Ossian Vogel über die Social-Commerce-Plattform ezebee.com 21.05.2013, 14:35 Uhr

Vom Ansturm überrannt

ezebee.com erinnert auf den ersten Blick an das Bildernetzwerk Pinterest. Das Social-Commerce-Portal will Kleinstunternehmern und jungen Kreativen eine günstige Verkaufsplattform bieten. Gründer Ossian Vogel sprach mit INTERNET WORLD Business über den Relaunch der Seite, den Zweck der Alternativwährung Beecoin und warum die wirtschaftliche Situation in den Krisenländern Südeuropas Auslöser für die Geschäftsidee war.
Macht sich die Krise zunutze: Gründer Vogel
Herr Vogel, wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Online-Portal für Kleinstunternehmer und junge Kreative zu gründen?
Ossian Vogel: Ich lebe seit drei Jahren in Spanien. Anlässlich der Wirtschaftskrise und der hohen Jugendarbeitslosigkeit in den Ländern Südeuropas habe ich mich mit anderen darüber unterhalten, was Leute in dieser Situation machen müssen, wenn sie etwas im Web verkaufen wollen. Einen eigenen Onlineshop zu betreiben ist sehr teuer und aufwändig, und man ist erst mal nur ein kleines Molekül im Internet. Unsere Seite wendet sich an Leute wie junge Designer, Künstler, Freelancer, die typischen Kleinunternehmer eben.
Seit wann ist ezebee.com auf dem Markt?
Vogel: Ursprünglich wollten wir erst im Mai offiziell online gehen, wurden aber von dem unerwarteten Ansturm förmlich überrannt. Am 15. Januar 2013 sind wir online gegangen, inzwischen haben wir knapp 380.000 Seitenaufrufe im Monat mit über 20.000 Produkten aus 45 Ländern. Wir gewinnen etwa 1.000 neue Mitglieder im Monat und 10.000 neue Produkte hinzu - rein generisch. Wir geben kein Geld für Werbung aus. Die Verbreitung geschieht ausschließlich über Mund-zu-Mund-Propaganda. Über Nacht kamen lauter neue Showrooms hinzu, auch aus Ländern wie Kenia und Namibia.
Aus welchen Ländern stammen Ihre Nutzer?
Vogel: Die meisten Nutzer kommen aus Deutschland, gefolgt von den USA und Spanien. Gerade unter den deutschen Nutzern ist eine große Bereitschaft da, weil unser Konzept dem von Dawanda ähnlich ist. Wir werden von Dawanda-Verkäufern sehr stark als Alternativ-Plattform benutzt, weil dort Provision und Paypal-Gebühren anfallen.
Worin unterscheidet sich ezebee.com von anderen Online-Marktplätzen?
Vogel: Alle Leute, die auf unserer Plattform verkaufen, stellen sich gleichzeitig in einem sozialen Netzwerk dar. Es gibt eine starke Interaktion, alle Produkte können auch geteilt und geliked werden.  Ähnlich wie bei Facebook hat jeder Verkäufer ein eigenes Profil, nur mit dem Unterschied, dass er auch Produkte verkauft. Bei Bezahlsystemen wie Paypal fällt durch Gebühren gerade bei kleinen Summen zu viel Gewinn weg, deshalb haben wir uns für eine eigene Währung entschieden, die Beecoins. Der kostenlose Zahlungstransfer funktioniert gut. 
Sie bieten Nutzern den Service kostenlos an. Wie finanziert sich ezebee.com?
Vogel: Die Plattform finanziert sich zum Beispiel über gesponserte Produkte und Showrooms. Wer seine Produkte prominent auf der Startseite platzieren will, zahlt dafür 80 Cent pro Produkt. Die Seite ist ausschließlich werbefinanziert, wir machen Bannerwerbung, aber keine Adsense-Werbung, die uns nicht gefällt.
Wie entwickeln Sie die Plattform weiter?
Vogel: Gerade sind wir mit unserem Relaunch online gegangen, der schrittweise vollzogen wird. Künftig soll jeder seinen Showroom direkt auf der Oberfläche bearbeiten können, das ist viel angenehmer als eine umständliche Backendlösung, bei der der Verkäufer erst in den Admin-Bereich des Shops gehen muss. Zudem wird das  Bestellwesen vereinfacht. Das heißt:  Für den Einkäufer wird das Kaufen so einfach wie bei einem normalen Shop. Viele Freelancer auf unserer Seite bieten individualisierte Produkte wie zum Beispiel Handtaschen an, der Anbieter muss deshalb in der Lage sein, ein Angebot für Sonderwünsche zu schreiben. Bisher musste er das über ein externes Angebotstool oder per E-Mail machen. Wir haben ein einfaches Rechnungswesen entwickelt, das es ermöglicht, diese Angebote direkt auf ezebee.com zu schreiben.   



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