INTERNET WORLD Business Logo Abo
Digitaler Handel 18.04.2016
Preisschild
Digitaler Handel 18.04.2016

Preisänderungen mehrmals pro Stunde

Bei diesen Produkten spielen im Online-Handel die Preise verrückt

Der Online-Handel und das Spiel mit den Preisen

fotolia.com/Daniel Ernst

Der Online-Handel und das Spiel mit den Preisen

fotolia.com/Daniel Ernst

Online-Händler passen in immer kürzeren Intervallen ihre Preise der aktuellen Marktsituation an. Für welche Produkte das besonders gilt und welche Artikel vom Preiskampf ausgenommen sind, zeigen aktuelle Zahlen.

Von Markus Siek

Für 80 Prozent aller Online-Kunden ist laut Statista der Preis ein wichtiges Kriterium bei der Kaufentscheidung. 48 Prozent führen vor ihrem Kauf noch einen Online-Vergleich von Produkten, Preisen und Features durch. Kein Wunder also, dass Online-Händler in immer kürzeren Intervallen ihre Preise der aktuellen Marktsituation anpassen. Für welche Produkte das besonders gilt und welche Artikel vom Preiskampf faktisch ausgenommen sind, zeigen aktuelle Zahlen aus der Marktpreisanalyse von Channel Pilot.

Egal, ob Idealo.de, Amazon Marketplace oder eBay: Für viele Online-Händler spielen Online-Marktplätze und Preissuchmaschinen eine wichtige Rolle bei der Neukundengewinnung. Die Reichweite dieser Portale ist groß - allerdings auch die Zahl der konkurrierenden Händler. Umsätze können meist nur die Anbieter erzielen, die die gewünschte Ware sofort verfügbar haben und zum Bestpreis verkaufen. Das führt dazu, dass Händler ihre Preise ständig an die aktuelle Marktsituation anpassen müssen, um bei den Preisen wettbewerbsfähig zu bleiben, aber auch um nicht durch zu niedrige Verkaufspreise unnötig Marge zu verschenken.

Eine Million Preisänderungen pro Tag

Welche Auswüchse diese Preisanpassungen inzwischen angenommen haben, zeigen aktuelle Zahlen von Channel Pilot, die INTERNET WORLD Business exklusiv vorliegen. Channel Pilot untersucht in seiner Marktplatzanalyse die aktuellen Produktpreise auf über 2.000 Online-Vertriebskanälen.

Dabei wurde für unsere Auswertung ermittelt, dass bei den folgenden Produktkategorien die größte Preiszirkulation herrscht:

  • Smartphones
  • Notebooks
  • Tablets
  • PC-Komponenten
  • Computer-Zubehör
Auf das komplette Sortiment in diesen Kategorien bezogen, kommt es zu einer Million Preisänderungen - pro Tag!

Schlüsselt man die Daten von Channelpilot danach auf, welche Produkte den größten Preisschwankungen unterworfen sind, ergibt sich die folgende Top 6:

  1. Huawei P8
  2. Samsung Galaxy J5
  3. Lenovo IdeaPad
  4. Samsung Galaxy Tab
  5. Benq 24 Zoll Monitor
  6. Logitech Maus

Bei diesen Produkten wie auch bei vielen anderen der aufgeführten Produktkategorien, werden mehrmals pro Stunde Preisänderungen dokumentiert.

Heimelektronikhändler werden im Internet also kaum drum herum kommen, mit Repricing-Tools zu arbeiten und ihre Preise anzupassen, wenn sie über externe Online-Vertriebskanäle Umsatz generieren wollen.

Bei diesen Produkten sind die Preise stabil

Doch nicht in allen Produktkategorien findet solch ein intensiver Preiskampf statt wie im Heimelektronikbereich. So zeigen die Daten der Marktpreisanalyse, dass bei den folgenden Produktkategorien nur sehr selten Preisanpassungen verzeichnet werden:

  • Bücher
  • Autoteile
  • Outdoor
  • Brillen
  • Möbel

Dass Bücher zu dieser Liste der preisstabilen Produkte gehören, überrascht natürlich nicht. Schließlich haben die Händler aufgrund der Buchpreisbindung gar nicht die Möglichkeit, eine aggressive Preispolitik zu betreiben. Auch Möbel stellen einen Sonderfall dar, denn hier setzen die meisten Anbieter auf Eigenmarken, wodurch sie mit anderen Möbelhändlern nicht im direkten Wettbewerb stehen. Anders sieht es hingegen bei Outdoor-Produkten und Brillen aus. Hier herrscht keine Preisbindung und auch der Anteil exklusiver Eigenmarken dürfte nicht ungewöhnlich hoch sein. Trotzdem sind die Preise hier sehr stabil. Bei einer Brille beispielsweise werden nur einmal alle zwei Wochen die Preise geändert. Hier scheint der Wettbewerb im Online-Handel also noch unterdurchschnittlich ausgeprägt zu sein.

Händler passen Preise um 10 und 16 Uhr an

Wenig überraschend ist es im Übrigen, dass die größte Preiszirkulation bei Amazon und eBay herrscht. Das sind schlichtweg mit großem Abstand die beiden wichtigen Marktplätze im E-Commerce. Pro Tag werden bei beiden Anbietern mehrere Millionen Preisänderungen verzeichnet.

Die meisten Preisänderungen registriert die Marktpreisanalyse von Channel Pilot in den Monaten November und Dezember. Hier ist die Nachfrage aufgrund des Weihnachtsgeschäfts traditionell besonders hoch.
Ein interessantes Detail zeigt sich auch in der Tatsache, wann die Preise im Tagesverlauf besonders häufig angepasst werden. So werden jeweils um 10 Uhr und um 16 Uhr Peaks gemessen - hier scheinen offenbar viele Repricing-Tools automatisiert Preisanpassungen vorzunehmen.

Auch für Internetkäufer halten die Analyse-Daten eine nützliche Information bereit. Wer online ein Schnäppchen machen will, sollte nämlich möglichst um 18 Uhr shoppen. Um diese Zeit sind die Preise im Tagesvergleich im Schnitt am günstigsten.

Das könnte Sie auch interessieren