Bezahlinhalte im Web 09.12.2014, 13:30 Uhr

"Der Markt für Paid Content entsteht gerade"

Ende November hat die "Hamburger Morgenpost" Laterpay als Bezahlsystem für ihre Inhalte eingeführt.  Laterpay-Geschäftsführer Cosmin Ene über den Markt und die Herausforderung für die Verlage.
Herr Ene, bislang haben sich die Verlage nicht um Laterpay gerissen. Woher kommt diese Zurückhaltung?
Cosmin Ene: Dieser Eindruck entsteht verständlicherweise nach außen. Der Einzelkauf von Artikeln im Internet hat sich bisher noch nicht auf breiter Basis durchgesetzt. Die meisten Verlage versuchen, sich über Werbung zu finanzieren und/oder digitale Abonnements zu verkaufen. Intern bemerken wir etwas anders, da wir bereits mit vielen Verlagshäusern in unterschiedlich weit fortgeschrittenen Verhandlungen sind: In fast allen Medienhäusern wird aktuell über neue Geschäftsmodelle zur besseren Monetarisierung nachgedacht. Dies sind strategische Überlegungen, die in großen Häusern nicht nicht nach außen getragen werden und Zeit brauchen - immerhin hat sich in den vergangenen 15 Jahren nicht sehr viel getan.
Und für diese Geschäftsmodelle wollen Sie das Bezahlverfahren liefern?
Ene: Neben LaterPay werden da noch eine ganze Reihe anderer Modelle entstehen. Denken Sie an den Digital-Kiosk Blendle in den Niederlanden, für den sich eine ganze Reihe von Verlagen zusammengetan hat. Der Markt entsteht gerade erst. Viele Verlage sind zwar theoretisch reif für Paid Content, aber noch nicht wirklich bereit, das zu tun, was sie tun müssen um dahin zu kommen, wo sie hinwollen. Dazu gehört auch, digitale Inhalte mit Mehrwert zu schaffen, die sich auch verkaufen lassen und nicht nur für schnelle Klicks gemacht sind.
Was haben Sie den Verlagen zu bieten?
Ene: Wir stellen eine Toolbox bereit, mit deren Hilfe Verlage ihre Geschäftsmodelle umsetzen können. Dafür müssen sie auch ihre Inhalte nicht in ein andere Plattform einspeisen, sondern können das auf ihre eigenen Webseiten mit ihren angestammten Systemen und Arbeitsabläufen machen. Die Verlage müssen sich also nicht an unsere Geschäftsmodell anpassen, sondern können ihren Inhalt ganz nach eigenen Präferenzen monetarisieren. Das fängt beim Single Sale, dem einmaligen Sofort-Kauf eines einzelnen hochpreisigen Inhalts an, geht über Pay-per-Use, also das spätere Bezahlen ausschließlich der konsumierten Inhalte nach der 5-Euro-Schwelle. Bei beidem ist auch Free-to-Read möglich: Damit ist gemeint, dass ein Artikel kostenfrei gelesen werden kann, Zusatzinformationen  wie etwa ein Video, Fotos oder andere weiterführende Inhalte aber kostenpflichtig sind.
Was steht aktuell auf der Tagesordnung?
Ene: Seit Ende November sind die Zeitpässe fertig, also Stunden, Tages-, Wochen- und Monatspässe. Diese Zeitpässe sind eine zeitlich begrenzte Flatrate. Sie stellen ein Abonnement dar, bei dem der Leser nicht fürchten muss, dass es sich selbst automatisch verlängert. In Zukunft wird es sogar die Möglichkeit geben, dem Leser ein Rückgaberecht einzuräumen: Wenn ihm ein Inhalt nicht gefällt, kann er ihn zurückgeben.
Was kostet das den Anbieter?
Ene: Bei den Modellen für den Einzelverkauf, die wir derzeit anbieten, gehen 15 Prozent des Verkaufspreises an LaterPay. Darin sind alle Gebühren enthalten, die bei der Bezahlung entstehen, etwa Kreditkarten- oder Paypal-Gebühren. Registrierungs-, Setup- oder Grundgebühren gibt es bei uns derzeit nicht.
Worin sehen Sie die größte Herausforderung für die Verlage?
Ene: Zum einen gilt es, den Nutzer über einfache Modelle wie das Pay per Use an das Bezahlen für Inhalte heranzuführen und ihm die Angst zu nehmen. Zum anderen ist von den Verlagen große Experimentierfreude verlangt. Sie müssen ihre ganz eigenen Geschäftsmodelle entwickeln, müssen herausfinden, was ihre Leser wollen und wofür sie zu zahlen bereit sind. Und sie brauche ein gerütteltes Maß an Durchhaltevermögen. Es wird Zeit brauchen, bis die Nutzer sich daran gewöhnt haben und die bereitgestellten Inhalte passen. Die größte Gefahr sehe ich darin, dass die Verlage einige Dinge ausprobieren, nach sechs Monaten feststellen, dass sie damit noch nicht viel verdient haben und es dann wieder lassen.
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