Stationäre Geschäfte 28.05.2015, 16:00 Uhr

Mobile Kassensysteme auf dem Vormarsch

Digitalisierung in der Filiale: Mobile Kassensysteme eröffnen Multichannel-Händlern völlig neue Wege weit über das Bezahlen hinaus. Beratung heißt das Schlüsselwort.
Kartenlesegerät mit Smartphone
(Quelle: shutterstock.com/scyther5)
Einzelhandel heute: Der Kunde sucht sich sein Wunschprodukt im Regal, geht damit zum Kassentresen und wartet, bis er dran ist. Dann scannt die Kassiererin die Ware, wählt auf dem Touchscreen zwischen den Zahlarten "bar“ oder "EC-Karte“ aus, kassiert und druckt den Kassenbon aus. 
Dieses vertraute Procedere kann und wird schon bald in immer mehr Läden ­verschwinden. Denn der stationäre Handel steht - wie andere Branchen auch - am ­Beginn einer umfassenden Digitalisierung. Die Kunden sind vom Einkauf im Web verwöhnt. Sie wünschen sich eine breite Auswahl, erwarten eine gute Beratung, wollen via Handy oder auch mit Paypal bezahlen - schnell und unkompliziert. Dem kann sich der statio­näre Handel nicht verschließen, will er ­neben dem Online-Handel bestehen.
Ein Baustein in diesem Prozess ist die Umstellung der Kassensysteme auf ­moderne, mobil einsetzbare Geräte. Mit ihnen kann Einzelhandel morgen so aussehen: Der Verkäufer kommt zum Kunden ans Regal, hat über ein Tablet Zugriff auf zusätzliche Informationen zum ausgewählten Produkt sowie zu ähnlichen oder zu diesem passenden Artikeln und kann den Kunden so umfassend beraten. Entscheidet sich der Kunde zum Kauf, kann der Verkäufer über ein auf dem Tablet installiertes mobiles Kassensystem direkt kassieren, das lästige Anstehen an der Kasse entfällt.

Händler in den Startlöchern

Knapp jeder zehnte Einzelhändler hat ­einer Studie des EHI Retail Instituts ­zufolge derzeit mobile Kassensysteme im Einsatz. Im Laufe der kommenden drei ­Jahre wird es mehr als die Hälfte sein. Damit werden Funk­tionen wie das Einlösen von Coupons, mobile Bezahlarten oder auch das kontaktlose Bezahlen Einzug in die Läden halten. Denn bei vielen Händlern sind die ­bestehenden Kassensysteme in die Jahre gekommen, sodass eine Modernisierung ansteht. Die Kassenhardware ist im Schnitt rund fünfeinhalb Jahre alt, die eingesetzte Software sogar sieben.
Dennoch stellt sich für viele Händler die alles entscheidende Frage: Bringen mobile Kassensysteme wirklich Mehrwert? Das will Eric Jankowfsky, Geschäftsführer der gleichnamigen E-Commerce-Agentur in Freiburg, im kommenden Jahr ­herausfinden. Seine Agentur hat einen Prototypen für mobile Kassensysteme entwickelt, der aus einem Tablet mit Handscanner, einem Kioskterminal und einer Kassenschublade besteht. Alle Geräte sind miteinander vernetzt, Warenkörbe sind vom Tablet auf das Terminal und sogar auf das Smart­phone des Kunden übertragbar. So kann der Kauf sofort im Laden mit dem Verkäufer oder auch später zu Hause vom Kunden selbst abgeschlossen werden. In den nächsten Monaten geht das System mit einem ersten Kunden in zwei, drei Filialen in den Test, ein weiterer Kunde soll folgen.
"Es gilt, den Beweis ­anzutreten, dass sich mit mobilen Kassensystemen mehr Umsatz erzielen lässt“, wird Jankowfsky deutlich. Denn rund 5.000 Euro kostet die Hardware in einfacher Ausführung. Soll eine Filiale fünf Stationen ­erhalten, macht das schon 25.000 Euro - nur für die Hardware. "Will ein Händler 200 Filialen ausstatten, kostet das richtig Geld“, gibt er zu bedenken.
In Kooperation mit dem Druckerhersteller Epson arbeitet auch der Softwareentwickler E-Matters an mobilen Kassensystemen für Multichannel-Händler. Zum einen sind alle Hardwarekomponenten miteinander verbunden: "Wir haben unseren Geräten mehr Intelligenz spendiert“, erklärt Tim Frömbgen, Business Development Manager System Devices bei Epson Deutschland. "Wir haben eine einheitliche Plattform aufgesetzt, über die sich aus der Webapplikation heraus alle Geräte wie Drucker, Tablet, Touchscreen oder Barcode-Scanner ansteuern lassen.“ Zum ­anderen ist das System mit der Web-Shop-Software von E-Matters und den ­dahinter liegenden Systemen verknüpft. Auf diese Weise lassen sich durch mobile Kassensysteme Prozesse wie Click & Collect, Retourenannahme im ­Laden, das Einlösen von Coupons und Ähnliches viel leichter abwickeln. "Durch die Verknüpfung mit dem Online-Shop stehen prinzipiell aber auch alle Bezahlverfahren aus dem Web-Shop zur Verfügung. Der Kunde kann also auch im ­Laden mit Paypal bezahlen, und zwar ­direkt am Regal und nicht erst am Kassentresen“, erklärt Kevin Besthorn, Geschäftsführer von E-Matters.

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