Monetarisierung von Webseiten 07.08.2017, 08:05 Uhr

Der neue Google Contributor: Werbung gegen Geld ausblenden

Google bemüht sich nicht nur um Advertiser, sondern zunehmend auch um Publisher: Das neu gestartete Abo-Programm Contributor soll ihnen zusätzliche Einnahmen bescheren - und Leser sollen sich damit werbefreie Webseiten erkaufen können.
Nutzer können sich mit dem Google-Contributor-Programm von Werbung gegen eine geringe Gebühr freikaufen.
(Quelle: shutterstock.com/Dooder)
Vor drei Jahren hörte man das erste Mal davon: Contributor sei ein "Experiment für neue Möglichkeiten, das Internet zu finanzieren", erklärte Google das 2014 gestartete Projekt. Leser sollten sich damit werbefreie Webseiten erkaufen können, so die profane Idee dahinter.
 
Drei Jahre später ist das Thema heißer denn je. Denn nach wie vor greifen die meisten redaktionellen Portale im Internet auf Werbung zurück, um ihre Inhalte monetarisieren zu können. Dass das Web nicht kostenlos ist, verstehen zwar inzwischen viele Nutzer - für Content Geld zahlen oder Anzeigen akzeptieren, wollen sie aber dennoch nicht und installieren Adblocker, die Publisher sehr viel Geld kosten.
Hier kommt nun das im Juni 2017 neu gestartete Abo-Programm Google Contributor ins Spiel. Mit dem Programm können sich Nutzer von AdSense-Werbebannern freikaufen. Dafür zahlen sie für jeden Klick auf Inhalte einen minimalen Geldbeitrag. So unterstützen sie die Webseiten - AdSense-Werbung wird bei den zahlenden Usern nicht ausgespielt.

Funktionsweise

Das Prinzip erinnert an Flattr - der Micropayment-Service, der inzwischen zum AdBlock-Plus-Anbieter Eyeo gehört: Nutzer überweisen zuvor einen Geldbetrag von mindestens fünf US-Dollar respektive Euro auf ihr Contributor-Konto. Im Anschluss legt der User fest, für welche Seiten er bezahlen möchte und für welche nicht. Jedes Mal, wenn er dann eine Seite dieser Website aufruft und diese Seite ohne Anzeigen angezeigt wird, verringert sich der auf dem Contributor-Pass verfügbare Betrag um einen Preis pro aufgerufener Seite. Diese Beträge gehen - nach Abzug eines kleinen Teilbetrags, den Google jeweils für die Bereitstellung des Contibutor-Services einbehält - an den jeweiligen Websiteinhaber. Der Preis pro aufgerufener Seite wird vom jeweiligen Websiteinhaber festgelegt.
In den meisten Fällen liegt dieser Betrag derzeit bei einem US-Cent pro Webseite, schreibt der Googlewatchblog. Das dürfte wohl auch ungefähr den durchschnittlichen Einnahmen eines normalen Werbebanners entsprechen. Im Gegenzug werden alle Werbeanzeigen aus dem Google-Netzwerk ausgeblendet. Ist das Konto leer, werden wieder normal Ads ausgespielt. Arbeiten der Publisher noch mit anderen Anbietern zusammen, kann es sein, dass der User weiter Werbung angezeigt bekommt.
Nutzer werden vorab über anstehende Änderungen des Preises informiert. Der Contributor lässt sich recht simpel konfigurieren: User können die Einstellungen ihres Passes jederzeit ändern und Websites hinzufügen oder entfernen.

Das Potenzial

Der Contributor ist durchaus schon in Deutschland, Großbritannien und Neuseeland verfügbar, Webseiten können sich für eine Beta anmelden.
Die Übersichtsseite ist schon auf Deutsch verfügbar.
(Quelle: https://contributor.google.com/v/marketing)
In vollem Umfang nutzbar ist das Programm aktuell aber nur in den USA. Hier ist die Liste der Teilnehmer noch überschaubar.
Die Webseiten, die den Contributor bereits eingebunden haben (Stand: August 2017)
(Quelle: https://support.google.com/contributor/answer/7324995)
Auch wenn das Feature im Moment noch mehr Nach- als Vorteile hat, ist es doch ein Publisher-Modell der Zukunft. Medienhäuser müssen sich Gedanken machen, wie sie ihre Webseiten auch ohne Anzeigen und Werbeeinnahmen finanziert bekommen. Bisherige Paid-Content-Modelle scheiterten respektive liefern lang nicht den erhofften Erfolg. Steigt Google mit seinem riesigen AdSense-Netzwerk nun in den Markt ein, könnte das nochmal Auftrieb geben.
In die Debatte um schlechte Werbung und verlorene User mischt seit Kurzem auch Googles geplanter Adblocker für den Browser Chrome mit. Das Feature soll standardmäßig in der Mobile- und Desktop-Version integriert sein, Nutzer könnten den Adblocker dann in Chrome einfach an- oder ausschalten. Eine Einschränkung gibt es jedoch: Geblockt werden "nur" bestimmte Werbeformate. Dazu gehören die Formen, die die "Coalition for Better Ads" erst jüngst als nicht akzeptabel eingestuft hatte, etwa Full Page Interstitials, Anzeigen, die sofort mit Ton starten und Flash Ads. Der Schritt ist auf jeden Fall eine Gratwanderung für Google, ist das Unternehmen doch auf Online-Werbung als Haupteinnahmequelle angewiesen.




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