Online-Wohnungsvermittler 06.08.2019, 10:11 Uhr

Airbnb nennt erstmals Zahlen zum deutschen Markt

Zum ersten Mal gibt Airbnb Einblicke in Zahlen zum deutschen Markt. Damit will der Online-Wohnungsvermittler dem Vorwurf entgegentreten, mit seiner Dienstleistung die Wohnungsnot in den Metropolen zu verschärfen.
(Quelle: Airbnb )
Online-Dienstleistungsanbieter, gerade im Bereich der Sharing Economy, müssen sich oft dem Vorwurf stellen, etablierte Geschäftsmodelle zu verdrängen. Auch Airbnb wird nachgesagt, die Wohnungsnot in den Metropolen zu verschärfen. Betroffen seien vor allem die Großstädte Berlin, Hamburg, München und Dortmund.
Der Kritik will der Wohnungsvermittler nun mit handfesten Daten entgegentreten, die dem Handelsblatt vorliegen: In einer gemeinsamen Erhebung mit dem Berliner Wirtschafts- und Sozialforschungsinstitut Empirica gibt Airbnb Einblicke in seine Zahlen zum deutschen Markt.
Demnach gibt es in Berlin 2.600 Komplettwohnungen, die mehr als 137 Tage über Airbnb vermietet werden und damit als Rendite-Objekt eingestuft werden können. Diese "Zweckentfremdung" würde 2,3 Prozent der 114.799 Wohneinheiten entsprechen, die zwischen 2007 und 2017 in der Hauptstadt zu wenig gebaut wurden.

Berlin, München, Hamburg und Dortmund

In München trägt Airbnb demnach mit 550 bis 600 gewerblichen Komplettunterkünften zu 2,1 Prozent zum Wohnungsmangel bei, in Hamburg, wo 700 bis 750 als gewerblich einzustufen sind, zu 4,4 Prozent.
Aktuell vermittelt Airbnb in Berlin 13.045 komplette Wohnungen, in Hamburg sind es 5.883, München kommt auf 6.016 und Dortmund auf 185. Hinzu kommen in den jeweiligen Städten etwa noch einmal genauso viele Gästezimmer mit Couch.
Laut Empirica werden zudem längst nicht alle Airbnb-Wohnungen als gewerbliche Einnahmequelle genutzt - und damit dem regulären Wohnungsmarkt entzogen.
Weitere Ergebnisse: 55 Prozent (Berlin) bis 64 Prozent (München) der Komplettwohnungen gehen weniger als 30 Tage pro Jahr in die Vermietung. Nur elf Prozent der Berliner Airbnb-Wohnungen waren zuletzt mehr als ein halbes Jahr an Fremde vergeben, das entspricht 1.668 Einheiten. In Hamburg und München berichtet Airbnb von jeweils nur 357.
Die durchschnittliche Miete einer Airbnb-Wohnung liegt in Berlin bei 83 Euro, wirtschaftlich lohnend sind Wohnungs-Untervermietungen demnach in der Hauptstadt ab 137 Airbnb-Vermietungstagen pro Jahr. Diesen Wert erreichten zuletzt 2.600 der Airbnb-Anbieter in Berlin. Für Hamburg schätzt Empirica den Wert auf 700 bis 750 Wohneinheiten, München, das vor allem vom Oktoberfest profitiert, kommt demnach auf 550 bis 600 professionell untervermietete Komplettwohnungen.

Kein spürbarer Zusammenhang?

"Ein spürbarer Zusammenhang zwischen Mietpreissteigerung und der Entwicklung angebotener Unterkünfte auf Airbnb in den Städten ist insgesamt nicht erkennbar", kommentiert Studienleiterin Annamaria Deiters-Schwedt die Ergebnisse.
Anders sieht es erwartungsgemäß der Deutsche Städtetag (DTS), ein freiwilliger Zusammenschluss von kreisfreien und kreisangehörigen Städten in Deutschland: "Welche Auswirkungen Sharing-Angebote haben, muss kleinräumig je Wohnquartier untersucht werden", meint Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy im Handelsblatt. Wo Wohnraum ohnehin knapp ist, sei ein dauerhafter Wohnungsentzug durch gewerbliche Fremdvermietungen durchaus problematisch.
Bislang gab es zu Airbnb in Deutschland nur Schätzungen. Das mit 31 Milliarden US-Dollar bewertete Start-up gab lediglich eine Gesamtzahl bekannt, wonach in Deutschland Anfang 2019 rund 160.000 Unterkünfte auf der Plattform zur Verfügung standen.



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