Telemedizin 08.05.2018, 14:03 Uhr

Schranken für Telemedizin sollen gelockert werden

Patienten Wartezeiten ersparen und neue Versorgungsangebote ermöglichen - das sollen Behandlungen via Web oder Telefon durch Ärzte ermöglichen. Doch in Deutschland werden Medizinern für solche Behandlungsmethoden noch zu viele Schranken gesetzt. Das soll sich ändern.
(Quelle: shutterstock.com/ Kinga )
In Sachen Gesundheit sind Millionen Bundesbürger längst digital unterwegs. Infos bei Beschwerden suchen viele erst mal im Internet, der Markt für Handy-Apps wächst. Wenn direkt ein Arzt benötigt wird, sind Medizinern in Deutschland aber bisher Schranken gesetzt: Einfach nur online oder am Telefon behandeln dürfen sie nicht. Der 121. Ärztetag, der an diesem Dienstag in Erfurt beginnt, soll wohl eine - behutsame - Freigabe beschließen. Das soll Patienten Wartezeiten ersparen und auch neue Versorgungsangebote auf dem Land ermöglichen. Total digital werden wollen die Ärzte aber nicht.

"Neue Methoden mit Kamera und Videoübertragung können vieles deutlich erleichtern", sagt Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery. Für eine schnellere Kommunikation sollten daher jetzt Möglichkeiten eröffnet werden. Konkret geht es um mehr "ausschließliche" Fernbehandlungen, die das Berufsrecht bisher untersagt - also wenn Ärzte den Patienten nicht zumindest einmal persönlich vor sich gehabt haben. Nach einer Vorlage der Bundesärztekammer, über die der Ärztetag abstimmt, sollen reine Fernbehandlungen künftig "im Einzelfall" erlaubt sein - aber nur, wenn es "ärztlich vertretbar" und die Sorgfalt gewahrt ist.

Persönlicher Kontakt ist unverzichtbar

Unumstritten ist eine solche Lockerung nicht. Vielen Ärzten ist der persönliche Kontakt schlicht unverzichtbar. An diesem "Goldstandard" ärztlichen Handelns solle auch nichts geändert werden, versichert Montgomery. "Schließlich steckt in "Behandlung" ja schon das Wort Hand. Das zeigt, dass es ohne direkten Kontakt in den allermeisten Fällen nicht geht." Einiges verbessern könne digitale Technik aber schon, argumentiert auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU): Weniger Wege und Wartezeiten für Patienten in großen Städten und mehr schnelle Arztkontakte in dünn besiedelten Regionen.

Ganz bei Null startet die Zunft dabei nicht. In Baden-Württemberg gibt es das regionale Modellprojekt "Docdirect", bei dem Patienten sich elektronisch melden und von Ärzten Beratung bekommen. Andere Mediziner bieten Videosprechstunden für Patienten, die sie kennen. So macht es auch Christine Zollmann. Mit ein paar Klicks loggt sich die Hautärztin in ihrer Gemeinschaftspraxis in Jena in ein Programm ein. Dann sieht sie einen jungen Mann auf dem Bildschirm. "Zeigen Sie mir bitte Ihre Hand", sagt sie freundlich. Zwei- bis dreimal in der Woche hat sie so Kontakt mit Patienten - meist abends nach 18.00 Uhr.

Die Dermatologin und Venenspezialistin nutzt Videosprechstunden, um den Behandlungsverlauf bei Hauterkrankungen und chronischen Wunden zu kontrollieren. Seit Sommer 2017 vergüten gesetzliche Krankenkassen solche Angebote - für bestimmte Erkrankungen und einzelne ärztliche Fachgruppen. Auch Internet-Portale werben mit ärztlicher Expertise. Der 2011 gestartete Anbieter "DrEd" in London hatte nach eigenen Angaben inzwischen 400.000 Beratungen und Behandlungen von Patienten aus Deutschland. Auch jüngere Anbieter wie "Fernarzt.com", der ebenfalls in London registriert ist, setzen auf neue Markt-Dynamik.



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