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Virtueller Markt

Vom stationären zum Online-Handel Pandemie-Auswirkung: 4 von 10 Konsumenten haben ihr Einkaufsverhalten geändert

Shutterstock/EPStudio20
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Die Corona-Pandemie hat einen Online-Boom ausgelöst. Wie viel davon dauerhaft übrig bleiben wird, verrät eine neue Studie der Marktforscher von YouGov für die Softwareplattform Stripe. Die Studie zeigt aber auch: Die Wünsche der Kunden sind kompliziert.

Für eine globale Studie im Auftrag des Software-Technologieanbieters Stripe bat YouGov tausende von Konsumenten in verschiedenen Ländern weltweit um ihre Meinung. Allein in Deutschland wurden 2.157 Menschen zu ihrer Wahrnehmung der Rolle von Online- und stationärem Einzelhandels befragt. Da die Befragung online stattfand, darf davon ausgegangen werden, dass Internet-Muffel nicht erfasst wurden - was die Ergebnisse etwas verzerrt.

42 Prozent der befragten deutschen Konsumenten haben seit dem Beginn der Corona-Pandemie mehr online eingekauft als davor und gaben an, dass sie ihren Bedarf inzwischen weitgehend online decken würden. Damit liegt Deutschland im europäischen Mittelfeld. In Frankreich sagten dies nur 36 Prozent der Befragten, in Großbritannien 46 Prozent.

Doch nicht alle Deutschen wollen die Sondersituation zum Normalzustand werden lassen, nur 22 Prozent wollen dieses Einkaufsverhalten auch nach der Pandemie beibehalten. Die anderen 20 Prozent, so schreiben die Studienautoren, hätten ihr Online-Einkaufsverhalten inzwischen wieder reduziert, würden aber immer noch mehrheitlich online kaufen.

Das Ausprobieren vor Ort ist wichtig

Die Studie zeigt unterschiedliche Motivationen für die Entscheidung, online oder im Laden zu kaufen. So gab jeder zweite Befragte (48 Prozent) an, er würde lieber stationär kaufen, um den lokalen Einzelhandel zu unterstützen. Noch wichtiger (58 Prozent) ist allerdings die Möglichkeit, Waren vor dem Kauf in die Hand nehmen und begutachten zu können. Für 42 Prozent ist es wichtig, die Ware sofort mitnehmen zu können.

Zu den größten Ärgernissen beim Online-Kauf zählen mit 54 Prozent der Nennungen die Lieferkosten, gefolgt von Wartezeiten bis zur Lieferung (44 Prozent). Immerhin jeder vierte Konsument (27 Prozent) ärgert sich über langwierige Registrierungsprozesse.

Dafür kann Online punkten, wenn es um das Bezahlen geht. Nur 15 Prozent finden das Bezahlen im Laden angenehmer als im Online-Store. Mit 54 Prozent der Nennungen schneidet der Komfort des Online-Kaufs gut ab, gefolgt von den guten Vergleichsmöglichkeiten im Netz (40 Prozent). Und wenn schon online kaufen, dann gleich auf einem Marktplatz. 61 Prozent der Deutschen erledigen am liebsten alle ihre Einkäufe auf einer Website, bei den Franzosen etwa ist diese Vorliebe weniger stark ausgeprägt.

Deutsche kaufen pragmatisch

Dafür ist die Treue zu bestimmten Marken im Vergleich zu anderen europäischen Ländern weniger eng mit Werten verknüpft. 47 Prozent geben an, dass sie sich bestimmten Marken gegenüber loyaler fühlen, wenn sie deren Werte verstehen und das Gefühl haben, dass sie mit den eigenen übereinstimmen. In Frankreich sind 68 Prozent der Erwachsenen dieser Meinung. 

Nicht jedes Geschäftsmodell, das während des Lockdowns als Rettungsanker für den stationären Handel gepriesen wurde, hat sich auch als erfolgreich erwiesen. So gaben nur vier Prozent der Befragten an, während der Krise von Click & Collect Gebrauch gemacht und online bestellte Waren in der Filiale abgehoben zu haben. Auch Abo-Modellen für Dinge des täglichen Gebrauchs wie Kosmetika stehen die Deutschen überwiegend ablehnend gegenüber, nur 15 Prozent sind offen dafür. Bei den Jüngeren sind es allerdings deutlich mehr, rund 25 Prozent würden solchen Angeboten eine Chance geben.

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