New Work 08.01.2020, 07:30 Uhr

Samuel Koch: "Gebt der jungen Generation mehr Verantwortung"

Samuel Koch hat für heutige Unternehmens-Chefs ein Buch geschrieben. "Die Welt, die ihr nicht mehr versteht", lautet der Titel. Und nicht nur der Titel provoziert, sondern auch der Inhalt: "Ich fordere euch auf, euch zurückzuziehen", knallt Koch den Lesern vor den Latz.
Samuel Koch ist Co-Founder eines Software-Start-ups, das digitale Kompetenzen vermittelt.
(Quelle: Lukas Beck)
"Überlasst eure Positionen, welche auch immer das sind, jemandem von uns. Ihr versteht die Welt, in der wir leben und in der die Entscheidungen über die Zukunft fallen, nicht mehr." Mit dieser Forderung startet Samuel Koch, selbst Unternehmer in Österreich und jetzt auch Buchautor, einen Großangriff auf die Führungsetagen traditioneller Unternehmer.
Schon zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn stellte Koch fest, dass seine ­Generation und die Generation davor in einigen wesentlichen Punkten der heutigen Arbeitswelt unterschiedliche Auffassungen haben: Die "Wir"-Generation hält Geschwindigkeit für das Geschäftsleben für essenziell, Stabilität opfert sie für Flexibilität und Dynamik, Bindung verliert an ­Bedeutung, alle Lebensbereich werden so organisiert, dass sie schnell wieder verändert werden können.
In der Arbeit stellt die Generation "Wir" Freude über den Profit. Und eine gute Führungskraft ist für junge Talente jemand, der es als Dienstleister allen anderen ermöglicht, ihre Krea­tivität auszuleben. Schlussendlich geht die "Wir"-Generation laut Koch auch anders mit dem Thema Daten und Digitalisierung um als die "Ihrs" in den heutigen Chefetagen. Sie habe kein Problem damit, Daten zu teilen und die Welt zu digitalisieren. Und sie habe verstanden, dass in einer digitalen Welt der Kunde nicht mehr nur König ist, sondern Gott. 
Einblicke in die Gedankenwelt der jungen Generation gibt Koch auf der TrendArena der INTERNET WORLD EXPO am 10. und 11. März in München. Wir fragten vorher schon einmal nach.
Herr Koch, Sie haben ein Buch mit dem provozierenden Titel geschrieben "Die Welt, die ihr nicht mehr versteht." Ab wann zählt man für Sie denn zur Generation "Ihr"?
Samuel Koch:
Bislang habe ich auf die Frage immer die Ü40-Generation genannt. Aber das braucht ein bisschen Erklärung. Ich bin Start-up-Unternehmer im Bildungsbereich und habe da viel mit jungen Leuten zu tun. Gleichzeitig habe ich ein Software-Unternehmen mitgegründet und bin darüber mit großen Corporates in Kontakt. So wuchs ich in den vergangenen Jahren in diese Vermittlerrolle hinein und habe dabei immer mehr erkannt, wie groß die Konflikte und Verständnisprobleme zwischen der älteren und jüngeren Generation sind. Das ist aus meiner Sicht schade, denn wir ­leben in einer Zeit, die unglaubliche ­Gelegenheiten bietet, um Zukunft zu ­gestalten. Aber dafür brauchen wir eine Kultur des positiven Streitens, die ich mit meinem Buch ein Stück weit entfachen wollte. Darin habe ich unter anderem versucht, Beispiele und Bereiche aufzuzeigen, wo die junge Generation anders denkt und wo wir lernen müssen hinzuschauen und darüber zu sprechen.
Dann nennen Sie doch bitte gleich mal ein paar konkrete Beispiele.
Koch:
Beginnen wir mit dem Thema ­"Arbeit". Der jungen Generation wird gerne mangelnde Leistungsbereitschaft vorgeworfen. Angeblich lassen wir uns für Projekte und Ideen nicht mehr ­gewinnen. Aus meiner Sicht müssen wir den Arbeitsbegriff und die Leistungsbereitschaft aber neu definieren. Seit jeher suchen Menschen Erfüllung in ihrer ­Arbeit. Aber Technologie und Digitalisierung ermöglicht es uns erst jetzt, wirklich das zu machen, was uns Freude ­bereitet. HR-Abteilungen sollten nicht darüber jammern, dass sie junge Menschen nicht mehr gewinnen können, sondern sich fragen, warum sie für die Generation nicht mehr attraktiv sind. Wir brauchen einfach neue Mindsets und Incentives bei der Arbeit.
Eine Branche, die über einen Mangel an Nachwuchskräften jammert, ist der Handel. Wie würden Sie jungen Menschen niedrige Löhne, lange Arbeitszeiten am ­Wochenende und Jobs wie Regale auffüllen schmackhaft machen?
Koch:
Was das Regaleauffüllen angeht: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das, was ­automatisiert werden kann, auch automatisiert wird. Das muss der Handel in seine Strategie aufnehmen. Und natürlich gibt es in jedem Job Aufgaben, die nicht attraktiv sind. Aber Sie als Unternehmen müssen attraktiv sein. Sie müssen sich für ­Dinge engagieren, die junge Menschen ­ansprechen, und Themen aufgreifen, die die Jugend bewegen. Das ist für mich die einzige Möglichkeit, um die jungen Menschen emotional und kreativ abzuholen und ihnen Missionen zu geben. Das muss auch gar nicht unbedingt die Kerntätigkeit betreffen. Es geht auch im Rahmen von ­Satellitentätigkeiten. Denken Sie in der Textilindustrie an das Thema Nachhaltigkeit. Was könnte man da an Seitenprojekten machen? Ich bin absolut davon überzeugt, dass Menschen das größte Asset sind, das wir in Zukunft haben. Dazu müssen wir verstehen, was sie bewegt - und ­ihnen entgegenkommen. Manuelle Arbeit ist da für mich nur ein Aspekt von vielen.



Das könnte Sie auch interessieren