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Amazon 05.08.2022
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Klimakrise Amazon zeigt dramatische Schwächen in seiner Nachhaltigkeitsbilanz

Shutterstock / EQRoy
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Seit 2019 veröffentlicht Amazon jährlich einen Nachhaltigkeitsbericht, zudem hat sich der Konzern ehrgeizigen Klimazielen verschrieben. Der diesjährige Bericht wartet für das Jahr 2021 mit ernüchternden Zahlen auf. Und sogar die könnten nur die halbe Wahrheit sein.

71,54 Millionen Tonnen Kohlendioxid, so viel machten die Emissionen von Amazon weltweit im Jahr 2021 aus. Diese Zahl stammt aus dem Nachhaltigkeitsbericht, den der Konzern Anfang dieser Woche veröffentlicht hat. Damit haben sich die CO₂-Emissionen von Amazon im vergangenen Jahr um 18 Prozent erhöht, verglichen mit dem Vorjahr 2020.

Ambitionierte Ziele bis 2040

2019 hatte der Konzern im Rahmen der sogenannten "Climate Pledge"-Initiative die Selbstverpflichtung abgegeben, klimafreundlicher zu werden. Bis 2040, so das damals formulierte Ziel, solle Amazon komplett klimaneutral wirtschaften. Dazu stieg das Unternehmen beim E-Autobauer Rivian ein und bestellte 100.000 Exemplare eines E-Lieferwagens, die bis 2030 auf der Straße sein sollen. Auch in Europa fahren bereits E-Lieferwagen im täglichen Einsatz, wenn auch in geringerer Stückzahl. Zudem steckte Amazon zwei Milliarden US-Dollar in einen Investment-Fonds, der Firmen unterstützen soll, die klimafreundliche Technologien entwickeln.

Dennoch wirkt die Höhe des CO₂-Ausstoßes ernüchternd: Innerhalb nur eines Jahres ist dieser Wert um 18 Prozent gestiegen, verglichen dem Vorjahr. Im Vergleich mit 2019, dem Jahr des ersten Nachhaltigkeitsberichtes, sind es sogar fast 40 Prozent. Der Grund dafür: Offenbar steigt der Umsatz - und damit der Umfang der Emission-behafteten Geschäftstätigkeiten - schneller an, als Maßnahmen zur Senkung des CO₂-Ausstoßes umgesetzt werden können.

Enormes Wachstum des Logistik-Netzwerkes

So soll der Ausbau des Logistiknetzwerks im vergangenen Jahr schneller vorangeschritten sein als jemals zuvor in der Firmengeschichte. Grund für das astronomische Wachstum ist unter anderem die Corona-Pandemie, die dem Online-Marktplatz und seinem Fulfillment-Geschäft einen historischen Nachfrageschub beschert hat.

Allerdings zeigt auch eine andere Zahl auf, dass der Weg zur Klimaneutralität noch weit ist: Gemessen am Umsatz gelang Amazon 2021 eine Verringerung der CO₂-Emissionen von nur 1,9 Prozent, im Jahr davor waren es noch 16 Prozent gewesen.

Fehlen wichtige Zahlen?

Und nach einem Bericht des US-News-Networks CNBC könnten selbst diese Zahlen nicht den gesamten Umfang der CO₂-Emissionen des Konzerns widerspiegeln. Denn Kritiker monieren, dass Amazon bei den Waren, die der Konzern in eigenem Namen verkauft, nur die CO₂-Emissionen aufführt, die bei der Herstellung von Produkten entstanden sind, die als Amazon-Produkte gelabelt sind.

Artikel anderer Marken, die der Online-Riese fertig einkauft und dann auf eigene Rechnung weiterverkauft, würden im Nachhaltigkeitsbericht nicht erfasst. Andere US-Einzelhandelsketten wie Walmart und Target, so schreibt CNBC, würden auch solche Produkte in ihren Nachhaltigkeitsberichten aufführen.

Das News-Network zitiert in diesem Zusammenhang einen ungenannten Amazon-Sprecher, der darauf verweist, dass sich Amazon bei der Erstellung seines Nachhaltigkeitsberichtes an den Richtlinien des sogenannten Greenhouse Gas Protocol Corporate Accounting and Reporting Standard orientiere. Third Party-Händler seien für die Erfassung und Protokollierung ihrer Emissionen selbst verantwortlich.  

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