Grenzüberschreitender E-Commerce 14.11.2016, 15:00 Uhr

Das ist beim Crossborder-Handel mit der Schweiz zu beachten

Wenn die Margen unter Druck kommen, ist der Ruf nach mehr Volumen nicht weit. Die Expansion ins Ausland liegt nah. Doch mancher erlebt dann eine böse Überraschung.
(Quelle: shutterstock.com/Natali Glado )
Von Thomas Lang
Auf den ersten Blick hat es den ­Anschein, dass es äußerst einfach ist, von Deutschland aus nach Österreich oder in die Schweiz zu versenden, in beiden ­Alpenländern wird ja dieselbe Sprache ­gesprochen - andere Mehrwertsteuersätze und Währung sind da schnell angepasst.

Schweizer Zoll hat seine Tücken

Der grenzüberschreitende Handel zwischen Deutschland und Österreich ist aufgrund der Zugehörigkeit zur EU und zur Euro-Zone mit weniger Herausforderungen behaftet als das Versenden in die Schweiz. Es müssen zwar verschiedene Verbraucherschutzgesetze beachtet werden, doch das lässt sich mit überschaubarem Aufwand lösen. Von Vorteil für die Händler ist hingegen, dass ­sowohl Österreich als auch die Schweiz merklich weniger strenge gesetzliche Auflagen kennen, als dies in Deutschland gang und gäbe ist. Zudem sind Abmahnungen in den Alpenländern weniger gebräuchlich und erfolgversprechend.
Doch gerade die Schweizer Politik - so liberal sie sich gerne gibt - hat in der Vergangenheit immer mal wieder protektionistische Maßnahmen beschlossen oder diese beibehalten. Ein besonders schönes Beispiel stellt der Gewichtszoll dar, an dem beharrlich festgehalten wird. Wer Crossborder E-Commerce betreibt und in die Schweiz verkauft, muss berücksichtigen, dass die Schweiz weltweit die einzige Handels­nation ist, die den Gewichtszoll anwendet.
Das heißt, die Ware wird nicht nach Wert, sondern nach Gewicht verzollt. Oder anders gesagt; Aboutyou, Outfittery, Zalando & Co müssen jede Jeans, jedes Paar Schuhe, jede Gürtelschnalle und jeden Pullover für die Schweizer Konsumenten wiegen, damit diese Artikel korrekt verzollt werden können. Damit einher geht ­natürlich, dass die eigenen Systeme entsprechend ausgerüstet und die Prozesse definiert werden müssen. Das bedeutet für die Anbieter einen hohen Aufwand - und dies für einen doch zumindest im Vergleich zu Deutschland kleinen Markt.

Kunden wollen keine Importeure werden

Doch bei den Zollformalitäten gibt es noch andere Herausforderungen. Grundsätzlich ist für den Schweizer Konsumenten wichtig zu wissen, ob er von einem Schweizer Unternehmen beliefert wird oder ob er selbst der Importeur ist. Die ­erwähnten großen Fashion-Anbieter ­bedienen den Schweizer Kunden wie ein Schweizer Unternehmen.
Das heißt, sie sind verantwortlich für die Verzollung und die Mehrwertsteuer. Für den Kunden ist es so, als hätte er bei einem Schweizer Anbieter eingekauft. Dasselbe gilt für den Retourenprozess. Diese Anbieter verarbeiten die Retouren über eine Schweizer Adresse. Der Kunde schickt das Paket ­also im Inland zurück und muss sich nicht um Zolldeklarationen kümmern.
Ganz anders ist es, wenn der Kauf bei ­einem Online-Shop im Ausland stattfindet, der die Verzollung nicht selbst vornimmt. In diesem Fall wird der Schweizer Käufer zum Importeur und muss Zoll und Mehrwertsteuer dem Transportdienstleister entrichten - meist verbunden mit einer Administrationsgebühr, die schon mal 20 bis 30 Franken betragen kann. Das sind dann die unliebsamen Überraschungen bei einem vermeintlichen Schnäppcheneinkauf.
Kommt es zu einer Retoure, wird der Schweizer Konsument wieder zum ­Exporteur und sendet die Ware ins Ausland - zusammen mit der entsprechenden Zolldeklaration. Der E-Commerce-Riese Amazon verabschiedete sich erst vor Kurzem von diesem Prozedere und führte die vorgängige Verzollung und die Lieferung analog einem Schweizer Anbieter an. Dies dürfte sicher auch ein Grund sein, warum die Umsätze bei Amazon in der Schweiz im vergangenen Jahr deutlich nach oben gegangen sind. Von einer Dominanz des Versandhändlers kann hier - im Vergleich zu Deutschland und Österreich - allerdings nicht die Rede sein.



Das könnte Sie auch interessieren