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Nachwuchskräfte Großes Interesse an der E-Commerce-Ausbildung

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Online-Shops aufbauen, Kennzahlen analysieren, Marketingmaßnahmen entwickeln: Das lernen Berufsanfänger, die sich für eine Ausbildung zum Kaufmann im E-Commerce entscheiden. Der Beruf kommt gut an, zeigt eine Recherche von Internet World.

Die erste Transaktion in einem Onlineshop liegt fast drei Jahrzehnte zurück. Doch erst seit dem Berufsschuljahr 2018/2019 gibt es die Ausbildung „Kaufmann/Kauffrau im E-Commerce“. Inzwischen haben die ersten Jahrgänge erfolgreich die Prüfungen abgelegt und das Handwerkszeug für den digitalen Handel gelernt.
 
Seit Einführung des Berufs stieg die Zahl der Ausbildungsverträge kontinuierlich an. Das Bundesinstitut für Berufsbildung hat Zahlen dazu: Im Startjahr 2018 entschieden sich knapp 1.300 Auszubildende für den neuen Beruf. 2019 lag die Zahl schon bei knapp 1.600.
 
2020 wurden 1.485 Lehrverträge für Kaufleute im E-Commerce geschlossen und 2021 wählten 1.887 Berufsanfänger diese Ausbildung. 2022 pendelte sich die Zahl laut dem „Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2023“, herausgegeben vom Bundesinstitut für Berufsbildung, bei 1.800 ein.

Die duale Ausbildung dauert drei Jahre und kombiniert die theoretische Wissensvermittlung mit dem praktischen Lernen in einem Unternehmen. Sie ist branchenunabhängig, denn der digitale Handel ist für jeden Industriezweig relevant. Das zeigt ein Blick auf die Unternehmen, die eine Ausbildung zu Kaufleuten im E-Commerce anbieten. So listet die Webseite Jobboerse.de zum Beispiel Ausschreibungen der BMW Group, von Netto digital, des Fotoservice Cewe und von viele andere Unternehmen auf.

Wie breit das Spektrum der Unternehmen ist, die gut ausgebildete Fachkräfte für den digitalen Handel brauchen, zeigt auch eine Mitteilung des Berufsbildungswerks in Neuwied. Im Juli 2023 schloss dort der erste Jahrgang für Kaufleute im E-Commerce die Ausbildung ab. Die Berufseinsteiger haben auch schon einen Arbeitsvertrag für ihren ersten Vollzeitjob in der Tasche. Nun arbeiten sie beispielsweise bei einer Fahrrad-Manufaktur, in einer Werbeagentur oder bei einem Softwareunternehmen.  

E-Commerce-Prozesse lernen 

Kilian Stapf ist im dritten Lehrjahr der Ausbildung zum E-Commerce-Kaufmann. Den praktischen Teil absolviert er in seinem Ausbildungsbetrieb, der dc AG. Die dc AG ist eine auf mittelständische Unternehmen spezialisierte Digitalagentur in Kulmbach. Die theoretischen Inhalte lernt er an der Staatlichen Berufsschule in Lichtenfels.

Kilian Stapf ist im dritten Lehrjahr der Ausbildung zum E-Commerce-Kaufmann.

Jobboerse.de

 
„Mir gefällt es sehr, mich in die Unternehmensprozesse unserer Kund:innen hineinzuversetzen und gezielte Marketingstrategien für die Online-Shops zu entwickeln“, berichtet er aus seinem Alltag. Außerdem macht ihm das Shop-Projekt in der Berufsschule sehr viel Spaß. „Hier kann ich selbstständig einen Online-Shop mit dem Shopsystem von Shopify aufbauen und die theoretischen Lerninhalte direkt in die Praxis umsetzen“, erzählt er. Auch wenn er einige Lerninhalte zu allgemein oder teilweise auch als veraltet empfindet, ist er insgesamt zufrieden und fühlt sich auf eine verantwortungsvolle Position im E-Commerce gut vorbereitet. 

Mit dem Fachwirt E-Commerce die Karriere vorantreiben 

Simon Grupe, Ausbildungsexperte bei der Deutschen Industrie- und Handelskammer, rechnet in den nächsten Jahren mit einer steigenden Nachfrage – sowohl auf Seiten der Unternehmen als auch auf Seiten der Jugendlichen. Unternehmen können sich mit der Ausbildung Fachkräfte sichern und junge Menschen können schon früh Verantwortung in eigenen E-Commerce-Projekten übernehmen.
 
Grupe weist darauf hin, dass der Karrierepfad nach der Erstausbildung mit dem 2020 eingeführten „Geprüften Fachwirt im E-Commerce“ ausgebaut werden kann. Jeder, der eine staatlich anerkannte Berufsausbildung in einem kaufmännisch-verwaltenden Beruf abgeschlossen hat, kann zur Prüfung zum Fachwirt/zur Fachwirtin im E-Commerce zugelassen werden. Je nach Ausbildungsberuf ist eine ein- oder zweijährige einschlägige Berufspraxis erforderlich. Bewerberinnen und Bewerber ohne staatlich anerkannten Berufsabschluss können mit fünfjähriger einschlägiger Berufspraxis ebenfalls zur Prüfung zugelassen werden.
 
Im schriftlichen Prüfungsteil der Fortbildung müssen zwei Aufgabenstellungen auf Grundlage der Beschreibung einer betrieblichen Situation gelöst werden. Wissen in diesen Bereichen wird getestet. 

  • Entwickeln von Strategien für den E-Commerce,
  • Gestalten von Prozessen im E-Commerce,
  • Analysieren und Weiterentwickeln von Prozessen im E-Commerce,
  • Sicherstellen der Kommunikation und Zusammenarbeit mit internen und externen Partnern,
  • Führen von internen und externen Partnern

 Der mündliche Prüfungsteil besteht aus einer Präsentation und einem Fachgespräch, in dem die Fähigkeit nachgewiesen werden muss, Probleme der betrieblichen Praxis zu analysieren, Lösungsmöglichkeiten zu bewerten und Umsetzungsvorschläge zu unterbreiten. 

IHK, Bevh und HDE informieren über Aus- und Weiterbildung

Auf dem Weiterbildungsinformationssystem der IHK unter https://wis.ihk.de/ listet die Organisation Anbieter für diese Weiterbildung auf. Der Handelsverband Deutschland (HDE) und der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (Bevh) informieren auf ihren Webseiten über die Ausbildung zum Kaufmann/Kauffrau im E-Commerce.
 
Die Ausbildung dürfte krisensicher sein, auch wenn aktuell die Umsätze im B2C-Handel stagnieren oder sogar zurückgehen. Denn zu wissen, wie ein Online-Shop betrieben wird, wie dessen Kennzahlen zu interpretieren sind oder wie eine digitale Marketing-Kampagne entwickelt wird, sind gefragte Fähigkeiten – unabhängig von der konjunkturellen Entwicklung.

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