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Thema des Tages Galeria will sich auf defizitäres Kaufhausgeschäft konzentrieren

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Galeria will sich neu ausrichten und umstrukturieren. Zu wenig, nicht innovativ genug und vor allem an der Onlinekundschaft vorbei, kommentiert IW-Redakteur Jochen G. Fuchs resigniert.

Dem Fachmedium FashionUnited wurde ein Brief der Galeria-Geschäftsführung an die Mitarbeitenden zugespielt, in dem die Strategie für die weitere Zukunft der Warenhauskette erläutert wird. Galeria will Tochterunternehmen abstoßen, umstrukturieren und mehr Ertrag mit Retail Media machen.

Galeria wirft profitable Töchter raus

Galeria verkauft Unternehmen, die nach Meinung des Managements nicht zum Kerngeschäft passen. Hood Media wird gehen, der Betreiber des Marktplatz-Urgesteins Hood.de. Das Unternehmen hatte 2022 mit einem  Gewinnvortrag von rund 3,8 Millionen Euro und einen Jahresüberschuss von 1,1 Millionen insgesamt knapp 5 Millionen Euro erwirtschaftet.

Außerdem wird der belgische Einzelhändler Inno abgestoßen, der im vergangenen Jahr 10 Millionen EBITDA erzielt hatte und laut CEO Armin Devender auch in diesem Jahr in der Gewinnzone liegen soll.

Die Beteiligungen an Gastro- und Lebensmittelgesellschaften bleiben im Unternehmen und sollen ergänzt werden.

Mit Retail Media und Tourist:innen in die Gewinnzone

Galeria hat nach eigenen Angaben viele Mieten reduziert und denkt, dass 2024 "nahezu alle" Kaufhäuser wieder schwarze Zahlen schreiben werden.

FashionUnited schreibt, dass Galeria stärker auf die regionalen Strukturen setzt, die Rolle der Filialgeschäftsführenden sei dabei “erheblich gestärkt” worden. Das soll lokale Impulse an den Einkauf abgeben. Und erstmals sollen die Warenhäuser die Planung für ihre mittelfristige wirtschaftliche Entwicklung selbst übernehmen.

Mehr Umsatz und Ertrag soll zukünftig der strategische Bereich Retail Media liefern und der Konzern möchte das Geschäft mit in Deutschland reisenden Touristen beleben. 

Im Brief preist die Geschäftsleitung außerdem das geplante Programm fürs diesjährige Weihnachtsgeschäft

Wird das was?

Nein, langfristig wird das nichts. Das ist alles zu wenig, zu wenig Innovation, zu wenig Änderung auf der Fläche, zu engstirnige Digitalstrategien, die offensichtlich an der fähigen Digitalmannschaft vorbei von oben herab diktiert werden.

Die Vision fehlt

In vielen Warenhäusern ist zwar viel sinnvoll modernisiert worden, alles sieht optisch schöner aus und Sortimentsbereinigungen wurden durchgeführt - aber mein Gefühl beim Durchwandern der verschiedenen Warenhäuser ist dasselbe wie vor zwanzig Jahren. Die große Vision für das Kaufhaus des 22. Jahrhunderts, sie fehlt, ist für mich nicht sichtbar.

Die Marketingstrategie ist unverständlich

Ich glaube nicht an das angepriesene Programm fürs Weihnachtsgeschäft. Angesichts einer bisherigen Marketingstrategie, die gefühlt nur aus einer Flut von Aktionen mit Ertrag vernichtenden Gutscheincoupons bestand, die auf jede greifbare Kassenzettelrückseite gedruckt wurden. Und die Werbeflyer mit unsäglichen und unverständlich verlinkten Blätterkatalogen, die von absurden Bestell- oder Einkaufswegs-Hieroglyphen aus dem Versandhandelszeitalter übersät sind, lassen den Plan mit “Kommunikationsmöglichkeiten von Schaufenstern über Gebäude bis hin zu Social Media” Geld zu verdienen, wie Hohn erscheinen.

Die Umstrukturierungen sind überfällig, nicht innovativ

Dass Filialen zentral unterstützt werden und dezentral agieren, das Prinzip verfolgt Media Markt Saturn schon seit Jahrzehnten. Das ist eine bestenfalls längst überfällige Entwicklung. 


Die Digitalstrategie ist abstrus

Das Schlimmste ist weiterhin die absolute Ignoranz gegenüber den Einkaufsgewohnheiten der durch Amazon geprägten Generationen. Chef Olivier van den Bossche, der sich einbildet, die Kundschaft würde für im Shop zum Versand nicht erhältliche Artikel in eine Filiale laufen.

Ich habe versucht, ein Kleidungsstück bei Galeria zu erwerben. Versenden ging nicht, die Aktionsware ist nur in der Filiale erhältlich. Leider dort aber nicht auf Lager, wie ich feststellen durfte. Kein Problem! Die Website zeigt mir hilfsbereit an, dass ich das Produkt noch in Kassel, München und Hannover bekommen kann. Nichts wie los!

Ich hätte da noch eine Idee für eine Erweiterung des Tourismusgeschäfts, liebe Galeria-Geschäftsführung: Vergünstigte Bahntickets. Damit eure Kundschaft von Filiale zu Filiale den ausschließlich stationär erhältlichen Aktionsartikeln hinterherreisen kann.

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