Spreadshirt im Interview 27.11.2014, 14:10 Uhr

"Die Konkurrenten kommen von überall her"

Das Thema Umsatzmaximierung stand für Philip Rooke 2014 nicht an erster Stelle. Stattdessen konzentrierte sich der Spreadshirt-CEO auf das Thema Mobile und die Expansion seiner Plattform.
Philip Rooke, CEO Spreadshirt
(Quelle: Spreadshirt )
Wie verlief das Geschäftsjahr 2014 für Ihre Plattform für personalisierte T-Shirt-Drucke?

Philip Rooke: 2014 stand bei uns im Zeichen der Expansion und des Ausbaus unserer Plattform. Wir investieren und wachsen weiter. Ich rechne mit einem Umsatz von rund 74 Millionen Euro.
Was stand dieses Jahr genau an?

Rooke: Unsere Hauptthemen 2014 waren Mobile und die Internationalisierung. Außerdem haben wir uns um die Weiterentwicklung unserer Plattform gekümmert. Wir bieten unseren Kunden und Verkäufern künftig bessere Möglichkeiten, ihre Designs und Produkte zu vermarkten. Mit diesen drei Eckpfeilern schaffen wir  die Grundlage, um im nächsten Jahr weiter zu wachsen. In diesem Jahr haben wir uns bewusst weniger auf eine Umsatzmaximierung als eben auf die Optimierung unserer Plattform konzentriert.

Die Akquisition von Vitrinepix, neue Länder-Domains… Was ist Ihre internationale Strategie?

Rooke: Eine der größten Herausforderungen, mit der wir auf unserer Plattform bislang zu tun haben, ist die länderspezifische Anpassung.  In der Praxis ist es so: Designer, Unternehmen oder Prominente aus Deutschland, können ihre Designs und Produkte in ihrem Spreadshirt-Shop verkaufen, der speziell an den deutschen Markt angepasst ist. Wer Produkte in Frankreich oder den USA  nach demselben Prinzip vertreiben möchte, musste  bislang den gleichen Shop für diese Märkte noch einmal aufziehen. Unsere Arbeit in diesem Jahr zielte daher darauf ab, das Prozedere künftig schnell, effizient und länderübergreifend zu machen und somit den Aufwand für jeden Nutzer zu reduzieren. Damit kommen wir unserer Vision ein großes Stück näher: eine wirklich globale Plattform zu werden, mit der man Ideen und Produkte weltweit vertreiben kann. Um das zu schaffen, müssen wir zum einen unsere IT-Infrastruktur aufrüsten und zum anderen Präsenzen in den entsprechenden Ländern schaffen.
 
Welches ist das wichtigste Land für Spreadshirt und warum?

Rooke: Im Moment sind das definitiv die USA und ich denke, das wird auch noch eine Weile so bleiben. 45 Prozent unserer Umsätze stammen aus den USA. Viel wichtiger ist allerdings der Content, den wir von dort bekommen. YouTube-Kanäle,  Entertainment Shows oder Lizenzen - die Inhalte, die amerikanische Medienfirmen produzieren, sind gewaltig. Wir profitieren von diesem Fundus. Originelle und vielseitige Ideen werden über unsere Produkte weiter vertrieben. Die USA sind also vor allem deswegen für uns so interessant, weil einfach eine viel größere Menge an Inhalten vorhanden ist. Es gibt auch einige YouTuber, die in den USA sehr erfolgreich sind und dort Ihre Produkte gut verkaufen, obwohl sie in Europa leben. Globalisierung ist also keine Option, vielmehr ein Muss.
 
Welche Stellung nimmt Brasilien genau ein?

Rooke: Brasilien war in puncto Übernahme ein wichtiger Schritt. Die Import- und Exportbedingungen für das südamerikanische Land sind alles andere als einfach, unsere Kunden können nicht so einfach von anderen Ländern beliefert werden. Allerdings gibt es in Brasilien eine große Anzahl an Menschen, die online shoppen. Im Moment ist der brasilianische E-Commerce-Markt etwa so groß wie der französische, aber in zwei oder drei Jahren wird er größer als der deutsche sein. Daher wird auch Brasilien in einigen Jahren einer unserer wichtigsten Märkte sein. Übrigens:  Viele brasilianische Marken und Entertainer sind auch in anderen Ländern, vor allem den USA, sehr erfolgreich. Wir brauchen also dort ein Team, das zum einen diese Talente für uns gewinnt und zum anderen die Produkte vor Ort produziert und lokal ausliefert.
 
Wie sieht es mit dem Wettbewerb aus? Gerade in den USA gibt es viel Konkurrenz, wie etwa Zazzle.

