Payment 24.02.2015, 07:30 Uhr

Beliebte Zahlungsmittel im Ausland

Wer im Ausland Geld verdienen möchte, muss seinen Shop den örtlich bevorzugten Zahlungsmitteln anpassen. Ein Blick auf die Vorlieben in Brasilien, Russland und China
Online Payment
(Quelle: shutterstock.com/marrvid)
Was fällt den Deutschen spontan zu Brasilien ein? Zuckerhut und Karneval, Fußball-WM und ein 7:1-Sieg. Doch wer weiß schon, dass Brasilien die ­sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt ist und zu den Top-Ten-Ländern mit dem höchsten ­E-Commerce-Umsatz gehört? Fast 17 Milliarden US-Dollar setzte die Online-Branche 2014 laut eMarketer um, 2018 sollen es gut 27 Milliarden sein. Ein Grund, warum immer mehr Webhändler ihre Fühler nach Brasilien ausstrecken.

Brasilien kauft auf Raten

Doch wer in dem mit gut 200 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Land des Kontinents erfolgreich sein will, muss sich zwingend mit den beliebtesten Zahlungsmitteln der Brasilianer vertraut machen. Denn der Umgang mit Geld ist in Brasilien ein anderer als hierzulande.
Bedingt durch das niedrigere Einkommensniveau ist der Kauf auf Raten weitverbreitet. "Ratenzahlungen sind als Zahlungsmittel sehr üblich und so gut wie ein Muss", erklärt Carlos Hix von der E-Commerce-Agentur Netresearch App Factory. Der gebürtige Brasilianer ist zuständig für das Management der Agentur in Brasilien. 
Sehr häufig werden die Ratenzahlungen über die Kreditkarte abgewickelt. In aller Regel erhält der Online-Händler ­dabei ­sofort den kompletten Kaufpreis gutgeschrieben, auch wenn der Kunde die ­Waren in sechs, zwölf oder gar 24 Monatsraten bezahlt. "Bei rund 75 Prozent aller Transaktionen, die über Kreditkarte ­als Zahlungsmittel abgewickelt werden, kommt es zu einer Ratenzahlung", weiß Ralf Gladis, Gründer und Geschäftsführer des Payment Service Providers Computop.
Der Endkunde zahlt in der Regel keine Zinsen dafür, die Banken und Kreditkartenfirmen decken die Kosten dieses Zahlungsmittels über höhere Gebühren, die sie von den Händlern verlangen. So zahlt ein Shop-Betreiber für eine ­normale Kreditkartenzahlung im Schnitt rund fünf Prozent Gebühren, bei einer Ratenzahlung kann ein Aufschlag von weiteren fünf bis zehn Prozent dazukommen - je nach Laufzeit der Tilgung.
Allerdings hat der Händler gute Chancen, diese Kosten auf den Verkaufspreis draufzuschlagen: "Der Durchschnittsbrasilianer interessiert sich nicht so sehr für den Endpreis des Produkts, das er kaufen möchte. Er schaut vielmehr darauf, ob er sich die monatliche Rate leisten kann", erklärt Gladis.
Kreditkarten gehören also zwingend in das Zahlungsmittel-Portfolio eines brasilianischen Shops. Am weitesten verbreitet sind Visa- und Mastercard, daneben sind lokale Karten im Einsatz. Aber Vorsicht: Viele brasilianische Banken geben Visa- und Mastercard-Karten aus, die nur auf dem heimischen Markt gültig sind.
Wer als Shop-Betreiber ­einen europäischen oder US-amerikanischen Akzeptanzvertrag mit diesen Kreditkartenfirmen hat, kann diesen als Zahlungsmittel nicht über die lokal begrenzten Karten annehmen. Lösen lässt sich das Problem durch eine Zusammenarbeit mit einem Dienst­leister, der entsprechende Akzeptanzverträge anbieten kann.
Ebenfalls weitverbreitet ist die Debitkarte als Zahlungsmittel. Auch diese sollte jeder Shop-Betreiber in seinem Portfolio haben.
Als beliebtestes Zahlungsmittel gilt ­darüber hinaus der Boleto Bancario, den es schon sehr viel länger als den Online-Handel gibt. Dahinter verbirgt sich eine Art Zahlschein, auf dem ein 47 Stellen langer Code aufgedruckt ist. Dieser Nummerncode enthält alle relevanten Bezahldaten wie etwa Wert, Fälligkeits­datum, Bank- und Kontonummer sowie Verwendungszweck.
Das Besondere: Mit dem Boleto Bancario kann bei allen Banken, auch via Online-Banking, in Supermärkten und mittlerweile ­sogar per Smartphone-App bezahlt werden. Für den Händler ist dieses Zahlungsmittel recht günstig: Laut Carlos Hix werden je Transaktion Gebühren von umgerechnet einem Euro fällig - unabhängig von der Kaufsumme.
"Trotz der erheblich niedrigeren Gebühren ist der Boleto Bancario nicht bei allen Händlern beliebt, weil viele Bestellungen letztlich nicht bezahlt werden. Insbesondere bei Impulskäufen nutzt der Kunde oft die Zeit zwischen Bestellung und Bezahlung zum Nachdenken und entscheidet sich dann ­gegen den Kauf", nennt Hix als Grund. Dennoch darf das Zahlungsmittel in keinem Shop fehlen. Je nach Zielgruppe und Sortiment werden meist zwischen 30 und 50 Prozent der Bestellungen über den Zahlschein beglichen. 



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