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Cloud Computing Pizza-as-a-Service: Shop-Teile aus der Cloud

shutterstock.com/Macrovector
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Cloud Computing hat sich durchgesetzt und so wandern immer mehr einzelne Bestandteile der E-Commerce-IT-Landschaft in die Wolke. Aus "Software as a Service" wird "Everything as a Service".

Stellen Sie sich vor, Sie möchten Pizza essen. Dann haben Sie die Wahl: Sie können sie selbst machen oder beim Lieferdienst bestellen, Sie können eine Tiefkühlpizza in den Ofen schieben oder ins Restaurant gehen - je nachdem, wie viel Sie selbst erledigen können und wollen, wie viel Zeit Sie haben, wie viel Sie vom Kochen verstehen und welche Zutaten ­Ihnen zur Verfügung stehen.

Selbst entwickeln, kaufen oder mieten

Vor einer ähnlichen Wahl stehen heute Unternehmen wie Online-Händler: Sie können entscheiden, ob sie die nötigen Software-Lösungen selbst entwickeln, fertig kaufen oder lieber mieten möchten, denn mittlerweile ist Cloud Computing weitverbreitet, viele Software-Lösungen stehen als Mietversion aus der Wolke zur Verfügung. So nutzen 65 Prozent der ­Unternehmen in Deutschland bereits Soft- und Hardware aus der Cloud, hat die Unternehmensberatung KPMG im Auftrag des Bitkom in ihrem "Cloud-Monitor 2017" ermittelt.

Immer mehr Software-Hersteller bedienen diese steigende Nachfrage und bieten ihre Produkte als Cloud-basierte Software-as-a-Service-Lösung an - entweder ausschließlich oder zusätzlich zum herkömmlichen Lizenzverkauf, dem On-Premises-Modell, zum Beispiel Shop-Software-Hersteller: Anbieter wie Magento, Intershop, SAP Hybris oder Oro Commerce haben jeweils On-Premises- und Software-as-a-Service-Lösungen (SaaS) im Programm. Andere wie Commercetools, ­Novomind, Salesforce oder Websale sind nur über die Cloud verfügbar. Reine ­On-Premises-Lösungen wie Shopware oder Oxid eSales werden seltener.

As-a-Service-Lösungen versprechen Flexibilität

Für viele Online-Händler spricht vor allem ein Kosten- und Zeitdruck für die Nutzung von SaaS-Lösungen. Statt in eine teure Software-Lizenz zu investieren und die Lösungen selbst zu installieren, greifen viele lieber zu einer Cloud-basierten Variante, mit der sie nach einer kurzen Einrichtungsphase starten können. Zudem spart sich der Anwender eigene Server-Kapazitäten und die Wartung, da der Saas-Anbieter auch das Hosting und die Pflege übernimmt.

Neben solchen SaaS-Lösungen tauchen seit nun weitere Cloud-basierte Angebote auf: Da ist von "Platform as a Service" (PaaS) die Rede, von "Backend as a Service" (BaaS) oder "Frontend as a Service" (FaaS) und von "Database as a Service" (DaaS)oder auch "Content as a Service" (CaaS).

Digitalisierung verlangt nach neuen Lösungen

Hauptgrund für das Entstehen dieser neuen Angebote ist die zunehmende Digitalisierung. Denn jedes Unternehmen, das seine Offline-Geschäftsmodelle digitalisiert, bringt eigene technologische Anforderungen und eine individuell gewachsene IT-Landschaft mit. Gleichzeitig herrscht ein hoher Wettbewerbsdruck. Um sich ­gegenüber der Konkurrenz abzugrenzen, müssen ständig neue Services und Features entwickelt werden, und zwar schnell.

Dies verändert die Anforderungen an die IT-Landschaft: Die Systeme müssen kostengünstig und flexibel sein, um eigene ­Geschäftsprozesse anzupassen und verschiedene Bausteine miteinander zu verbinden. Dabei können Cloud-basierte ­Anwendungen helfen: unterschiedliche Bausteine können einzeln geliefert werden, die nach Bedarf individuell zusammengestellt und genutzt werden können.

Neu: "Everything as a Service"

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Doch was verbirgt sich hinter den Begriffen? Prinzipiell lässt sich die Cloud-Landschaft in drei Ebenen einteilen. Die unterste Ebene ist das Cloud-Hosting, auch Infrastructure as a Service (IaaS) genannt. Dabei werden Speicherkapazitäten und Rechenleistung sowie dazugehörige Hard- und Software wie Router oder Firewalls angemietet. Zu den größten und bekanntesten Anbietern zählen Amazon Web Services (AWS), ­Microsoft Azure und die Google Cloud. Dazu kommen eine Vielzahl anderer Anbieter wie Rackspace, Strato, 1&1 oder Host Europa.

