Design im digitalen Zeitalter 26.02.2015, 11:30 Uhr

"Grenzen zwischen Mensch und Gerät verschwinden"

Digitale Medien haben die Kommunikation radikal verändert. Was muss Design heute leisten und wie lassen sich dadurch die Werte einer Marke langfristig steigern? Das war Thema auf der MCBW.
(Quelle: Shutterstock.com/AdamGCS)
Kommunikation und Nutzungsverhalten haben sich durch digitale Medien grundlegend geändert. Was muss gutes Design im digitalen Zeitalter leisten, wie sieht eine optimale Customer Journey aus und wie lassen sich langfristig die Werte einer Marke steigern? Darüber sprach Andreas Schauer, Gründer und Geschäftsführer der Agentur für interaktive Kommunikation Code64, auf dem Desgin-Event Munich Creative Business Week (MCBW) 2015.
Design sei heutzutage weit mehr als Oberflächengestaltung, stellte Schauer klar, es habe das Potential, Beziehungen zu schaffen. "Mobile löst sich zunehmend auf, weil die Grenzen zwischen Menschen und Devices verschwinden werden." Kommunikation werde zu einem ortsunabhängigen und kontinuierlichen Prozess, auf diese Entwicklungen müssten Designer Antworten finden, so Schauer. Neue Geräte wie die Apple Watch könnten die Beziehungen zwischen Menschen verändern, etwa indem sie es ermöglichen, Gefühle über Interfaces darzustellen.
Eine entscheidende Rolle kommt dem Touchscreen zu, durch den der User immer mehr zum aktiven Gestalter wird. Dabei müssen Designer neue Konzepte für die unterschiedlichen Displaygrößen der verschiedenen mobilen Geräte finden: Responsive Design sei bereits Standard, "jetzt geht es um 'beyond Responsive'", meint Schauer, er nennt das "Continuity-Website". Dabei verändert sich je nach verwendetem Device nicht nur die Größe, sondern auch das Verhalten einer Webseite. Es gehe um einen Paradigmenwechsel - weg von einzelnen Apps hin zu einer zentralen Steuerung, bei der die Anwendung im Hintergrund bleibt und nicht mehr sichtbar ist.

Weg von der Seite hin zur Entdeckungsreise

"Es geht um das Design eines Systems statt einzelner Seiten", erklärt Schauer, dabei bestehe das System aus individuellen, miteinander verbundenen Komponenten. Die Gestaltung müsse ein nahtloses, fließendes Nutzererlebnis ermöglichen, denn durch Smartphones und Tablets hätten sich die Surfgewohnheiten völlig verändert - weg vom Klicken hin zum unverbindlichen Scrollen.
Das bedeutet auch, dass eine Seitenbegrenzung ihre Bedeutung verliert, Seiten werden grenzenlos und ermöglichen dadurch neue Erzählmechanismen. "Wir sind nicht mehr auf einer Seite, sondern auf einer Entdeckungsreise", skizziert Schauer, User können etwa per Wischbewegung über die Alpen fliegen, bei Bedarf Videos ansehen und werden Teil der Geschichte; starre Layouts werden von flüssigen Designs abgelöst.
Bei aller Flüssigkeit müsse aber - mittels interaktiver Bedienelemente -  gewährleistet bleiben, dass der User die Orientierung nicht verliert und den Weg zurückfindet.

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