Bitkom-Studie 20.06.2016, 11:30 Uhr

Möglicher Brexit: Umsatzeinbußen für die deutsche Digitalwirtschaft

Am 23. Juni schaut ganz (Digital-)Europa nach Großbritannien. Denn: Der Brexit könnte für die Digitalwirtschaft mit deutlichen Umsatzeinbußen einhergehen, warnt der Digitalverband Bitkom.
(Quelle: shutterstock.com/shockfactor.de)
Am Donnerstag stimmen die Briten über einen Ausstieg aus der EU ab. Für die deutschen IT-Unternehmen ist die Entscheidung über den Brexit dabei genauso wichtig. Denn: Ein Ausscheiden Großbritanniens, das seit Jahren zu den zehn wichtigsten Handelspartnern gehört, könnte für die Digitalwirtschaft mit deutlichen Umsatzeinbußen einhergehen, warnt der Digitalverband Bitkom.
 
Alleine im vergangenen Jahr wurden ITK-Produkte und Unterhaltungselektronik im Wert von 2,9 Milliarden Euro von Deutschland nach Großbritannien geliefert. Das entspricht acht Prozent der gesamten ITK-Ausfuhren aus Deutschland. Damit ist das Land knapp hinter Frankreich das zweitwichtigste Ausfuhrland für die deutschen Unternehmen. Umgekehrt kamen aus Großbritannien 2015 ITK-Produkte im Wert von rund 1,2 Milliarden Euro nach Deutschland.
Im ersten Quartal dieses Jahres wurden ITK-Produkte und Unterhaltungselektronik im Wert von 626 Millionen Euro von Deutschland nach Großbritannien geliefert, so der Bitkom unter Berufung auf aktuelle Berechnungen von Bitkom Research. Umgekehrt wurden Waren im Wert von 311 Millionen Euro aus Großbritannien nach Deutschland eingeführt.
Wichtigste Exportmärkte für ITK-Produkte aus Deutschland im ersten Quartal 2016:
Zur Datenquelle: Grundlage der Angaben sind Berechnungen von Bitkom Research auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamtes.
Quelle: Bitkom
"Großbritannien ist für Deutschland seit Jahren eines der wichtigsten Exportländer für IT- und Telekommunikationsprodukte und ein bedeutender Handelspartner. Sollte es wirklich zu einem Brexit kommen, hängt alles davon ab, wie die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Ländern danach vertraglich geregelt werden, etwa was den freien Austausch von Waren und Dienstleistungen angeht", erklärt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. Jedes Hemmnis für einen freien Austausch von Waren birgt für ihn die Gefahr, dass es auch zu Umsatzverlusten bei deutschen Anbietern kommt.

Negative Auswirkungen auf die übrigen Wirtschaftsbeziehungen

Neben dem Warenaustausch würde ein Brexit nach Ansicht des Bitkom auch negative Auswirkungen auf die übrigen Wirtschaftsbeziehungen wie etwa die Freizügigkeit für Arbeitnehmer haben. "Wenn Großbritannien sich entscheidet, nicht mehr die Pflichten einer EU-Mitgliedschaft übernehmen zu wollen, dann ist es konsequent, dass das Land auch nicht mehr von den Vorteilen profitieren kann", so Rohleder. In diesem Fall müssten eine Vielzahl von Vereinbarungen völlig neu verhandelt werden. "Das kostet Zeit und Geld - und am Ende wird Großbritannien sicher weniger gut gestellt sein als ein reguläres EU-Mitglied", sagt Rohleder.
Sollte es tatsächlich zu einem Brexit kommen, wäre es laut Bitkom für Unternehmen und Verbraucher zunächst erforderlich, dass es ausreichend bemessene Umstellungszeiten gibt, damit sich alle Beteiligten den veränderten Rahmenbedingungen anpassen können.

Das richtige Signal für ein "starkes digitales Europa"

Unabhängig von konkreten wirtschaftlichen Folgen wäre für den Bitkom ein Ja der Briten für den Verbleib in der EU das richtige Signal für ein "starkes digitales Europa". Schon heute hätten es europäische Digitalunternehmen und vor allem Mittelständler und Start-ups schwer, angesichts von mehr als zwei Dutzend verschiedener nationaler Gesetzgebungen auf Augenhöhe mit ihren Mitbewerbern aus den USA oder China zu bleiben. "Wir brauchen einen echten europäischen Binnenmarkt. Gerade die Digitalbranche kann und muss den nationalen Fliehkräften etwas entgegensetzen", so Rohleders Plädoyer.
Am 23. Juni stimmen die Briten über den Brexit und damit über einen möglichen Austritt aus der EU ab. Auch für den (Online-)Handel und das Import- und Export-Geschäft wäre ein Exit problematisch.



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