Mehr Marketing, weniger Social 22.02.2016, 08:10 Uhr

Setzt Xing noch auf die richtige Strategie?

Xing wird immer mehr zur Recruitierungs- und Marketingplattform. Etliche Maßnahmen sollen Geschäftskunden locken, der Social-Media-Gedanke bleibt dabei auf der Strecke.
(Quelle: Shutterstock.com/MaximP)
von Raoul Fischer
Das ist schon ein interessanter Newsletter, der da im Mail-Postfach landet: Unverwechselbar gestaltet im Xing-­Design bietet er Dienstleistungen für den Vergleich privater Krankenversicherungen (PKV) an. Unterschrieben ist die Mail mit "Viel Erfolg beim Vergleichen und Sparen, Ihr Xing-Team". Das Business-Netzwerk als Berater im Bereich PKV? Wer den "Jetzt kostenlos vergleichen"-Button anklickt, merkt schnell: Irgendwie ist auch Verticus an Bord, ein Portal für selbstständige Versicherungsmakler. Die Erklärung von Xing: "Hierbei handelt es sich um ­einen Co-gebrandeten Newsletter, der an ausgewählte Xing-Kunden mit Log-in per E-Mail versendet wird." Der Klick führe auf eine entsprechende, ebenfalls gemeinsam gestaltete spezielle Internet-Seite - sprich Landing Page -, auf der die Nutzer den Vergleich vornehmen können.
Das Beispiel passt in eine groß ­angelegte Content- und Werbeinitiative, die die Business-Plattform seit einiger Zeit verfolgt. Was einmal unter dem Namen "OpenBC" als soziales Netzwerk begonnen hat, ist inzwischen unter Xing zu einer Plattform für den beruflichen Bereich ­herangewachsen. Dazu gehören verschiedenste Angebote für Unternehmen - ob mit Blick auf ­Kundenakquise oder Recruiting -, aber auch diverse ­inhaltliche Angebote für die Mitglieder, um diese zu aktivieren und zu binden. Der Aufwand zahlt sich aus. In den letzten Jahren hat Xing den Umsatz deutlich gesteigert, 2014 sogar um knapp 20 Prozent. Dennoch: Der international aufgestellte Wettbewerber Linkedin holt mächtig auf.
Die Basis für alle Aktivitäten von Xing bilden die Mitglieder, die das Businessnetzwerk nutzen. Diese haben natürlich die Möglichkeit, sich mit anderen zu vernetzen, nach Kontaktdaten zu recherchieren und sich über Xing auszutauschen. Sie können sich nach Themen oder anderen Kriterien in sogenannten Communitys zusammenschließen oder sich über Termine informieren, die auf der Business-Plattform eingestellt werden.

Wandlung vom Netzwerk zur Kommerzplattform

Um die Basis von derzeit 9,2 Millionen Mitgliedern kontinuierlich auszubauen, setzt Xing auf verschiedene Maßnahmen. Zum einen wird die Angebotspalette kontinuierlich erweitert. Der Xing-Stellenmarkt bietet Job-Suchenden zum Beispiel das Zusatzangebot, Job-Inserate auch nach Kriterien wie Work-Life-Balance, Karrierechancen oder sozialer Verantwortung zu sortieren und so schneller herauszufinden, welches Unternehmen oder welcher Job zu den eigenen Bedürfnissen passt. Spezielle Projobs-Profile geben den Nutzern die Möglichkeit einer erweiterten Selbstdarstellung. Diese Profile erscheinen auf den Ergebnisseiten von Head­huntern oder Unternehmens-Recruitern ­besonders hervorgehoben und erhöhen damit die Chance, wahrgenommen zu werden. Job-Suchende bekommen zudem Hilfe angeboten, ihr Profil erfolgversprechend zu gestalten.
Daneben setzt Xing auf inhaltliche Angebote: zum Beispiel auf das Produkt "Klartext", ein journalistisches Format, bei dem Experten und bekannte Persönlichkeiten exklusiv Position beziehen und ­ihre Meinungen zu aktuellen und kontroversen Themen rund um Wirtschaft und Beruf zur Debatte stellen. Darüber hinaus finden die User eine Seite mit den von Xing-Mitarbeitern zusammengestellten Branchen-News, über die sie per Newsletter auf dem Laufenden gehalten werden - maßgeschneidert für 25 Branchen. Alle diese Angebote verfolgen ein Ziel: Mitglieder binden, neue Mitglieder gewinnen.

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