startups, danach für die Ausgründungen von Siemens.
Der E-Commerce wächst, Marken und Händler drängen ins Netz. Haben Start-ups hier noch eine Chance?
Alexander von Frankenberg: Durchaus. Nach Büchern, Medien, Elektronik oder Mode können noch viele Branchen für den E-Commerce ­erschlossen werden. Zurzeit sehen wir einige neue Unternehmen im Gartenbedarf. Amorelie und andere etablieren gerade den Bereich Sex-Toys, außerdem zeigen Start-ups wie Outfittery, Modomoto oder 8Select, dass man mit innovativen Ansätzen, in diesem Fall Beratung, neue Modelle für den Online-Handel erfinden kann.

Außer Curated Shopping - welche neuen Geschäftsmodelle sehen Sie?
von Frankenberg: Der Handel mit Gebrauchtwaren oder das Teilen ist für Gründer interessant. Rebelle etwa verkauft hochwertige Secondhand-Mode, garantiert dabei die Echtheit der Marken, bereitet Altes professionell auf. Onbelle stellt die erste Flatrate für Mode zur Verfügung und zeigt, dass sich neben der Mobilität weitere Alltagsbereiche für die Share-Economy eignen. Als Investor schauen wir uns bevorzugt Konzepte an, die auf Big Data und die Auswertung von Daten setzen - etwa fürs Empfehlungsmarketing oder bei Mobile Payment.

Wie steht es mit Medien und Marketing als Gründungsthema?
von Frankenberg: Hier bringt ebenfalls die Auswertung von Daten, aber noch mehr der Bereich Mobile neue Geschäftsmodelle hervor. Wir haben in Trademob investiert, ein Start-up, das ein Monitoring Tool fürs App- und Mobile-Marketing bietet. Heute steht Trademob für einen Umsatz im zweistelligen Millionenbereich pro Jahr. Das ist ein enormer Erfolg.

Entdecken Sie denn Gründungstrends für Marketing und E-Commerce?
von Frankenberg: Big Data fördert gerade viele neue Unternehmen zutage, die sich um Analyse oder Business Intelligence, Visualisierung von Kennzahlen, aber auch um die Echtzeitanalyse und schnelle Umsetzung von Daten in praktische ­Strategien kümmern. Auch wegen der stark wachsenden Nutzerzahlen von Tablets und Smartphones entstehen für Mobile immer wieder neue Ideen zum Verkaufen, Werben, Tracken. Interessant sind jetzt Technologien, die hier entstehen und vorhandene Systeme leistungsfähiger machen.

Rocket Internet, Zalando, Westwing wollen an die Börse. Wie wirkt das auf die Gründer- und Investorenszene?
von Frankenberg: Beim Börsengang von Zalando ist mit Erfolg zu rechnen. Wir ­erwarten einen positiven Effekt für Venture Capital und Direktinvestitionen in Hightech-Unternehmen. Business Angel, private Anleger und vielleicht endlich Unternehmen werden Mut bekommen, in Start-ups und Ideen zu investieren. Auch andere Bereiche der ­Szene, etwa Green- oder Healthtech, könnten von dieser Signalwirkung profitieren.

Oliver Samwer forderte jüngst die Regierung auf, mit einem Fonds Start-ups der ­Digitalwirtschaft zu fördern. Der existiert ja schon in Form des High-Tech Gründerfonds. Wo fehlt denn heute Kapital?
von Frankenberg: 2013 haben wir 33,5 Millionen Euro in Start-ups investiert, und wir könnten viel mehr Kapital ausgeben. Samwers Forderung unterschreibe ich sofort, es fehlt noch Kapital, um neue Technologien weiterzuentwickeln und durchzusetzen. Wollen Start-ups schnell wachsen, finden sie zu oft keine Investoren oder nur wenig Geld. Es gibt in Deutschland immer noch zu wenige Risikokapitalgeber.



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