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Berliner Start-up Auctionata Paddle8 hat vorläufige Insolvenz angemeldet

shutterstock.com/Maxx-Studio
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Das einst hochgehandelte Berliner Start-up Auctionata steht tatsächlich vor dem Aus: Nach einer gescheiterten Finanzierungsrunde muss das Online-Auktionshaus vorläufige Insolvenz beantragen.

Eigentlich hätte es der Befreiungsschlag für das in Schwierigkeiten geratene Online-Auktionshaus werden sollen, jetzt ist klar: An der Übernahme des US-amerikanischen Wettbewerbers Paddle8 im Mai 2016 hat sich Auctionata gründlich übernommen. Durch den Zusammenschluss werde das gemeinsame Unternehmen zum "globalen Marktführer für Online-Auktionen von Luxusobjekten und Kunst" hieß es damals in der Pressemeldung zur Übernahme. Jetzt trennen sich das junge Paar wieder. Für die Integration wäre eine "sehr aufwändige Finanzierung nötig gewesen", sagte Auctionata-Chef Thomas Hesse der Wirtschaftswoche. "Das wäre derzeit zu ambitioniert gewesen."

Stattdessen steht jetzt also ein Insolvenzverfahren ins Haus, weil Verhandlungen mit Investoren über eine dringend benötigte Finanzspritze scheiterten. Ziel des Verfahrens sei die Sanierung und Rekapitalisierung des Unternehmens, betonte Hesse.

Für dieses Ziel bekommt Insolvenzverwalter Christan Graf Brockdorff ordentlich zu tun. Neben der Trennung von Paddle8 und dem schon 2015 übernommenen britischen Wettbewerber ValueMyStuff (beide werden laut Auctionata bereits von neuen, internationalen Investoren-Gruppen unterstützt) muss er auch das Auctionata-Büro in den USA schließen. Stattdessen wolle sich das Unternehmen jetzt ganz auf den Standort in Berlin konzentrieren. Dort soll das Auktionsgeschäft trotz Insolvenz weiterlaufen.

Steiler Aufstieg, tiefer Fall

Das vorläufige Insolvenzverfahren ist der bisherige Tiefpunkt des langen Abstiegs von Auctionata. 2015 noch von der Branche als Online-Disruptor eines überalterten Marktes gefeiert, von den Investoren mit insgesamt  130 Millionen Euro an Venture Capital ausgestattet und als möglicher Börsen-Kandidat erachtet, begann 2016 die Krise.

Die Auctionata-Gründer Alexander und Susanne Zacke mussten nach Unregelmäßigkeiten in der Betriebsführung gehen. Zudem wurde dem Start-up vorgeworfen, es würde versteigerte Werke falsch bewerten, zu wenig wirklich hochkarätige Waren verkaufen und die meisten Auktionen ohne Zuschlag beenden. 2016 ging der Außenumsatz pro Auktion um über 60 Prozent zurück, im Dezember wurden die Mitarbeitergehälter nicht ausbezahlt.

Einen möglichen Ausweg aus der Krise scheint Auctionata in seiner Technologie zu finden: "Die Muttergesellschaft führt mehrere viel versprechende Investoren-Gespräche zur Rekapitalisierung, um die strategische Entwicklung von Auctionata weiterzufinanzieren und deren starke Technologie-Plattform in Zusammenarbeit mit professionellen Partnern und traditionellen Versteigerern weiterhin erfolgreich auszubauen", heißt es verklausuliert im offiziellen Statement. Das könnte durchaus als Schritt in Richtung White-Label-Lösung intepretiert werden.

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