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Nachhaltige Shops im Porträt Avocadostore: "Nachhaltige Produkte sind oft teurer, aber das ist auch gut so"

Shutterstock/Pasuwan
Shutterstock/Pasuwan

Umweltfreundliche Händler bekommen zunehmend Konkurrenz von konventionellen Anbietern, die sich dem Nachhaltigkeitstrend anschließen. Wir porträtieren ausgewählte Shops und zeigen, wie sie sich in der Masse behaupten. Ein Beispiel ist Avocadostore.

Avocadostore kein Onlineshop, sondern eine Plattform, die sich als Marktplatz versteht und auch Markenware anbietet. Das Unternehmen versucht, nachhaltige Firmen und Designer mit ihrer Zielgruppe zusammenzubringen. Die Mission des Shops sei es, "Kunden im Dschungel der Nachhaltigkeit Orientierung und Transparenz zu geben", sagt Geschäftsführerin Mimi Sewalski. Vor ein paar Jahren habe gerade die junge Zielgruppe aufgrund der höheren Preise keine nachhaltigen Produkte gekauft. Seitdem die "Fridays For Future"-Bewegung erfolgreich und präsent sei, fragten die Jungen jedoch nicht mehr danach, warum Bio so teuer sei. Nun würde der Wert fairer und ökologischer Produktion erkannt.

Im Interview erklärt Sewalski, wie sich Avocadostore von anderen Anbietern abgrenzt und warum Retouren gar nicht der größte Klimakiller sind.

Was ist Ihr Geschäftsmodell, wie sehr ist das Thema Nachhaltigkeit in Ihrer DNA verankert? Kurzum: Warum sehen Sie sich als nachhaltiger Shop?

Mimi Sewalski: Unsere Grundidee war es, eine Plattform, also einen Marktplatz statt Shop, zu bieten, auf der nachhaltige Start-ups, Brands, Designer und auch Ladengeschäfte einen einfachen und risikolosen Zugang zu einer nachhaltigen und digitalen Zielgruppe erhalten. Der Vorteil für Endverbraucher ist dabei, dass sie unter einer URL, avocadostore.de, eine große Vielfalt an nachhaltigen Produkten finden und direkt vergleichen können. Das gehört zu unserer Mission: Kundinnen für jedes herkömmliche Produkt eine nachhaltige Alternative zu bieten - und im Dschungel der Nachhaltigkeit Orientierung und Transparenz zu geben. Dies tun wir anhand unserer zehn Nachhaltigkeitskriterien, von denen alle Produkte bei uns mindestens einem entsprechen müssen. Nachhaltigkeit ist also die Basis unserer Geschäftsidee. Aus diesem Grund ist sie auch als DANN fest in unserer Firmenkultur verankert.



Können Sie Zahlen und Fakten zum Unternehmen und zum Shop nennen?


Sewalski: Momentan haben wir 70 Mitarbeitende bei einem Gross Merchandise Value  von knapp 70 Millionen Euro in 2021. Bei uns werden inzwischen fast 400.000 Produkte verschiedenster Kategorien angeboten, insgesamt geschieht das über 1.400 Anbieter. Dabei liegt unser Schwerpunkt auf der Kategorie Mode. Aber auch vegane Schuhe, Möbel aus Manufakturen, ökologisches Kinderspielzeug oder gesegelter Kaffee sind beliebte Artikel. Kurzum: Unser großes Sortiment hilft, einen nachhaltigeren Lebensstil zu führen. Das spiegelt uns auch die Community wieder. Unsere Followerschaft auf verschiedenen Kanälen wächst. Wichtig ist für uns insbesondere Instagram mit 110.000 Followerinnen und Pinterest mit 2,6 Millionen monatlichen Aufrufen.

"Die jüngere Zielgruppe inspiriert beim Thema Nachhaltigkeit die Eltern"

Wer ist Ihre Zielgruppe? Hat sich diese im Laufe der Zeit verändert?

Sewalski: Sie ist auf jeden Fall breiter geworden, sowohl was die gekauften Produkte angeht, als auch was das Alter unserer Kundinnen angeht. Früher lag ihr Fokus verstärkt auf Mode. Heute spielt das Thema Nachhaltigkeit in vielen ihrer Lebensbereichen eine Rolle spielt. Und auch beim Alter merken wir eine Veränderung: Noch vor ein paar Jahren haben gerade die unter 25-Jährigen eher nicht gekauft haben, weil faire Mode etwas teurer ist als herkömmliche Mode. Aber seit der Fridays For Future-Bewegung merken wir, dass die junge Zielgruppe nicht mehr danach fragt, warum Bio so teuer ist, sondern nun den Wert hinter fairer und ökologischer Produktion erkennt. Ihre Frage lautet jetzt: "Wie kann es sein, dass herkömmliche Produkt oft so billig sind?" Ein interessanter Nebeneffekt ist übrigens, dass die jüngere Zielgruppe beim Thema Nachhaltigkeit auch gerne die eigenen Eltern inspiriert - und wir auch in dieser Altersstufe ein Wachstum verzeichnen konnten.



Nachhaltigkeit ist vom Nischen-Thema zu einem Mainstream-Anliegen geworden, das inzwischen auch alle großen Shops bespielen. Welche "Berechtigung" hat Ihr Shop und Ihr Geschäftsmodell noch, wo der Kunde doch nachhaltige Produkte scheinbar überall bekommen kann?


Sewalski: Nicht nur das Thema Nachhaltigkeit ist im Mainstream angekommen, sondern auch das Thema Greenwashing. Denn viele Unternehmen nutzen Nachhaltigkeit eher als Marketingstunt als es ganzheitlich in ihr Geschäftsmodell zu integrieren. Beispielsweise bieten sie nur eine kleine nachhaltige Produktlinie an, die sie stark promoten, verkaufen aber weiterhin 90 Prozent konventionelle Ware. Kundinnen fehlt im Dschungel der Nachhaltigkeit Orientierung und Transparenz.

Avocadostore ist momentan der einzige Marktplatz mit so einer großen, ausschließlich nachhaltigen Produktvielfalt. Alles bei uns ist nachhaltig und man kann direkt zwischen Anbiete vergleichen. Darüber hinaus schaffen unsere Nachhaltigkeitskriterien weiter Transparenz. Sie sind eben keine leeren Worthülsen oder Icons neben dem Produkt, die Nachhaltigkeit suggerieren, sondern harte und nachvollziehbare Kriterien, die direkt beim Produkt nachzulesen sind. Dabei kann es sich um Rohstoffe aus Bioanbau, um die Herstellung aus recycelten oder ressourcenschonenden Materialien oder Produkte aus Kreislaufwirtschaft handeln. So wollen wir es schaffen, Kunden näherzubringen, was für sie Nachhaltigkeit bedeutet. Sie können dann selbst beim Kauf entscheiden, welches nachhaltige Produktkriterium für sie am wichtigsten ist. Auch ist es möglich, direkt am Produkt zu kommentieren, Feedback zu geben oder bei Fragen die Anbieterinnen zu kontaktieren.

Sewalski

Avocadostore/Florian Gobetz

Mimi Sewalski, Avocadostore

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