Jan-Christoph Goetze von PersonalNovel im Interview 30.11.2010, 15:17 Uhr

Wenn sich Romanheld und Leser aufs Haar gleichen

PersonalNovel bietet personalisierte Romane an - besonders zu Weihnachten ein beliebtes Geschenk. internetworld.de sprach mit Gründer und Verleger Jan-Christoph Goetze über die heute gestartete Kooperation mit Tchibo.de, seine Marketingstraetgie und den Wert von Empfehlungen.
Jan-Christoph Goetze von PersonalNovel im Interview
Will 2011 in die USA expandieren: Goetze
Wie machen Sie potenzielle Kunden auf Ihr Angebot aufmerksam?
Jan-Christoph Goetze: In erster Linie über Partnerschaften - ab heute können Sie unsere personalisierten Bücher bei Tchibo.de bestellen, wir arbeiten unter anderem mit buecher.de und Libri zusammen und haben seit Kurzem eine Kooperation mit sueddeutsche.de, bei der Sie Klassiker personalisieren lassen können.
Wenn ich Effi Briest wähle, trägt sie dann meinen Namen, hat meine Augenfarbe, meinen Wohnort und mein Alter?
Goetze: Bei den Büchern, die für uns geschrieben werden, können wir das an Personalisierung bieten. Bei Klassikern ist es schwieriger, da wir die Autoren nicht mehr um Erlaubnis bitten können. Da beschränken wir uns aus Respekt vor den Werken auf das "Veredeln" des Werkes: Eine persönliche Werkausgabe, die beispielsweise den Namen auf jeder Seite eingedruckt bekommt, einen Ex-Libris-Stempel sowie eine individuelle Widmung in Farbe enthält. Abgerundet wird dies durch verschiedene hochwertige Einbandvarianten in vielen Farben.
Wie müssen denn Bücher geschrieben sein, damit sie sich für eine Personalisierung eignen?
Goetze: Das ist gar nicht so leicht, wir haben den Schreibstil über die Jahre entwickelt. Wichtig ist, dass die literarischen Personen in ihrem Charakter so vage gehalten sind, dass sich die Leser in ihnen wiedererkennen können, wenn sie ihnen in Haarfarbe, Spitzenamen oder Herkunft gleichen. Diese Attribute dürfen jedoch nicht zu oft vorkommen, sonst wirkt es unnatürlich.
Wie sieht der typische PersonaNovel-Kunde aus?
Goetze: Da Bücher und kreative Geschenke in erster Linie ein Frauenthema sind, sind auch die meisten unserer Kunden Frauen zwischen 25 und 35 Jahren, für die das Internet zum Alltag gehört. Zum Valentinstag gehen vor allem Liebesromane gut, zu Weihnachten auch andere Genres wie Krimis.
Wie hoch ist Ihr Werbebudget?
Goetze: Relativ gering - wir investieren weniger als 30 Prozent ins Marketing, neben Kooperationen vor allem in Google AdWords. Ein großer Teil unserer Kunden erreicht uns über Empfehlungen. Wenn jemand auf einer Party eines unserer Bücher auspackt, der Held trägt seinen Namen, alle Freunde sehen nach, ob sie auch darin vorkommen - das schafft eine starke emotionale Bildung. Übrigens auch bei Männern: Aus eigener Erfahrung weiß ich, welche Reaktionen sich abspielen, wenn auch gestandene Männer Deutschland zum Weltmeistertitel führen. Auf einmal macht Lesen wieder Spaß!
Diese Bindung hat auch mit Eitelkeit zu tun – viele Menschen möchten gerne eine Romanfigur sein, vor allem, wenn sie positiv beschrieben werden. In der Hochliteratur sind die Vorbilder für Romanfigur oft mit ihrem Abbild nicht glücklich.
Goetze: Stimmt. Bei uns sind die Hauptfiguren alle positiv gezeichnet, vielleicht sogar ein bisschen kindlich und plakativ. Aber man muss ja nicht jeden Tag melancholisch oder kritisch sein, man kann die Welt auch einmal anders betrachten.
Der Advent ist für viele Geschenkeanbieter die wichtigste Zeit des Jahres. Welchen Anteil an Ihrem Jahresumsatz hat das Weihnachtsgeschäft?
Goetze: Wir machen 25 bis 30 Prozent unseres Umsatzes im Weihnachtsgeschäft, die Zahl der verkauften Bücher liegt im Gesamtjahr im fünfstelligen Bereich.
Im Oktober haben Sie ein Büro in London eröffnet. Welche Pläne haben Sie fürs kommende Jahr?
Goetze: Im britischen Markt sehen wir große Chancen, weil er online- und buchaffin ist – und viele Bücher von der Herstellung her eine schlechte Qualität haben. Da sehen wir große Möglichkeiten für uns. Zudem wollen wir im Sommer 2011 in die USA expandieren.



Das könnte Sie auch interessieren