Kundengewinnung 13.02.2015, 07:30 Uhr

Beacons: Erste Test-Erfahrungen in Hamburg

Beacons gelten als neues Wundermittel für die Gewinnung von Neukunden. Jedoch hat die Technologie, die immer mehr im Kommen ist, noch Tücken.
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(Quelle: shutterstock.com/erik-svoboda)
Hamburg Ballindamm, eine feine ­Adresse an der Alster - für Laufkundschaft aber zu weit entfernt vom belebten Jungfernstieg. Um junge, an Technik interessierte Verbraucher anzulocken, hat ­Tobias Müller daher auf ein Beacon-­Projekt gesetzt. Der Manager des ersten Mercedes Me Store in Deutschland ist ­einer von 400 stationären Händlern in der Hansestadt, die an dem Beacon-­basierten Loyality-Programm von Yoints teilnehmen.
Wer die Yoints-App auf seinem Smartphone ­installiert hat, bekommt zunächst Läden in der Nähe angezeigt, die Yoints-Bonuspunkte vergeben. Kommt der Nutzer dem Concept Store des Autobauers dann näher, löst ein Beacon im Eingangsbereich den Versand ­einer Nachricht an den Nutzer aus: "Schauen Sie in den ersten Mercedes Me Store rein und entdecken Sie Mercedes auf eine neue Art!"
Sobald der Kunde den Laden betritt, erhält er 100 Bonuspunkte gutgeschrieben. Wenn sich der Besucher länger im Store aufhält, erfasst dies ein zweiter Beacon. Damit wird der Versand einer weiteren Nachricht ausgelöst, dieses Mal mit dem Vorschlag, eine Probefahrt zu vereinbaren.
Seit Mitte September sind die beiden Beacons installiert, eine erste Auswertung soll in diesen Tagen beginnen. Doch eines ist für Müller jetzt schon klar: "Das Programm liefert einen schönen Mehrwert und bringt uns Leute in den Laden, die ohne Beacon nicht gekommen wären. Und wenn ein Teil von ihnen hinterher sagt, 'wow, das war ein Mercedes‘, haben wir schon ­etwas gewonnen."
Deswegen bereut er auch nicht, sich für Yoints entschieden zu haben, obwohl er zunächst mit einem eigenen Beacon-Projekt für den im Juni eröffneten Store gelieb­äugelt hatte. "Auf uns allein gestellt, hätten wir nie eine so große Community erreicht", gibt er zu. Natürlich gebe es auch Nutzer, die definitiv nur zum Punktesammeln kommen, "in der Gesamtbetrachtung" stören sie aber nicht.

Größere Reichweite eines Beacon von Nöten

Auch die Stadtparfümerie Pieper in Düsseldorf hat sich für eine Loyalty-Community entschieden. Der Location-Based-Mobile-Marketing-Spezialist Gettings hat dort ein Beacon-Projekt mit mehr als 70 Händlern ­angestoßen.
Gut vier Monate lang hat ­Online-Leiterin Ilka Janssen unterschiedliche Aktionen getestet, beispielsweise ein Geschenk beim Kauf eines bestimmten Produkts oder einen Rabatt von 20 Prozent. Ihr Fazit: "Das Gesamtprojekt ist leider etwas schleppend verlaufen. Um eine aussagekräftige Auswertung machen zu können, haben nicht genügend Kunden das Angebot genutzt."
Knackpunkt war unter anderem auch die technische Reichweite der Beacons: Nach 16 Metern war Schluss. Gewünscht hätte sich Janssen eine Distanz von rund 30 Metern. Damit spricht sie eines der Probleme bei den Beacons an: Theoretisch ­haben etliche der Sender eine Reichweite von 50 Metern und mehr, praktisch gilt das aber nur in Ausnahmefällen.
"Im Schnitt sendet ein Beacon 15 Meter weit", erklärt Hermann Lichte, Director Innovation ­Management bei Net Mobile, dem Technologiepartner von Gettings. Allein eine Wärmeschutzverglasung an der Ladenfront könne die Reichweite von einem Beacon drastisch senken.
Auch die individuellen örtlichen Gegebenheiten stellen die Dienstleister immer wieder vor Herausforderungen. So sorgte der Materialmix aus Holz, Glas und Beton in den Räumen des österreichischen Weinguts Hillinger für eine sehr unterschiedliche Reichweite der einzelnen Beacons. Dort sorgen insgesamt acht Mini-Sender für eine Indoor-Navigation sowie weiterführende Produktinformationen.
Ohne ein Mindestmaß an Erfahrung ist eine gute Konfiguration und Ausrichtung der Beacons nur schwer zu erreichen. Die Installation auf dem Weingut ist Teil eines Vorzeigeprojekts des österreichischen ­Location-Based-Marketing-Dienstes Loc Place. Mit im Boot sind die Agentur ­Sevenval, die die App für Hillinger ent­wickelt hat, sowie Sensorberg, ein Technologieanbieter, der neben den Beacons auch eine Cloud-basierte Beacon-Management-Plattform bereitstellt.
Sie dient als Content Management System für die Verwaltung der Sender und der dazugehörigen Kampagnen. Der Kunde kann dort beispielsweise festlegen, wann welche Textnachricht verschickt werden soll.

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