Container aus dem Netz 04.06.2019, 08:09 Uhr

So digitalisiert Curanto.de das Entsorger-Business

Curanto.de digitalisiert das Entsorger-Business. Von Hamburg bis zum Bodensee können Kunden Abfallcontainer überregional ordern, 24-Stunden-Lieferung inklusive.
(Quelle: shutterstock.com/Pavel D )
Wer einen Abfallcontainer für Bauschutt oder Grünschnitt braucht, griff in der Vergangenheit zum Telefon, um einen der örtlichen Entsorger mit der Aufstellung zu beauftragen. Inzwischen wird auch dieser Geschäftsbereich zunehmend digitalisiert.
Als die Entsorgungsgesellschaft Niederrhein (EGN) feststellte, dass immer mehr der Aufträge, die von ihr gefahren wurden, über Online-Plattformen wie Containerdienst.de vermittelt wurden, kam die Angst auf, irgendwann nicht mehr Herr über die eigenen Aufträge zu sein. Also beschloss der Entsorger für das Jahr 2016/17, unter Curanto.de eine eigene Online-Plattform zu entwickeln, über die Kunden bundesweit Container ordern können.
Von Beginn an legte das Team den Fokus darauf, den Kunden die Bestellung eines Containers so einfach wie möglich zu ­machen. Und als mit Sven Wähnke ein ­E-Commerce-Profi mit 20 Jahren Erfahrung an Bord kam, rückte das Thema Customer Experience noch weiter in den Fokus.
So war eines der ersten Features, das entwickelt wurde, ein Abfallberater, der die Kunden dabei unterstützt, den für sie passenden Container zu finden. Um die Usability im Shop zu verbessern, wurden Kollegen über Eyetracking-Tools bei der Shop-Nutzung beobachtet. Es wurden A/B-Tests aufgesetzt und Kunden, die ­bestellt hatten, telefonisch um Feedback gebeten. Schlussendlich ist Wähnke auch ein echter Fan des Trackingsystems Hotjar. "Ich schaue mir viele Videos an, um das Nutzerverhalten zu studieren und zu ­beobachten, wie sich ein Kunde mit dem Computer oder dem Smartphone über ­unsere Seite bewegt", sagt er.

Automatisierung im Fokus

All das fließt seit rund einem Dreivierteljahr in die Shop-Optimierung ein - doch Wähnke ist noch immer nicht zufrieden. Er will die telefonische Bestellaufnahme für kleinere Handwerker und ältere Kunden besser integrieren. Außerdem werden Kundenkontos erstellt, über die Handwerker Nachweise zur Entsorgung downloaden oder per Mausklick den nächsten Container ordern können. Das erleichtert nicht nur den Kunden das Leben, sondern auch der EGN, da viele manuelle Schritte automatisiert werden.
Eine weitere Baustelle von Wähnke ist das Suchmaschinenmarketing. Der Markt ist umkämpft, die CPCs für die besten Plätze bei Google liegen in Großstädten bei bis zu drei Euro. "Mit Margen im kleinen zweistelligen Bereich müssen wir ­viele Container verkaufen, damit sich das lohnt", weiß der E-Commerce-Experte. Seine Lösung heißt "AX Semantix", ein Tool, das nach einer kleinen Lernphase Texte selbst schreiben kann. Das will Wähnke jetzt nutzen, um für 6.500 Orte in Deutschland 6.500 SEO-Texte inklusive Bild und interner Verlinkung schreiben zu lassen. "Die SEA-Budgets, die Mitbewerber pro Monat investieren, habe ich so nicht", sagt Wähnke, "aber mit netten Tools wie diesem kann man im SEO ganz schnell viel erledigen."
Mit 10.000 bis 15.000 Containern pro Jahr ist Curanto für die EGN noch ein kleiner Fisch. Die Investitionen sollen sich aber bis 2022 rechnen.



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