Point-of-Sale-Technologie
29.06.2015, 07:30 Uhr

Beacons fehlt es noch an Reichweite

Wie reagieren Verbraucher auf die Beacon-Technologie? Nachdem im vergangenen Jahr einige Testanwendungen in verschiedenen Firmen starteten, liegen nun die ersten Resultate vor.
Symbole kommen aus dem Smartphone
(Quelle: shutterstock/ra2studio)
Der Hype um die Beacon-Technologie ist - gefühlt - wieder etwas abgeflaut. Nachdem im vergangenen Jahr ständig neue Beacon-Projekte angekündigt wurden, liegen nun die Ergebnisse von ersten Anwendungen vor. Das Fazit ist ernüchternd, denn die kleinen Sender erreichen bislang nur sehr wenige Konsumenten mit Werbung.
Beacons sind kleine "Leuchtfeuer", die Signale an Smartphones schicken. Wenn sich Konsumenten in der Nähe der Sender aufhalten, können Unternehmen ihnen über eine mobile App Push-Nachrichten übermitteln. Doch es sind hohe technische Voraussetzungen zu erfüllen, damit die Werbebotschaft eines Händlers oder einer Marke ihren Weg auf den mobilen Bildschirm findet: Die Verbraucher müssen ­eine mobile App installiert haben, die mit dem jeweiligen Beacon kommuniziert. Bluetooth muss auf dem Gerät aktiviert sein, weil die Nachricht auf diesem Funkweg übermittelt wird. Überdies muss eine Einwilligung vorliegen, dass Push-Nachrichten empfangen werden dürfen.
Doch selbst wenn all dies gegeben ist, sind viele Smartphones schlicht zu alt für den Empfang von Beacon-Signalen. Und das sind nur die technischen Bedingungen. Ob die Person die werbliche Information auch wirklich sehen will, ist dabei noch nicht berücksichtigt. Eine Umfrage unter knapp 1.590 Nutzern der Verbraucher-App Barcoo hat ergeben, dass 32 Prozent der Befragten Push-Nachrichten zulassen. Knapp 47 Prozent lehnen dies ab, der Rest sagt "ich weiß es nicht". Die häufigsten Gründe für die Einwilligung sind die Erwartung, relevante ­Informationen zu erhalten oder auf neue Produkte aufmerksam gemacht zu werden, sowie die Hoffnung, durch Rabatte sparen zu können. Nutzer, die keine Push-Nachrichten zulassen, begründen dies mit dem Gefühl der "Belästigung" und mit ­Bedenken, zu viele Nachrichten zu bekommen.
Barcoo hatte 2014 den Dienst "Barcoo Beacons" gestartet. Ladenbetreiber können ihre Filialen für 50 Euro pro Monat "Beacon-fähig" machen. Barcoo installiert die kleinen Sender, übernimmt die Wartung und die Umsetzung der Kampagnen. Der Mymuesli-Laden am Münchner ­Viktualienmarkt war der erste Partner, der von Barcoo mit der Beacon-Technologie ausgestattet wurde. Max Wittrock, Geschäftsführer der ­Mymuesli GmbH, zieht nach einem Jahr Bilanz: "Wir sind große Fans der Beacon-Technologie, aber man muss vorab immer sagen: Diese Point-of-Sale-Technologien wie ­Beacons stecken noch in den Kinderschuhen."
Er geht davon aus, dass die Beacon-Technologie an Relevanz gewinnen werden, erklärt aber auch, dass bisher erst wenige Kunden den Service nutzen. Die Umfrage unter Barcoo-Anwendern hat ergeben, dass nur 12 Prozent schon einmal eine Push-Nachricht von einem Geschäft erhalten haben, als sie gerade dort waren.

Homöopathische Dosis

Die Haltung der Konsumenten werde in der Beacon-Diskussion häufig außer Acht gelassen, findet Tobias Dupuis, Leiter Marketing & PR beim Location-Based-Services-Anbieter Gettings. Gettings hatte im zweiten Halbjahr 2014 ein Pilotprojekt mit 140 Beacons bei 72 Partnern in der Düsseldorfer Innenstadt durchgeführt. Als Schwäche der Beacon-Technologie sieht der Mobile-Marketing-Anbieter die geringe Reichweite: Von den 4.000 potenziellen Gettings-Nutzern, die im Raum Düsseldorf die technischen Herausforderungen erfüllt und ihre Einwilligung zur Beacon-Benachrichtigung gegeben hatten, wurden 2.000 erreicht.
Die anderen hielten sich vermutlich einfach nicht in der Nähe der Test-Beacons auf. Die Nettoreichweite werde aufgrund der Hürden ­relativ schnell klein. "Das war eine ­ernüchternde Erfahrung", meint Dupuis.



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