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Kapstadt
Amazon 22.03.2022
Amazon 22.03.2022

Proteste gegen Neubau Amazon: Bauarbeiten an Afrika-Zentrale in Kapstadt müssen gestoppt werden

Shutterstock / That Video Guy
Shutterstock / That Video Guy

Der Bau eines neuen Amazon-Headquarters in der südafrikanischen Metropole Kapstadt liegt vorerst auf Eis. Ein Gericht ordnete den unverzüglichen Stopp der Arbeiten an dem bereits genehmigten Projekt an. Von hier aus wollte Amazon den afrikanischen Markt erobern. 

Die Arbeiten an einem neuen Gebäudekomplex in Kapstadt, der einmal die Amazon-Zentrale für Afrika werden soll, müssen sofort eingestellt werden. Das entschied eine Richterin am Western Cape High Court, so berichtet es die "New York Times". Das Gericht wirft dem ausführenden Immobilienentwickler vor, bei der Planung die Interessen der indigenen Bevölkerung nicht ausreichend berücksichtigt zu haben. 

Seit Beginn der Planungen rund um den Komplex mit einem Bauvolumen von rund 300 Millionen US-Dollar gab es heftige Kritik vonseiten der "First Nations" - unter diesem Namen haben sich Interessenverbände der verschiedenen Stämme der afrikanischen Ureinwohner organisiert.

Lauter Protest seit 2019

Für die "First Nations" ist der Grund, auf dem der Komplex entstehen soll, heiliger Boden. Hier sollen erstmals Kämpfe der Ureinwohner gegen weiße Kolonialisten stattgefunden haben. Derzeit wird das Gelände als Golfplatz genutzt. Seit Beginn der Bauplanungen im Jahr 2019 entbrannte darüber heftiger Streit innerhalb der zahlreichen Gruppen in der indigenen Community. Bereits bei der Erteilung der Baugenehmigung hatte es lautstarke Kritik gegeben, der Bauherr habe die Vertreter der Ureinwohner nicht ausreichend konsultiert. Die Planungen enthalten ein Informationszentrum über die historische Bedeutung des Geländes, dies sahen einige Gruppen gar als Aufwertung des gegenwärtigen Status an, während andere sich strikt gegen eine Bebauung wandten.

Jobs für 19.000 Menschen

Bei Baubeginn im vergangenen Jahr hatte die Stadtverwaltung das Projekt - und die Entscheidung Amazons, von hier aus das gesamte Afrika-Geschäft zu koordinieren - noch in höchsten Tönen gelobt. Geplant war ein Komplex mit 31.000 Quadratmetern Wohnfläche, 56.000 Quadratmetern Bürofläche,  22.700 Quadratmetern Gewerbefläche, einem Hotel und einem Fitnessclub. Nach Angaben der Stadtverwaltung soll das neue Projekt allein in der Bauphase über 5.000 neue Jobs bringen, nach Fertigstellung soll es direkt oder indirekt 19.000 Menschen Arbeit geben.

Amazon selbst tritt nicht als Bauherr auf, wollte aber als Hauptmieter in den Komplex einziehen. Nach Darstellung der "New York Times" beteiligte sich der Handelskonzern nicht an den lautstarken Debatten rund um den Grund, auf dem seine Afrika-Zentrale entstehen sollte. Auch zum aktuellen Urteil liegt bis dato keine Stellungnahme des Unternehmens vor. Sollte Amazon sich dagegen entscheiden, in das geplante Gebäude einzuziehen, so vermuten Beobachter, würde dies das gesamte Projekt infrage stellen.

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