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Kampf der Super-Apps Lieferando bietet Lebensmittel-Lieferungen an

shutterstock.com/Ralf Liebhold
shutterstock.com/Ralf Liebhold

Der Kampf der Super-Apps spitzt sich zu: Anwendungen wie Delivery Hero und Foodpanda wollen Lieferando Konkurrenz machen - diese indes greifen selbst an, und zwar die Lebensmittel-Lieferanten: Geplant sind Supermarkt-Lieferungen von innerhalb einer halben Stunde.

Wer sich in den vergangenen Jahren hierzulande Gerichte nach Hause bestellen wollte, hatte im Grunde zwei Möglichkeiten: Traditionell konnten Hungrige zum Telefonhörer greifen oder sich online auf der Plattform Lieferando.de durch eine Vielzahl an Restaurants in der Umgebung klicken. Neuerdings drängen aber viele kleinere Unternehmen auf den Markt um Essenslieferungen - und nun bahnt sich in Deutschland eine Rivalität sogenannter "Super-Apps" an, mit denen nicht nur Essen nach Hause bestellt werden kann.

Rund zwei Jahre nach dem Verkauf seines Deutschland-Geschäfts will der Online-Lieferdienst Delivery Hero mit der Marke Foodpanda hierzulande wieder Fuß fassen. Ab August wolle der Dax-Konzern unter der Marke Foodpanda sowohl Essensauslieferungen als auch die zeitnahe Zustellung von Alltagsgegenständen anbieten, teilte Delivery Hero am Mittwoch in Berlin mit. Doch der alte Konkurrent Just Eat Takeaway, zu dem Lieferando gehört, will sich die Butter nicht vom Brot nehmen lassen. Beide wollen mit Apps sowohl Essenslieferungen als auch Lieferungen von Alltagsgegenständen - der sogenannte Quick Commerce oder kurz Q-Commerce - abdecken.

Essen und Alltagsgegenstände

"Wir haben immer ein Auge auf Deutschland gehabt und sehen enorme Möglichkeiten, das Kundenerlebnis zu verbessern", sagte Foodpanda-Chef Artur Schreiber. Bereits im Juni solle eine Beta-Phase anlaufen. Der Markt für Lieferungen in Deutschland befinde sich noch im frühen Stadium, argumentierte Delivery-Hero-Chef Niklas Östberg. "Wir schaffen beispielsweise in Taiwan mehr als doppelt so viele Bestellungen wie die gesamte Konkurrenz zusammen. Und in Taiwan leben 20 Millionen Menschen, in Deutschland 80 Millionen."

Foodpanda ist bislang vor allem im asiatischen Raum stark vertreten. Neben Singapur, Malaysia und Thailand kam im Herbst noch Japan hinzu. Das Unternehmen liefert nicht nur Essen, sondern will auch Alltagsgegenstände binnen weniger Minuten von lokalen Geschäften direkt zum Kunden liefern. Alle Dienstleistungen sollen in einer App kombiniert angezeigt werden.

Nach dem Start in Berlin will Foodpanda auch in weiteren deutschen Städten seinen Service anbieten. Details nannte das Unternehmen auch auf Nachfrage nicht. Neben dem finnischen Start-up Wolt, das mittlerweile in Berlin, Frankfurt und München aktiv ist, startete zuletzt auch der Taxi-Konkurrent Uber sein Essenslieferangebot Uber Eats in Berlin. Im Bereich Q-Commerce tritt Delivery Hero unterdessen gegen andere Fahrradkuriere wie Flink und Gorillas an, die eine Zustellung innerhalb von zehn Minuten versprechen.

Essen und Produkte in sieben Minuten

Diesen Wert wollen die Berliner unterbieten: Essen und Produkte sollen in sieben Minuten beim Kunden sein. Damit das klappt, will Delivery Hero auch kleinere Lagerhäuser in den Innenstädten, sogenannte Dmarts, in Betrieb nehmen. Weltweit zählte der Konzern in den ersten drei Monaten des Jahres 600 solcher Geschäfte. Außerdem plant der Dax-Konzern den Start von sogenannten Cloud Kitchens - also Restaurants, die ausschließlich Gerichte für Lieferungen oder zum Abholen kochen.

Anlegern schmeckte die Ankündigung gar nicht. Die Delivery-Hero-Aktie sackte gegen Mittag auf bis zu 3,4 Prozent ab und landete damit am Ende des Dax. Die Aktie bewegte sich damit auf dem Niveau von Anfang April. Analyst Marcus Diebel von der US-Bank JPMorgan kommentierte, dass Delivery Hero in dem Bereich dennoch sein "Top Pick" bleibe. Vorsichtig sei er hingegen beim niederländischen Konkurrenten Just Eat Takeaway, da dessen Monopolstellung in Deutschland aufgrund der neuen Konkurrenz langsam bröckele.

Die Antwort von Just Eat Takeaway

Prompt folgte die Antwort von Just Eat Takeaway: Lieferando.de wolle künftig ebenfalls Supermarkt-Lieferungen anbieten innerhalb von maximal einer halben Stunde anbieten. Dafür werde der Konzern mit großen Supermarktketten und lokalen Geschäften zusammenarbeiten, teilte Just Eat Takeaway am Mittwoch mit. Die Lebensmittel-Bestellungen sollen binnen 20 bis 30 Minuten geliefert werden.

Zum Zeitplan für die Ausweitung des Geschäfts in Deutschland gab es zunächst keine Angaben. Lieferando verwies lediglich darauf, dass man mit 10.000 Kurieren in rund 50 deutschen Städten gut positioniert sei, um als "Super-App" erfolgreich zu sein. Noch in diesem Jahr wolle man die eigene Logistik in Deutschland auf 80 Städte ausweiten.

Auch das war nicht dem Gusto der Anleger: Die Aktie von Just Eat Takeaway verlor sogar 3,8 Prozent und führt damit ihre Talfahrt weiter fort. Mit rund 76 Euro ist sie derzeit so viel wert wie zuletzt Ende März.

Spott von Lieferando

Der Chef von Just Eat Takeaway, Jitse Groen, zeigte sich nach der Ankündigung von Delivery Hero zur Rückkehr in den deutschen Markt kampfeslustig. "Wir haben sie in Holland, Großbritannien, Polen, Irland und Deutschland besiegt - und machen das mit Freude nochmal", schrieb er bei Twitter. Beim vergangenen Versuch habe Delivery Hero acht Jahre, die Übernahme der damaligen Nummer eins sowie Investitionen von 500 Millionen Euro gebraucht, um ein Viertel der heutigen Größe von Lieferando zu erreichen, spottete er.

Der Chef von Delivery Hero, Niklas Östberg, wollte das nicht so stehenlassen. Er konterte via Tweet, dass man beim Verkauf des Deutschland-Geschäfts an Groens Firma Marktführer gewesen sei. Zudem sei auch Lieferando ein Zukauf gewesen.

Delivery Hero hatte das deutsche Geschäft (Foodora, Lieferheld, Pizza.de) 2019 an den damaligen niederländischen Konkurrenten Takeaway.com - heute Just Eat Takeaway  - verkauft. Zuletzt hatte der Chef von Just Eat Takeaway, Jitse Groen, die Folgen eines Markteintritts von Uber Eats heruntergespielt. "Unser größter Konkurrent in Deutschland ist das Telefon", sagte er und verwies darauf, dass die meisten Verbraucher nach wie vor in den Lokalen anriefen.

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