Schweden kaufen News-Seite 12.02.2015, 16:00 Uhr

Bonnier übernimmt DWN

Der schwedische Medienkonzern Bonnier Business Press AB erwirbt 51 Prozent der Anteile der "Deutsche Wirtschafts Nachrichten". In der Branche hat die Nachrichtenseite einen schlechten Ruf.
"Deutsche Wirtschafts Nachrichten"
(Quelle: Screenshot)
Kritiker nennen sie "populistisch", ihre Macher sprechen von ihr als "das am schnellsten wachsende Wirtschaftsmedium im deutschen Internet". Jetzt haben die Deutschen Wirtschafts Nachrichten (DWN) einen neuen Mehrheitseigentümer. Mit Wirkung zum 1. Januar 2015 hat die schwedische Bonnier Business Press AB 51 Prozent der Anteile an dem 2012 gegründeten Unternehmen übernommen. 
Gründer und Herausgeber Michael Maier bleibt mit seinem Kompagnon Christoph Hermann an Bord, über den Kaufpreis wurde nichts bekannt. Der Österreicher Maier gilt als journalistischer Vollprofi mit Netzaffinität. Nach Stationen beim Stern und der Berliner Zeitung war Maier ab 2000 Gründungschefredakteur der Netzeitung, der ersten deutschen Tageszeitung, die nur im Internet erschien. Kapital und Idee stammten aus Norwegen, wo bereits 1996 die digitale Nettavisen.no gestartet war.
Die DWN erreicht nach eigenen Angaben rund zwei Millionen Unique User pro Monat. Besonders stolz ist die Online-Wirtschaftszeitung auf die ständig steigende Zahl der Erwähnungen in Social Networks. Kritiker werfen dem Medium allerdings populistische Tendenzen vor. So nannte "Spiegel online" im August 2014 die DWN in einem Atemzug mit dem für seine Verschwörungstheorie-Literatur bekannten Kopp-Verlag:
"Deutlich subtiler füttern die Deutschen Wirtschafts Nachrichten die Mischung aus Angst und Misstrauen bei einem wachsenden Teil der Bevölkerung. Der spröde Name trügt: Bei den DWN geht es zwar meist um Wirtschaft und Politik, beides wird gelegentlich jedoch so reißerisch aufbereitet, dass der Leser vor Schreck zusammenzuckt. Immer wieder berichtet die Redaktion über angebliche Geheimpläne, mit deren Hilfe Institutionen wie der Internationale Währungsfonds (IWF) oder die EU-Kommission den deutschen Bürgern ans Geld wollen. Bei genauerem Hinsehen entpuppen sich die Fakten dann meist als weniger dramatisch."
"Das Geschäftsmodell ist schnell erklärt: Möglichst hysterische Untergangsszenarieren an die Wand malen, damit unbedarfte Leserinnen und Leser auf allen Kanälen alle ihre Kontakte darauf hinweisen, die das wiederum anklicken (sollen) und damit wird dann mit wenig Aufwand viel Werbung verkauft. Je reißerischer, je mehr Weltuntergang und Verschwörungstheorie dabei ist, umso besser verkauft sich eine Geschichte."
In ihrem Impressum macht die Wirtschftszeitung deutlich, dass sie etwas anders ist. Sie räumt der Darstellung ihres redaktionellen Selbstverständnisses ungewöhnlich breiten Raum ein ("Die Deutschen Wirtschafts Nachrichten stehen für eine liberale Demokratie, in der sich der Staat auf die wesentlichen Aufgaben konzentriert und in der das Subsidiaritätsprinzip gilt"), verzichtet aber komplett auf die Nennung der Autoren und Redakteure die die Inhalte der DWN erstellen. Auch im AGOF-Ranking und der IVW ist der Titel nicht zu finden.
Bonnier Business Press zählt gemäß Eigendarstellung zu den führenden Wirtschaftsverlagen in Europa und gibt unter anderem die schwedische Zeitung Dagens Industri heraus. Zum Verlagshaus Bonnier AB gehören unter anderem die Zeitung Expressen und Dagens Nyheter. In Deutschland gehören unter anderem die Buchverlage Ullstein, Piper und Carlsen zu Bonnier.



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