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busuu-Gründer

"Wir sind nicht das Wall Street Institute"

busuu-Gründer und CEO Niesner

busuu.com

busuu-Gründer und CEO Niesner

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Social Media trifft Lernportal - auf busuu bringen Nutzer sich gegenseitig Fremdsprachen bei. INTERNET WORLD Business sprach mit Gründer Bernhard Niesner über Lernen im Zeitalter sozialer Netzwerke.

Mit inzwischen über 50 Millionen Nutzern ist busuu nach eigenen Angaben die weltweit größte Online-Plattform zum Sprachenlernen. Das in Madrid gegründete Portal hat seinen Sitz mittlerweile in London und beschäftigt 30 feste Mitarbeiter. Busuu ist der Name einer Sprache aus Kamerun, die einer ethnologischen Studie aus den 80er-Jahren zufolge nur noch von acht Menschen weltweit gesprochen wird. Um die Sprache vor dem Aussterben zu bewahren, hatte Mitgründer Bernhard Niesner mit seinen Kollegen ein Filmteam in das entlegene Dorf geschickt und ein Imagevideo mit den letzten Busuu-Sprechern gedreht. Unter Savebusuu.com können Nutzer die Sprache selbst lernen.

Herr Niesner, Apps zum Sprachenlernen gibt es inzwischen einige. Was macht busuu anders als Konkurrenten wie Babbel?
Bernhard Niesner: busuu wurde 2008 gegründet, etwa zur gleichen Zeit wie Babbel. Das zeigt, dass bestimmte Ideen oft gleichzeitig aufkommen. busuu unterscheidet sich von anderen Sprachenlern-Portalen durch die Social-Media-Komponente. Im Mittelpunkt steht bei uns die Kommunikation zwischen den Mitgliedern. Babbel hat sich außerdem relativ schnell auf ein kostenpflichtiges Premium-Modell fokussiert, wir haben nach wie vor ein Freemium-Modell. Dadurch erzielen wir eine hohe Reichweite: An manchen Tagen wächst die Plattform um bis zu 100.000 Nutzer pro Tag. Im Oktober haben wir die 50-Millionen-Nutzer-Marke geknackt. 

Nutzen Sie diese Reichweite für den Einsatz von Online-Werbung?
Niesner: Mit Online-Werbung sind wir sehr zurückhaltend. Das meiste Geld verdienen wir mit zahlenden Nutzern,  etwa 80 Prozent der Einnahmen kommen über Premium-Mitgliedschaften, die ab fünf Euro pro Monat liegen. Der Anteil der zahlenden User liegt derzeit etwa im einstelligen Prozentbereich, variiert aber stark nach Land - das größte Nutzerwachstum haben wir in Brasilien, Russland und China.

Wie kamen Sie auf die Idee, Sprachenlernen mit Social Media zu kombinieren?
Niesner: Ich habe in Madrid studiert und dort einen Master of Business Administration (MBA) an der IE Business School gemacht. Dort habe ich meinen Mitgründer Adrian Hilti kennengelernt. Wir haben beide Spanisch gelernt und uns gefragt, warum Sprachenlernen so zeitaufwändig und teuer sein muss. Zu dieser Zeit kam auch Facebook nach Europa und so kam uns die Idee, eine Online Community zum Sprachenlernen zu gründen. Dabei setzt busuu auf einen psychologischen Effekt: Beim Sprachenlernen fühlen sich viele Menschen unsicher und haben Angst Fehler zu machen. Wenn sie allerdings sehen, dass andere Nutzer auch Fehler machen und aufgefordert sind, diese zu korrigieren, fühlen sie sich automatisch sicherer. User können per Chat Fragen stellen und gegenseitig Sprachübungen korrigieren. Auf diese Weise werden etwa 30.000 Texte pro Tag verbessert. Ein paar Mitglieder haben sogar schon über 100.000 Texte korrigiert.

Wie stellen Sie sicher, dass Nutzer dabei keine falschen Angaben machen?
Niesner: Wir haben ein Voting-System, mit dem User andere Mitglieder bewerten können. Für besonders gute Kommentare bekommen Benutzer extra Busuu-Berries, die interne Währung von busuu, daher ist das Niveau der Korrekturen relativ hoch.

Aber leidet darunter nicht die Qualität, wenn Laien Lehrer spielen?
Niesner: Wir sind nicht Berlitz oder das Wall Street Institute. Der Taxifahrer aus Rio muss kein Cambridge-Englisch sprechen. Wenn er aber sein Englisch mithilfe unserer Native-Speaker verbessert, kann er deutlich mehr verdienen. Die Antworten kommen oft bereits nach ein bis zwei Minuten. Außerdem ist die soziale Interaktion nur ein Bestandteil unseres Portals. Herzstück von busuu sind die modular aufgebauten Lerneinheiten mit abwechslungsreichen und interaktiven Übungen für alle Sprachniveaus. Premium-Nutzern stehen auch Grammatikübungen oder Voice-Recording-Übungen zur Verfügung. Zudem speichert busuu automatisch die Fehler von jedem User und kann dann gezielt auf dessen Schwächen eingehen.

Was sind jetzt die nächsten Ziele?
Niesner: Die größte Herausforderung ist es, dass die Leute motiviert bleiben. Das Thema Mobile steht bei uns aus dem Grund ganz klar im Fokus. Weltweit werden etwa 60 Milliarden US-Dollar fürs Sprachenlernen ausgegeben, davon aber nur vier Prozent digital. Das wird sich durch die zunehmende Verbreitung von Smartphones radikal ändern. Deshalb entwickeln wir derzeit eine App, die sich den individuellen Bedürfnissen, Interessen und der Motivation des Nutzers anpasst. Sie soll Anfang des nächsten Jahres auf den Markt kommen.

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