Buchhändler-Allianz 11.10.2017, 11:00 Uhr

tolino: Mit neuem E-Reader gegen die Flaute auf dem E-Book-Markt

Der tolino epos soll es richten: Die Allianz deutscher Buchhändler bringt zur Frankfurter Buchmesse einen neuen E-Reader auf den Markt. Er muss sich nicht nur gegen Amazons Kindle, sondern auch gegen die Flaute auf dem E-Book-Markt behaupten.
Der neue tolino epos soll auch das anstehende Weihnachtsgeschäft beflügeln.
(Quelle: tolino)
Er biete mehr Raum für Geschichten und sei maßgeschneidert für echte Vielleser: An blumigen Marketing-Worten für den neuen tolino epos mangelt es nicht. Der E-Reader geht pünktlich zur Frankfurter Buchmesse (11. bis zum 15. Oktober 2017) an den Start und will vor allem mit einem deutlich größeren Bildschirm punkten. Verkauft wird er von der tolino-Allianz.
Diese war 2013 von der Telekom und den großen deutschen Buchhändlern ins Leben gerufen worden, um auf dem wachsenden E-Book-Markt ein konkurrenzfähiges Angebot nicht zuletzt gegen Amazons Kindle zu präsentieren. Mit dabei sind heute immer noch die Buchhändler Thalia, Weltbild, Hugendubel, Mayersche Buchhandlung, Osiander sowie Libr. Nicht mehr an Bord ist seit Januar 2017 die Deutsche Telekom. Sie verkaufte die tolino-Technologieplattform an den japanisch-kanadischen E-Book-Hersteller Rakuten Kobo.
Der neue tolino epos ist das erste Gerät mit dem neuen Technologie- und Innovationspartner. Er hat ein 7,8 Zoll-Display und bietet damit 69 Prozent mehr Lesefläche, was der entscheidende Unterschied zu den Vorgänger-Modellen (sechs Zoll) ist.
Weitere Highlights soll die Smart Light Innovation sein, mit der sich die Farbtemperatur des integrierten Leselichts automatisch jeder Tages- und Nachtzeit anpasst, sowie der Wasserschutz und der Speicherplatz von rund sechs GB. Weitere Features, die der tolino Vision 4 HD nicht vorweisen konnte, sucht man allerdings vergebens. Den Preis für den tolino epos kann jeder Händler selbst bestimmen.
(Quelle: tolino)
Daneben ist mit dem neuen tolino epos auch ein Abo-Modell für E-Books an den Start gegangen. Der Clou daran ist, dass den Nutzern aufgrund ihres Kaufverhaltens 40 E-Books aus vier Genres - Krimis & Thriller, Romane & Erzählungen, Fantasy & Science Fiction sowie Liebesromane & Erotik - vorgeschlagen werden.
Aus den kuratierten Vorschlägen können die Leser sich monatlich dann vier Bücher aussuchen. Die ausgewählten E-Books sind während der gesamten Abo-Laufzeit in der Bibliothek des Kunden verfügbar. Zum Start ist das Abo-Modell zunächst bei Thalia, Weltbild, bücher.de, eBook.de und Hugendubel verfügbar. Weitere Partner sollen in den kommenden Monaten folgen.

Amazon versus tolino

Marktführer im deutschen Markt für elektronische Bücher ist laut Bundeskartellamt Amazon, der über den Shop seines Lesegeräts Kindle nahezu die Hälfte aller E-Books hierzulande verkauft. Der Marktanteil der in der tolino-Allianz zusammengeschlossenen Buchhändler liegt zwischen 30 und 40 Prozent.
Rakuten kommt mit seinem E-Book-Shop Kobo und eigenen Lesegeräten auf dem deutschen Markt dagegen nur auf einen Marktanteil im niedrigen einstelligen Bereich. Weitere Wettbewerber sind unter anderem Apple mit dem iBook-Store und der Play Store von Google.

Flaute auf dem E-Book-Markt

Das neue Gerät soll nicht nur auf der Frankfurter Buchmesse, sondern auch im anstehenden Weihnachtsgeschäft der Verkaufsschlager werden. Die Buchhändler sind optimistisch - auch wenn aktuelle Zahlen des Digitalverbands Bitkom durchaus Grund zur Skepsis bieten.
Zwar liest knapp ein Viertel aller Bundesbürger demnach digitale Bücher, doch der vielfach erhoffte Boom der E-Books bleibt in Deutschland weiter aus. Im Vergleich zu den vergangenen drei Jahren ist der Anteil der E-Book-Leser an der Gesamtbevölkerung nahezu konstant geblieben. Dabei sind die elektronischen Bücher unter den 14- bis 29-Jährigen mit einem Anteil von 35 Prozent noch am beliebtesten. Je älter die Menschen sind, um so weniger nutzen sie E-Books. In der Altersgruppe ab 65 Jahren beträgt der Anteil nur noch acht Prozent. "Digitale Bücher kommen in Deutschland nicht recht vom Fleck", sagte der Präsident des Digitalverbands, Achim Berg.

Ein Grund sind die Preise

Einen Grund sieht Berg in den Preisen, die oft kaum unter denen der Print-Exemplare lägen. Befördert werde dies durch die unterschiedliche Besteuerung. So liegt der Anteil der Mehrwertsteuer bei E-Books bei 19 Prozent, gedruckte Bücher werden mit dem ermäßigten Satz von sieben Prozent besteuert. Laut der Studie würden 73 Prozent der Bundesbürger eine Angleichung befürworten. 42 Prozent ist allerdings der Preis der Lesegeräte zu hoch. Und 63 Prozent bevorzugen einfach die haptische Wahrnehmung von gedruckten Büchern. Jeder Fünfte (21 Prozent) würde E-Books gerne verleihen oder verschenken, was allerdings die meisten Anbieter meist aus Urheberrechtsgründen nicht ermöglichen.
Für die repräsentative Studie wurden von Bitkom Research insgesamt 2.194 Personen ab 14 Jahren befragt. Darunter waren 506 aktive E-Book-Leser, die vertieft zu ihrem Nutzungsverhalten befragt wurden.



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