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Investment

Frisches Kapital in der Krise 4 Tipps für eine kurzfristige Finanzierung von E-Commerce-Start-ups

shutterstock.com/Ksw Photographer
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Start-ups im E-Commerce, die wachsen wollen, haben es aktuell schwer, das nötige Kleingeld für die Umsetzung ihrer Pläne zu finden. Wie das Finanzierungsumfeld für E-Commerce-Start-ups aktuell aussieht und welche Finanzierungsmöglichkeiten es trotz Krise gibt.

Von Nima Karimi, Mitgründer und CEO von Silvr
 
Der E-Commerce-Sektor entwickelt sich rasant, die Zahl der Neugründungen hat sich in den letzten zehn Jahren verzehnfacht. Doch die Rezession hinterlässt auch in diesem blühenden Wirtschaftszweig ihre Spuren: Viele Start-ups im Internet- und Versandhandel kämpfen damit, kurzfristige Finanzierungen zu erhalten. Steigende Zinsen, sinkende Bewertungen und zurückhaltende Investoren machen es der deutschen Start-up-Welt schwer, an frisches Kapital zu kommen. Laut dem EY Start-up Barometer standen den Start-ups aus dem E-Commerce-Sektor im Jahr 2022 rund 83 Prozent weniger Kapital zur Verfügung als noch im Vorjahr.
 
Dabei ist gerade jetzt der Zeitpunkt, in dem sich die Spreu vom Weizen trennen kann. Krisenzeiten sind auch immer die Zeit, in der sich gesunde Unternehmen behaupten und der strauchelnde Wettbewerb zurückbleibt. E-Commerce-Start-ups, die jetzt investieren, können an der Konkurrenz vorbeiziehen. Doch egal, ob durchdachte Marketing-Kampagne oder Expansionspläne, es braucht Kapital, um Wachstum fortzusetzen. Doch das ist nur schwer zu bekommen.
 
Neben den Investor:innen und Business Angels sind auch die klassischen Geldgeber aktuell zurückhaltend. Ein Teil des Problems ist, dass die Bedürfnisse der Banken oft nicht mit denen der digitalen Gründer übereinstimmen. In einer unsicheren Wirtschaftslage stehen bei Banken alle Zeichen auf Sicherheit, Kredite an Start-ups werden durch die regulatorischen Auflagen nur noch limitiert vergeben. Schnell mal eine Social-Media-Kampagne auf TikTok finanzieren? Oder ein Nachhaltigkeitsprojekt für eine umweltfreundlichere Lieferkette? Da kann die Bankberaterin nur vehement den Kopf schütteln. Wie also kommt ein Start-up an frisches Geld? Welche Finanzierungsmöglichkeiten stehen noch zur Verfügung, um weiterhin im E-Commerce-Bereich wachsen zu können?

Alternative Finanzierung für E-Commerce-Start-ups

Es lohnt sich für alle Gründer, sich neben dem klassischen Bankkredit auch nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten umzuschauen:

  • Crowdfunding: Crowdfunding ist eine Möglichkeit, um schnell an Kapital zu kommen. Dabei stellen Investoren oder Fans des Produkts Geld zur Verfügung, um das Start-up zu unterstützen. Im Gegenzug erhalten sie eine Gegenleistung in Form eines Produkts oder einer Dienstleistung. Crowdfunding-Plattformen wie Kickstarter oder Indiegogo haben schon einige erfolgreiche E-Commerce-Start-ups bei ihrer Finanzierung unterstützt.

  • Factoring: Eine Finanzierungsoption, bei der ein Unternehmen seine Forderungen an einen Factoring-Anbieter verkauft. Der Factoring-Anbieter übernimmt das Inkasso und zahlt dem Start-up einen Teil des Wertes der Forderungen im Voraus. Diese Möglichkeit kann für E-Commerce-Start-ups besonders interessant sein, da sie oft viele offene Rechnungen haben. Factoring ist jedoch nicht günstig und sollte nur als kurzfristige Lösung in Betracht gezogen werden.

  • Leasing: Eine weitere Finanzierungsmöglichkeit ist das Leasing. Im Rahmen eines Leasingvertrags zahlt das Start-up eine monatliche Miete, um ein Produkt oder eine Ausrüstung zu mieten, anstatt sie zu kaufen. Leasing kann für E-Commerce-Start-ups besonders vorteilhaft sein, da es ihnen ermöglicht, ihre Liquidität zu erhalten und Kapitalausgaben zu minimieren.

  • Neolending: Ein neues Finanzierungsmodell, das sich vor allem an moderne Digitalunternehmen richtet und auf Daten basiert. Das Modell ist einfach erklärt: Der Neolender verbindet sich mit möglichst vielen Quellen für Umsatzdaten des Shops und schätzt anhand dieser das Ausfallrisiko eines Kredits ein. Wenn das Start-up gesund aussieht, in den letzten sechs Monaten gewachsen ist und weiteres Wachstum verspricht, vermittelt der Neolender einen Kredit. Zwar müssen Daten dem Neolender zur Verfügung gestellt werden, die Tilgung ist dafür transparent, die Kreditbedingungen flexibel und die Finanzierungsquellen des Start-ups werden diversifiziert. Außerdem müssen Gründer bei Neolending weniger Kompromisse eingehen, da der Kredit unbesichert ist und kein Eigenkapital als Gegenwert verlangt, sondern nur eine Pauschalgebühr.

Neolending, Factoring oder Leasing bieten Start-ups schnelle und kosteneffiziente Optionen, Kapital zu beschaffen und das Geschäft auszubauen. Besonders in Krisenzeiten können sie den nötigen Boost geben, um gegen den Trend zu wachsen. Die kurzfristige Finanzierung ist und bleibt eine Herausforderung für E-Commerce-Start-ups und das wird sich im kommenden Jahr wahrscheinlich nicht ändern. Doch wer bereit ist, innovative Wege zu gehen und abseits des klassischen Bankkredits zu schauen, wird auch in schwierigen Zeiten Finanzierungsmöglichkeiten finden, um mit einem gesunden E-Commerce-Geschäft den nächsten Schritt Richtung Zukunft zu gehen.

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