Die oberste Ebene sind die SaaS-Lösungen. Dort liegen fertige Anwendungen als Komplettlösungen zur Nutzung bereit, ­etwa Marketing-Lösungen oder eben Shop-Software. Der größte Nachteil dieser Lösungen ist, dass sie nur in eingeschränktem Maß an individuelle Anforderungen anpassbar sind. Sie verfügen zwar häufig über Zusatzmodule oder Plugins, und teilweise auch über einige offene Schnittstellen zu Drittsystemen, dennoch lassen sich individuelle Geschäftslogiken, wie sie beispielsweise im B2B- oder im B2B2C-Handel auftreten, damit nicht abbilden.

Platform as a Service als mittlere Ebene

An dieser Stelle setzen die neueren "As a Service"-Varianten an. Als mittlere ­Ebene zwischen IaaS und SaaS, also der Rechnerinfrastruktur und den Software-Anwendungen, haben sich "Platform as a Service"-Lösungen angesiedelt. Sie liefern, vereinfacht gesagt, eine Entwicklungs­umgebung zur individuellen Anpassung der Systeme.

Das können unterschiedliche Frameworks sein, verschiedene Programmiersprachen und Datenbankstrukturen sowie Schnittstellen und eine breite ­Palette von Tools, die das Programmieren erleichtern, indem sie etwa häufig ­wiederkehrende Programmierschritte automatisieren. ­Zudem umfasst eine PaaS-Lösung eine ­sogenannte Staging-Umgebung, also eine Testebene, auf die eine Anwendung in ­unterschiedlichen Entwicklungsstadien immer wieder kopiert wird, um dort den Betrieb zu simulieren und zu testen.

PaaS-Lösung zu Oro Commerce

Zwei der bekanntesten PaaS-Angebote sind Heroku und Force.com, die beide zu Salesforce gehören. Bei den Shop-Software-Herstellern hat Oro zusätzlich zu seinen On-Premises- und SaaS-Versionen ­eine PaaS-fähige Lösungsvariante seiner Shop-Software "Oro Commerce" angekündigt. "Wir sehen, dass unsere SaaS-Lösung nicht allen individuellen Kundenwünschen gerecht werden kann. Vor allem im B2B-Umfeld reicht ein Modell mit vorgefertigten Modulen oft nicht aus. Da es aber oft auch nicht sinnvoll ist, alles komplett selbst zu entwickeln, haben wir uns entschieden, eine PaaS-fähige Version anzubieten", erklärt Alexander Shashin, Country Manager DACH von Oro.

Backend as a Service

Von sich Reden gemacht hat zuletzt die Otto-Tochter About You, die ein "Backend as a Service" auf den Markt gebracht hat. Dahinter verbirgt sich die Backend-Technologie, die About You für seinen eigenen Online-Shop in den vergangenen Jahren für viel Geld selbst entwickelt hat und nun Dritten zur Miete anbietet. Das Angebot steht zwischen PaaS und SaaS: Es lassen sich vorgefertigte Backend-Bausteine, wie das Produkt- und das Order-Management oder auch das Lager-Management, zu ­einem individuell nutzbaren Backend-System zusammenfügen. Die einzelnen Bausteine sind dabei aber nur bedingt über Schnittstellen anpassbar.

Frontend as a Service

Wer ein solches Bausteinsystem nutzt, braucht zum Backend seines Shops auch noch ein Frontend, bildlich gesprochen ­also eine Verkaufsfläche. Daher entstehen parallel zu BaaS Angebote wie "Frontastic". Sie liefern eben dieses Frontend aus der Cloud - ein "Frontend as a Service". Auch dieses Angebot steht irgendwo zwischen PaaS und SaaS. Henning Emmrich, Mitbegründer von Frontastic, erklärt dies so: Gegenüber dem Shop-Betreiber ähnele Frontastic einer SaaS-Lösung, die er sofort nutzen kann. Gegenüber Agenturen, die im Auftrag eines Shop-Betreibers ein Frontend entwickeln, verhalte sich Frontastic eher wie ein PaaS-Lösung, weil die Agenturen dort direkt die gewünschten Anpassungen programmieren könnten.

Das zeigt: Je mehr verschiedene Systeme als Bausteine in der Cloud zur Verfügung stehen, desto flexibler kann eine IT-Landschaft zusammengefügt werden. Daher kommen verstärkt solche Einzelteile Cloud-basiert auf den Markt: "Database as a Service" stellt Bausteine rund um Datenbanken zur Verfügung, "Content as a Service" macht die Nutzung und Verwaltung von Content über die Cloud möglich. Das lässt sich nahezu beliebig fortsetzen, insbesondere wenn man an neue Technologien  wie Smart Home, Internet der Dinge oder Voice Assistance denkt. Daher sprechen Experten mittlerweile von "Everything as a Service", kurz XaaS.

Die begriffliche Unsicherheit wird allerdings gern für Marketing-Zwecke ausgenutzt. Eine von einem Unternehmen als "E-Commerce-Platttform" bezeichnete SaaS-Lösung in der Cloud ist noch lange keine "Platform as a Service"-Lösung - ebenso wenig wie drei frische Tomatenscheiben aus einer Tiefkühlpizza eine Restaurantpizza machen.

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