Erweiterte Realität
06.05.2015, 10:30 Uhr

Augmented Reality: (R)Evolution des Internets

Augmented Reality steht an der Schwelle zur Massentauglichkeit: Innerhalb der nächsten zwei Jahre könnte die nächste große (R)Evolution des Internets beginnen.
Frau betrachtet durch Brille ein Bild
(Quelle: Shutterstock.com/Stefano Tinti)
Selten trafen virtuelle und reale Welt ­vehementer aufeinander als Ende März in Hannover: An einem sonnigen Samstag zogen über 3.000 "Ingress"-Spieler durch die Stadt, den Blick fest auf ihr Smartphone geheftet, unermüdlich auf der Suche nach virtuellen Portalen, die gehackt, Bonus-Items, die gefunden, und Aktionspunkten, die gesammelt werden konnten - natürlich möglichst vor ­einem Agenten der verfeindeten Allianz.
Wer nicht zu den mittlerweile sieben Millionen Menschen weltweit gehört, die das Augmented Reality Spiel der Google-Tochter ­Niantic spielen, dürfte dem Treiben rund um die sogenannte "Shonin-Anomalie" in Hannover verständnislos gegenüber gestanden haben.
Dennoch hat das Spiel-Event eines gezeigt: Augmented Reality (AR) ist auf dem Weg in die Normalität. Noch sind AR-Anwendungen wie "Ingress", bei denen die reale Welt (zum Beispiel die Innenstadt von Hannover) mit digitalen Inhalten (etwa ­geheimnisvollen Energieportalen) angereichert wird, vornehmlich ein Thema für Early Adopter und Technik-Nerds.
Viele Forscher sind aber überzeugt, dass die Technologie an dem Punkt angelangt ist, an dem das Internet vor 30 Jahren und das Smartphone vor zehn Jahren standen: an der Schwelle zur Massentauglichkeit. Die großen IT-Unternehmen drängen mit Macht auf eine praktische Umsetzung auch für den Konsumentenbereich. Microsoft hat mit großem Marketing­getöse für 2016 die "Hololens" angekündigt, ein tragbares Augmented Reality Gerät in der Form einer Skibrille. Die Holo-Brille soll eng mit Windows 10 verknüpft sein und über die damit angebundene große Nutzerschaft eine Standardplattform für AR-Entwickler schaffen.

Revolutionär wie das erste iPhone

Geht es nach Microsoft, ist die Erfindung ähnlich revolutionär wie das erste iPhone. ­Thorsten Piontek, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Mobile-Agentur Seven Mobile Communications, erklärt die Vision so: "Gerät aufsetzen, aus dem Großraumbüro ausklinken, Marslandschaft einblenden, Excel Sheets um sich herum ausbreiten, bei Bedarf bestimmte Kollegen oder Dateien anzeigen lassen. Der klassische Arbeitsplatz wird obsolet, die Übergänge zwischen Realität und Digitalität werden fließend sein." Schöne neue Welt?
Der Druck, mit einem marktprägenden Gerät als Erster an den Start zu gehen, ist enorm. Gerüchtehalber wird auch in ­Cupertino bereits getüftelt: Ein "kleines Team von Apple-Entwicklern" beschäftige sich angeblich damit, ein Augmented Reality Wearable zu entwickeln, das sowohl "modisch" als auch "sozial akzeptabel" sei, ließ der gut informierte Piper-Jaffray-Analyst Gene Munster kürzlich verlauten.
Ein Schuss vor den Bug nicht nur für Microsoft mit seinen Plänen, sondern auch für Google: Das Unternehmen hat die Produktion seiner viel kritisierten Datenbrille Google Glass vorerst eingestellt. Das Thema Augmented Reality ist aber keineswegs zu den Akten gelegt worden: Der Suchmaschinenriese treibt nicht nur die Entwicklung von "Ingress" voran, mit der aktuell ein 50 Mann starkes Team beschäftigt ist, sondern hat letztes Jahr auch 542 Millionen US-Dollar in Magic Leap investiert, ein Technologieunternehmen, das an einer 3-D-Technologie für Augmented Reality arbeitet.
Zurzeit gibt es von Magic Leap nicht viel mehr als das Demovideo eines AR-Shooters, in dem 3-D-Roboter mitten in Büroräumen effektvoll niedergemäht werden. Dennoch gehört das Unternehmen zu den Start-ups, die derzeit in der IT-Branche am schärfsten unter Beobachtung stehen.
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