Interview 20.06.2018, 10:41 Uhr

Schuhe24: "Unsere Händler wollen profitabel online verkaufen - ohne Extra-Aufwand"

Schuhe24 hat sich in den letzten vier Jahren im Windschatten der großen Player etabliert. 800 stationäre Händler bieten auf der Plattform ihre Schuhe an - denn dort fühlen sie sich wohler als bei Zalando, glaubt Gründer Dominik Benner.
Dominik Benner, Gründer von Schuhe24
(Quelle: Schuhe24 )
Auf Schuhe24 finden Kunden über 100.000 Paar Schuhe. Schöne Produktdetailseiten und ausführliche Filter weisen den Shop als einen jener guten Schuh-Shops aus, die sich im Windschatten von Zalando am Markt behaupten. Aber unter der Haube verbirgt sich mehr: Denn Schuhe24 ist kein Online-Shop, sondern ­eine profitabel wachsende Plattform zur Digitalisierung des stationären Schuhhandels, auf der über 800 stationäre Schuhgeschäfte ihre Waren vertreiben - und zwar hochautomatisiert.
Herr Benner, wie sind die Geschäfte für Schuhe24 in den letzten 12 Monaten gelaufen?
Dominik Benner: Es hat sich eine Menge getan und verändert. Wir sind zuerst einmal nach Wiesbaden umgezogen und haben uns in der Größe verdreifacht. Außerdem haben wir unsere Website relauncht und eine mobile App gestartet. Des Weiteren haben wir unsere Vertriebskanäle deutlich ausgeweitet. Heute sind wir auf über 20 Kanälen aktiv, auf denen wir für die Händler verkaufen. Auch unsere Mitarbeiterzahl wächst stetig, jeden Monat kommen ein bis zwei neue Leute dazu. Außerdem wächst die Zahl unserer Händler auf der Plattform: Allein in diesem Jahr sind 180 Fachgeschäfte dazugekommen, letztes Jahr 250. Aktuell verkaufen über 800 Fachgeschäfte und Filialen ihre Produkte über unsere Plattform. Wir rechnen dieses Jahr mit 50 Mio. Euro Verkaufsvolumen über Schuhe24.
Wie wählen Sie die Händler aus, die bei Ihnen mitmachen dürfen? Sprechen Sie passende Kandidaten direkt an?
Benner: Nein, die Händler bewerben sich bei uns. Aktuell besteht auch eine Warteliste mit Händlern, die mitmachen wollen. Wichtig sind hier vor allem die eingesetzte Warenwirtschaft und das Sortiment.  
Warum kommen die Händler überhaupt von sich aus zu ihnen? Stationäre Schuhhändler können sich ja auch an die Plattformen von Zalando oder Gabor anbinden oder selbst über Amazon und ebay verkaufen.
Benner: Bei uns haben sie es aber viel bequemer und wir erzielen eine Reichweite, die kein Händler je selbst erreichen kann. Damit entsteht auch der hohe Umsatz, den man nicht allein schafft als Händler. 
Bequemer als bei Zalando und Amazon?
Benner: Schauen Sie: Bei Zalando und Gabor beispielsweise gibt es überhaupt keine Anbindung an die Warenwirtschaft. Die Händler müssen ihre Bestände händisch korrigieren und sich ständig darum kümmern, ob sie über die Plattform verkaufen wollen oder nicht. Bei Amazon und eBay müssen sie sich ständig mit tieferen Preisen oder Kundenärger beschäftigen, um erfolgreich zu sein. Unsere Händler wollen sich aber nicht übermäßig mit den Feinheiten des Online-Handels beschäftigen - ihr Hauptgeschäft ist ja weiterhin der stationäre Laden. Die wollen einmal die Einrichtung hinter sich bringen und dann soll die Sache möglichst reibungslos laufen - ohne dass sie aufwändig nach Middleware-Anbietern suchen müssen oder manuell verkaufen müssen. Die Kernkompetenz eines stationären Händlers liegt nicht in der Schnittstellentwicklung. Deshalb machen wir das und die Händler können sich auf den Verkauf, den Kundenkontakt, auf Warenerlebnis und Einkauf konzentrieren. Wir machen in Sachen Online-Vertrieb den Rest. Das ist für Händler hochattraktiv.
 
Klingt so, als würden Sie das machen, was die Verbundgruppen schon vor Jahren hätten tun sollen…
Benner: Ja, wir haben da viel Rückmeldung bekommen, z.B. von der größten Schuhhandels-Verbundgruppe GMS. Mit denen haben wir seit einem halben Jahr eine Kooperation, so dass die 1.700 GMS-Händler ganz einfach über uns verkaufen können. Ab Juli 2018 starten wir dies auch für ausländische Händler im Schuh- und Modebereich.
 
Was muss ein Händler mitbringen, wenn er bei Schuhe24 verkaufen will?
Benner: Er muss eine elektronische Warenwirtschaft haben und seine Warenbestände sauber pflegen. Außerdem sollte sein Sortiment zu uns passen. Wir suchen nicht unbedingt den hundertsten Tamaris-Händler, davon haben wir schon sehr viele, sondern eher Händler, die interessante Warensortimente haben, die unser Sortiment auf der Plattform erweitern.
 
Über welche Verkaufskanäle machen Sie aktuell den meisten Umsatz?
Benner: Nicht über Amazon, wenn Sie das meinen! Wir versuchen ganz bewusst, die Verkaufsaktivitäten breit zu streuen. Große Anteile laufen über unseren Online-Shop, sowie Plattformen wie Klingel, Mirapodo, limango oder Otto. Langfristig versuchen wir, uns komplett von Amazon eigenständig zu sein und die eigene Plattform so gut es geht zu stärken.
 
Warum?
Benner: Einerseits besteht auf Amazon eine sehr starke Konkurrenzsituation und damit natürlich ein harter Preiskampf. Es lohnt sich heute nicht mehr, auf Amazon aktiv zu werden, das Thema ist für Schuhhändler durch. Außerdem wollen wir natürlich möglichst die Kundenhoheit haben, also die Informationen über unseren Kunden selbst sammeln können. Deshalb ist die eigene Plattform für uns sehr spannend. Günstiger ist der Verkauf über die eigene Plattform gegenüber dem Marktplatzvertrieb allerdings nicht, das muss man ganz klar sagen. Man muss sehr viel Geld für Google und Adwords und Retargeting sowie personalisierte Werbung ausgeben, um die Kunden auf die Plattform zu bringen. Das wiegt die Marktplatz-Kosten bei weitem wieder auf.



Das könnte Sie auch interessieren