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PDF-Kritik

Auch nach 20 Jahren: PDFs sind für den menschlichen Konsum ungeeignet

Der dänische Schriftsteller und Berater Jakob Nielsen gilt als einer der führenden Web-Usability-Experten weltweit

nngroup

Der dänische Schriftsteller und Berater Jakob Nielsen gilt als einer der führenden Web-Usability-Experten weltweit

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Der Usability-Experte Jakob Nielsen erneuert seine Kritik am Dateiformat PDF. Auch nach zwei Jahrzehnten Entwicklung gebe es kaum etwas Schlechteres als PDFs zur Vermittlung von Inhalten im Netz

"Business Week" zählte den Dänen vor einigen Jahren zu den einflussreichsten Web-Designern auf der Welt. Jakob Nielsen, mitbegründer der Nielsen Norman Group ist für seine pointierte, oft beißende Kritik an Usability-Sünden im Netz bekannt. Jetzt hat sich der 57-Jährigen in einem Beitrag im Blog seines Unternehmens mit dem Dateiformat PDF auseinandergesetzt - und hält PDFs schlicht für ungeeignet für die Vermittlung von Inhalten im Netz. PDF sei für den Druck optimiert, argumentiert Nielsen, schwer lesbar und schlecht zu navigieren.

Nielsens Kritikpunkte im Einzelnen:

  • Linear und beschränkt: PDFs sind typischerweise konvertiert aus Dokumenten, die für den Ausdruck gedacht waren. Sie müssen linear konsumiert werden, von vorn nach hinten. Usability-Kriterien für den Gebrauch von Webseiten bleiben außen vor.
  • PDFs sehen anders aus als typische Websites: Zwar bieten moderne PDFs Shortcuts als Navigationshilfen, diese sind jedoch den wenigsten Nutzern bekannt. Deshalb sehen selbst die durchgestyltesten PDFs am Schirm aus wie Fremdkörper
  • Lange Ladezeiten: Im Vergleich zu HTML-Dokumenten benötigen PDFs deutlich länger zum Laden. Das macht sich vor allem bei mobilen Endgeräten bemerkbar
  • Viel Unnötiges: PDFs enthalten oft wenig Substanzielles, klagt Nielsen. Viele Möglichkeiten der Orientierung, die Websites bieten, fehlen bei PDFs
  • Stiften Verwirrung: PDFs haben selten die Standard-Navigationselemente, die Nutzer von Websites gewohnt sind. Wenn PDFs durch Klick auf einen Link ein neues Browserfenster öffnen, wundert sich der Nutzer hinterher, warum der Zurück-Button nicht mehr funktioniert.
  • Formatiert für Papier, nicht für Bildschirme: PDFs passen sich nicht der Bildschirmgröße an, was ihr Handling am Computer erschwert.

Nielsen's Ratschlag als Alternative: Schlicht formatierte HTML-Hinweisseiten, die Inhalte zusammenfassen und dem Nutzer als Alternative den Download des gesamten PDFs anbieten.

Es ist nicht das erste Mal, dass Nielsen sich mit PDFs befasst. Bereits 2001 und 2010 veröffentlichte er Untersuchungen über die Usability dieses Dateiformates. Seine Einschätzung hat sich seitdem kaum geändert.   


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