Fulfillment: Das ausgelagerte Lager

Ein modulares Angebot speziell für kleine Firmen

Smartful besteht aus dem Basispaket ­Lagerlogistik mit den Komponenten Warehousing und Retourenmanagement. Es kann um weitere Bausteine wie Kundendienst, Finance oder Warenversand ­ergänzt werden. Die zugrunde liegende ­IT-Architektur ist modular aufgebaut und kann mit verschiedenen Shop-Software-Lösungen verbunden werden. "Mehrma­lige Anpassungen der Software entfallen", erläutert Urbanke. Das erleichtere den Einstieg in den professionellen E-Commerce.
Häufig ist die Entscheidung, das Fulfillment an einen Partner zu übertragen, von der Unternehmenspolitik geprägt: Wenn etwa ein Modehersteller erstmals den Schritt in den E-Commerce wagt, dann muss er sich mit vielen, ganz neue Themen wie Produktfotos und -beschreibungen, Payment, Marketing und Ähnlichem beschäftigen, die bislang nicht zu seiner Kernkompetenz gehörten. "Wenn er sich dann auch noch um die Logistik kümmern soll, ist es manchmal besser, in den sauren Apfel zu beißen und einen Dienstleister mit ins Boot zu holen", verdeutlicht Modotex-Geschäftsführer Heinze.

Immer mehr Anbieter am Markt

Der Vorteil für die Shop-Betreiber: Da die Nachfrage nach Logistik- und Fulfillment-Dienstleistungen durch das Wachstum des E-Commerce immer weiter ­zunimmt, steigen immer mehr Anbieter in diesen Markt ein. Auch Quereinsteiger, die sich über das eigene Geschäft umfassendes und teils branchenspezifisches Know-how aufgebaut haben, entdecken das Fulfillment für sich. So will etwa ­Zalando sein Geschäftsmodell künftig um ein vielfältiges Fulfillment-Angebot ­erweitern. Zudem wird die Service-Palette der Fulfillment-Anbieter immer breiter. Arvato SCM bietet ­Online-Händlern beispielsweise an, das Shooting von Produktfotos gleich im ­Warenlager von einem Fotostudio erledigen zu lassen. Heinze empfiehlt Shop-­Betreibern jedoch, sich auf einige wenige Partner zu beschränken - schließlich wolle jede externe Firma mitverdienen.
Ein weiterer Grund, der dafür sprechen könne, die Logistik selbst in die Hand zu nehmen, sei die größere Flexibilität. Hat der Händler die Ware selbst im Lager, kann er das Produkt etwa bei Kundenfragen schnell in Augenschein nehmen und Fragen gleich klären. Ähnliches gilt für die Retourenaufbereitung. Denn nach einer ersten Sichtkontrolle muss entschieden werden, wie mit dem zurückgeschickten Kleidungsstück weiterverfahren werden soll. Übernimmt ein Dienstleister dies, muss ein umfangreicher Kriterienkatalog erarbeitet werden, um in jedem Einzelfall die richtige Entscheidung treffen zu können. Auch hier bleibt die Frage: Gehört die Retourenaufbereitung zur Kernkompetenz des Händlers oder nicht? Und: Wie viele Stücke gilt es im Schnitt aufzubereiten? Je mehr es sind, desto günstiger wird der Service beim Dienstleister.

Mehrere Angebote einholen und Preise nachverhandeln

Sucht sich ein Händler einen Fulfillment-Partner, sollte er sich in jedem Fall intensiv mit dem Markt beschäftigen und verschiedene Angebote einholen. Neben dem Serviceangebot spielen Faktoren wie die geografische Abdeckung und die Kosten für den internationalen Versand sowie die Zollabwicklung eine Rolle. Zu guter Letzt ist der Preis bedeutsam, denn Heinze zufolge ist das Versandporto einer der größten Kostenblöcke. Wenn ein Dienstleister sehr viel Volumen verschickt, kann er bei Versendern wie der DHL oder Hermes bessere Preise aushandeln.
Hermes Fulfilment bietet seinen Kunden zwei Abrechnungsmöglichkeiten an: zum einen stückbezogene Preise und zum anderen eine Net-Sales-Lösung. Bei letzterer ­Variante erhält Hermes einen bestimmten Prozentsatz des Nettoumsatzes des Händlers als Vergütung für das Fulfillment.
Somit bleibt ein Teil des Kostenrisikos beim Fulfillment-Dienstleister, erläutert Urbanke, und sowohl der Händler als auch der Dienstleister versuchen gleichermaßen zum Beispiel die Retourenquote so gering wie möglich zu halten. Die Mehrheit der Kunden entscheidet sich derzeit für stückbezogene Preise, etwa ein Viertel wählt die Net-Sales-Lösung, gibt Urbanke Auskunft. Eine typische Vertragslaufzeit beträgt drei Jahre.
Heinze hat noch einen Tipp für ­Online-Händler: Damit sie ihre Kosten im Griff behalten, sollten sie immer wieder mehrere Angebote einholen und bei ihrem Dienstleister auch immer wieder nachverhandeln. Dies gelte vor allem dann, wenn der Händler ein starkes Wachstum verzeichnet, die Versand­menge also zunimmt.



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