Rooke: Zazzle macht aus meiner Sicht aktuell keinen allzu guten Job. Aber natürlich gibt  es jede Menge Wettbewerber in den USA. Einer unserer größten Konkurrenten momentan ist RedBubble. Das Unternehmen kommt  aus Australien, was deutlich zeigt, dass der Print-On-Demand-Markt inzwischen ein globaler Markt ist und die Konkurrenten von überall her kommen.

Und was ist mit dem asiatischen Markt?

Rooke: Wir haben den asiatischen Markt auf jeden Fall im Blick und werden dort auch mittelfristig expandieren - er gehört  für mich zu den digital etabliertesten Märkten überhaupt. Im Moment sind wir auch mit Unternehmen in Südkorea und Japan im Gespräch. Die Vorstellungen von Asiaten und Europäern hinsichtlich Ideen, Produkten und Druck zeigen jedoch eine starke Kluft, die es zu überwinden gilt. Auch die Art Geschäfte zu machen ist eine andere, das liegt alleine schon an den kulturellen Unterschieden. Wir müssen also erst einmal nach potenziellen Partnern suchen, ehe wir das angehen. Außerdem haben wir im Moment schon genug mit den kulturellen Unterschieden unserer bestehenden Länder zu tun. Der durchschnittliche amerikanische Konsument beispielweise unterscheidet sich völlig vom durchschnittlichen deutschen Verbraucher. Der Grund, warum wir in den USA erfolgreich sind, ist, dass wir gelernt haben, wie man einen globalen Service lokalisieren kann. Für den amerikanischen Käufer und Verkäufer sieht Spreadshirt eben wie ein amerikanisches Business aus, das ist unser Erfolgsgeheimnis."
 
Mit wem arbeiten Sie zusammen, wenn es um Werbe-Kampagnen geht?

Rooke: Wir setzen viele Kampagnen mit Marken um, beispielsweise mit der AOK, die damit ihre individuell auf Kunden angepasste Kleidung oder ihr Merchandising bewerben können. Daneben arbeiten wir natürlich auch mit Medienunternehmen und TV-Stars zusammen, in Deutschland zum Beispiel mit RTL Interactive oder auch kampagnenbasiert mit Circus Halligalli.

Wie wichtig ist Mobile für Sie?

Rooke: Sehr wichtig. Mobile war eines der entscheidendsten Themen für uns dieses Jahr. 25 Prozent unseres Traffics kommt von Smartphones und Tablets, das sind 2,5 Millionen User im Monat. Dieses Jahr haben wir die gesamte Plattform für die mobile Nutzung optimiert, und vor allem den Check-out-Prozess in den vergangenen drei Wochen überarbeitet. So konnten wir die mobilen Bestellungen in den letzten zwei Wochen verdoppeln. Hintergrund ist: Viele User suchen mobil und lassen sich inspirieren, kehren dann aber auf den Desktop zurück oder brechen gar ab. Diese Tatsache ist entscheidend für das mobile Geschäft und muss natürlich entsprechend optimiert werden. Anfang nächsten Jahres werden wir unseren Business-Partnern eine Shop-Lösung für Mobile ermöglichen, ein Service, der bislang nur für Desktop-Seiten möglich ist.
 
Was sind Ihre Pläne für 2015?

Rooke: Mobile ist weiter wichtig, liegt aber in unserer Prioritätenliste eher auf dem dritten Rang. Auf Platz eins steht die Vereinfachung des Verkaufsprozesses für unsere Kunden und Verkäufer. Sie sollen in der Lage sein, ihre Designs auf all unseren Produkten in nur 60 Sekunden zu veröffentlichen,  zum Verkauf bereit zu stellen, und somit schneller Geld zu verdienen. Das System wird dann weltweit implementiert, sodass Nutzer in jedem Land über die gleiche Usability verfügen - sowohl in unserem eigenen Shop, dem Spreadshirt Marktplatz, als auch in den Shops der Verkäufer. So wollen wir innerhalb der nächsten drei Jahre signifikant wachsen. Auf Platz zwei unserer To-Do-Liste stehen Bestellungen in großer Menge. Für diese Großaufträge haben wir zwei Lösungen gelauncht. Die eine ist mehr B2B-orientiert:  Sie firmiert unter Yink und umfasst auch den Corporate-Bereich. Außerdem launchen wir noch dieses Jahr TeamShirts.de, ein Angebot, das sich an Sport-Teams und Event-Veranstalter richtet, die Team-Shirts für die ganze Gruppe möchten. Sie sehen: Für die Zukunft sind wir gut gerüstet.
Spreadshirt will seinen Auftritt für die wachsende Zahl der Smartphone-Nutzer verbessern. Dazu hat das Social-Commerce-Unternehmen einen mobilen Marktplatz und einen neuen Kaufprozess gelauncht.



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